header
"Zur ganzen Wahrheit gehören zwei – einer, der sie sagt und einer, der sie versteht." Henry David Thoreau

Zweibeiner ohne Federn hat noch freie Termine

bachspiele

Keine Frage. Keine Antwort.

Wer schweigt, hat es gut.

Man kann die Welt genießen, wie sie sich einem zeigt.

Der Wind rauscht in den Blättern.

Sie zeigen ihre silbrigen Rückseiten.

Die Äste biegen sich im Wind.

Ich erinnere mich an die Sommertage in der Kindheit – als die Nachmittage endlos waren. Hunderte Kilometer vom Elternhaus entfernt, trieben wir uns am Bach rum. Das Sonnenlicht spielte mit den Blättern verstecken und die Schatten huschten über das Wasser. Wir merkten nichts von der drohenden Kälte, die uns später die Onkel, Tanten und Omas einredeten.

Kind, die Kälte steigt durch die Füße auf und Du holst dir einen Schnupfen.

Heute sind die hunderte Kilometer ein zehnminütiger Fußmarsch und die Grabsteine der Verwandten sind vermoost.

Ein normaler Nachmittag bestand aus zwei Meetings und zwei Dutzend E-Mails.

Erinnerst Du dich noch an E-Mails? Das waren diese halben Aufsätze mit angehängten Dateien.

Dateien? Ja, das waren früher einzelne Datenhaufen. Die wurden zusammengefasst zu einem digitalen Etwas, das nur die jeweilige Anwendung lesen und schreiben konnte. Man konnte sie audrucken und hatte dann Tabellen und Aufsätze zum Mitnehmen – falls mal der Strom ausfällt oder einem Himmel auf den Kopf fällt und man die Arbeit von drei Wochen komplett vergisst.

Das waren noch Zeiten am Anfang des dritten Jahrtausends. Alles war in Territorien abgetrennt: Jede Aufgabe, die man erledigen wollte hatte ein eigenes Territorium. Man brauchte spezielle Kenntnisse, eine spezielle Fachsprache, spezielle Werkzeuge und Anwendungen und natürlich spezielles Personal.

Diese Erfindung des Speziellen kam von Henry Fords Fließband. Der hatte vor Urzeiten in der Antike der Moderne die Idee, dass die Menschen an bestimmten Stellen eines Fließbandes standen und an den Rahmen oder die Karosserie eines entstehenden Autos ein Stück Blech anschraubten oder anschweißten. So hatte jeder seine Aufgabe. War mal einer krank oder hatte keine Lust mehr, konnte man ihn oder sie einfach ersetzen, weil die jeweilige Aufgabe schnell zu erlernen war.

Die Besitzer von Firmen mochten diese Idee der Arbeitsteilung. Und man konnte auf diese Weise jeden Menschen so ausbilden, dass er seine Aufgabe besonders gut übernahm. So machte man es dann auch in der Verwaltung: Die Einen kauften billige Rohstoffe ein, die Anderen verwalteten die Gehälter und Löhne. Manche fuhren zu den Verkaufsstellen und zeigten die Vorteile der neuesten Produkte und wie man sie gebrauchte oder geschickt verkaufte.

Es war offenbar eine so gute Idee, dass sogar Kommunen und Staaten in einzelne Aufgabenbereiche zerteilt wurden und bestimmte Berufe zu den jeweiligen Vorgaben gestaltet wurden, sodass spezielle Staats- und Kommunenmitarbeiter die Aufgaben in einer Gemeinschaft – in kleine handliche Happen aufgeteilt – bewältigten. Die Bürger wurden nun durch spezialisierte Dienste in der Gemeinschaft verankert.

Es stellte sich bald heraus, dass manchmal Sand ins Getriebe kam. Denn einzelne Abteilungen wussten nicht was die anderen für Aufgaben hatten, und so kam es zu immer mehr Problemen weil die Bereiche wenig voneinander wussten. Sie waren ja auf ihre Aufgabe spezialisiert. Es wurden Brückenbauer ausgebildet, die zu offiziellen Bindeglieder zwischen den Abteilungen ernannt wurden. Sie hießen Manager. Sie mussten zuhören und weitersagen.

Du erinnerst Dich sicher an diese Manager. Sie waren auch damals am Bach. Sie riefen den anderen Kindern zu, dass der große dunkle Stein direkt neben den Haufen mit den vielen Kieseln müsse und dass man dann das Brett dazwischen verankern müsse.

So wird das nichts, sagten sie, als sie den Anderen über die Schultern guckten und machten dabei ein zischendes Zungenschnalzgeräusch.

Da vorne kommt noch das ganze Wasser vorbei, wenn ihr richtig stauen wollt, muss das eine Brett hier links und der lange Ast direkt da drunter und dann müsstet ihr daneben alles mit Schlamm und Modder auffüllen.

Nicht dass man mir unterstellt, ich würde die Welt in zwei Hälften teilen. Jeder war mal so ein Besserwisser und jeder war auch ein Bessermacher. Manche wurden in die eine Schublade gelegt und Andere in die andere Schublade. Das Teilen übernahmen die Torwächter, die am Ende der Bildungsreise die Rabattmarkenkalender an sich nahmen. Jeder, der viele Marken geklebt hatte war fleißig. Wer fleißig war, wurde als klug betrachtet und musste in die Managerschublade auch wenn sie lieber etwas erfinden wollte und er das Erforschen und Ausprobieren liebte.

Früher oder später zwang der Erfolg zum Kommunikationsjob zwischen den Abteilungen, Mitarbeitern und Geschäftsteilen. Diese Art der Verwaltung richtete fast jeden kreativen Keim in Windeseile hin. Die Anderen hatten es besser. So schien es zunächst. Denn sie mussten nur das erfüllen, was die oberen Manager den mittleren Managern befahlen, die die unteren Manager unterrichteten, die es ihrerseits an ihre Untergebenen weitersagten. Und wer übernimmt nun die Kommunikation. Machen wir das selber? Kann es sein, dass mit den Siegeszug des Social Web der Manager verschwindet?

Wer braucht noch Leute, die dafür sorgen, dass Informationen von A nach B getragen werden. In einem Umfeld, dass Eigeninitiative und ROWE-Umgebungen fördert, stören die professionellen Aufgaben- und Informationsverteiler zunehmend die Freiheit der Mitarbeiter und damit den Erfolg.

Bildnachweis: Mary R. Vogt, USA

Bookmark and Share

Post to Twitter Post to Delicious

1 Kommentar

Trackbacks

  1. inspiration/leader | ralf schwartz

Schreibe einen Kommentar

Kommentar-Regeln - Rules Of Commentary:

Durch einen Klick auf den Absende-Button stimmt der Kommentierende folgenden Regeln zu:

  • Bitte möglichst reale Klarnamen verwenden (Im Zweifel Vornamen)
  • Keine persönlichen Angriffe

Substanzlose Kommentare, SPAM oder persönliche Angriffe werden gelöscht und ggfls. in Rechnung gestellt. By clicking the Submit-Button, you accept a 500 € fee for any comments that only publish advertisments for products or companies and do not refer to the article or other comments in terms of a discussion.