header
"Zur ganzen Wahrheit gehören zwei – einer, der sie sagt und einer, der sie versteht." Henry David Thoreau

Von Wissen 2.0 zu Enterprise 2.0

Wissensmanagement war Ende der Neunziger eine Disziplin, die sich nur schwer aus den Klauen der KI-Forschung (Künstliche Intelligenz) befreien konnte. Heute gehen viele Berater und Praktiker in ganz andere Richtungen. Dass Wissen nur zwischen den Ohren gespeichtert werden kann, hat allerdings noch immer nicht jeden überzeugt. 

Ist Wissen Ende oder Anfang von Kommunikation?

Damals glaubte man im Computer eine Art Expertensystem zu haben. Entweder mit besonders viel gespeichertem Menschenwissen oder aber mit besonders vielen neuronalen Netzen, die selbständig lernen, sollen Entscheidungen von der Maschine erledigt werden, die wir nur Menschen zuordnen würden. Die beiden Googlechefs setzen an die Stelle des Computers einfach ein Computercluster und nennen es das Googlenetz. Es soll einstmals der klügste Denker auf der Erde sein. Genaugenommen ist die bekanntest Suchmaschine der Welt einfach ein Projekt, um endlich das Versprechen der Expertensysteme einzulösen.

Das Wissen läuft im Kreis

Dass Wissensmanagement hat sich im neuen Jahrtausend in eine andere Richtung entwickelt. Tayloristische Wissenschaftler ergehen sich in Spiraltheorien und Kreisläufen, die aus Wissenserwerb und Wissensverteilung und ähnlichen Vokabeln bestehen, aber der Arbeit vor Ort keinen wirklichen Impuls liefern. Es sind Modelle, die oft am Büroalltag und der Wirklichkeit vorbeientwickelt wurden, um den Broterwerb der Autoren zu sichern. Das gelang, weil man diese Maßnahmen in einer Exceltabelle so herrlich einem Budget zuordnen kann. Denn ein Manager läßt sich zu jeder Vokabel ein paar Softwaretools und einige Maßnahmen verschreiben und erwartet dann sehnsüchtig den ROI (Return of Investment). Findige Wissenschaftler – zumeist aus der verhassten Szene der Magister und anderer Gesteswissenschaftler – haben dann festgestellt, dass Wissen gar nicht in Paketen wie die Rohrpost durch das Unternehmen geschickt werden kann. Auch dann nicht, wenn statt der Rohrleitungen und Druckluft einfach Datenbanken, Monitore und Tastaturen eingesetzt werden. Sie propagieren seit einigen Jahren das Zeitalter der Wissensteilung durch Kommunikation. Werde klug durch Reden. Klar, dass so etwas den Laberköpfen aus der Philosophischen Fakultät entspringt. Aber es scheint irgendwie doch zu klappen. Zumindest im Web 2.0. Also in der freien Wildbahn. Aber wie macht man das im Unternehmen fruchtbar?

Enterprise 2.0 – Miteinander arbeiten trotz oder wegen der E-Mailbelastung?

Ob Kollegen das mitgeteilte Wissen besser verstehen, wenn sie es – statt am Monitor zu lesen – einfach beim informellen Teetrinken oder einer Zigarette übermittelt bekommen, bleibt fraglich. Zumindest lernen die meisten mittlerweile mit der Muttermilch des IT-Studiums, dass es mehr braucht als eine Entwicklungsumgebung und ein paar coole Algorithmen, wenn man sinnvoll und gemeinsam an einem Problem arbeiten will. Mancher entdeckt sogar den Zeithorizont und versucht durch Storytelling das Wissen, das sich bei Projekten anhäuft, nachher zu verschriften. Debriefing als Maßnahme des Qualitätsmanagements. Das ist innovativ und sicher löblich. Aber wohin mit den Daten. Und wem erzählt man wie von der Ergebnissen? Hoffentlich endet es nicht mit einer Dauerberieselung aus E-Mails, ICQ und proaktiven Recommendations…

Noch löblicher ist es aber, wenn in einer Firma ein Klima herrscht, das es ermöglicht, einfach jemanden zu fragen, wie etwas besser geht oder wie andere ein Problem gelöst haben. Gab es doch früher auch, oder? Natürlich braucht man dazu Yellow Pages, Intranet oder gar Instant Messaging und Blogs, damit man weiß, wer was wann warum und wie vollbracht hat. Aber eigentlich kann man das auch mit einem Smartphone erledigen, oder?

Wie auch immer: T-System schickt sich nun an, diese neue Welt namens Enterprise 2.0 anzuerkennen. Damit sind sie nicht die ersten in Deutschland, sie sind auch nicht innovativsten, aber man kann es jetzt als commodity – also Massenmarkt – bezeichnen und weiter machen. Willkomen T-Systems! Hier eine schöne kleine Präsentation aus diesem Hause zum Thema, kommt hierher.

Autor: Jörg Wittkewitz. Alle Rechte vorbehalten.
Bookmark and Share

Post to Twitter Post to Delicious

Folgende Schlagwörter: Arbeitswelt, Enterprise 2.0, social software, Wissen 2.0

2 Kommentare

  1. Oh bitte. Gute Inhalte sollen ja auch gewürdigt werden. Ich freue mich immer, wenn publiziert wird, dass Software nur ein kleiner – wenn auch wichtiger Teil – beim Umbau der neuen Arbeitswelt ist. Der Mensch war, ist und wird ausschließlich dann erfolgreich sein, wenn er mit anderen interagiert. Haque würde es so ausdrücken: Connection instead of transaction. Danke für den Hinweis auf die anderen Teile

  2. Danke fürs Einbetten. Den Teil 2 und 3 gibt es unter www.projektmanagement20.de

Schreibe einen Kommentar

Kommentar-Regeln - Rules Of Commentary:

Durch einen Klick auf den Absende-Button stimmt der Kommentierende folgenden Regeln zu:

  • Bitte möglichst reale Klarnamen verwenden (Im Zweifel Vornamen)
  • Keine persönlichen Angriffe

Substanzlose Kommentare, SPAM oder persönliche Angriffe werden gelöscht und ggfls. in Rechnung gestellt. By clicking the Submit-Button, you accept a 500 € fee for any comments that only publish advertisments for products or companies and do not refer to the article or other comments in terms of a discussion.