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"Zur ganzen Wahrheit gehören zwei – einer, der sie sagt und einer, der sie versteht." Henry David Thoreau

Web2Expo SF: Hinchcliffe sagt Enterprise 2.0 = Social Business

Moscone Center In San Francisco ist wohl gerade das Gegenteil vom Friedrichstadtpalast. Supermodern. Sehr viel Glas, sehr viel Stahl und alles ein bißchen voller IKEA-style.

Dion Hinchlicliffe auf der Web2Expo

Dion Hinchlicliffe auf der Web2Expo - Photo by Alex Dunne (flickr)

Dion Hinchcliffe war etwas verloren in dem großen Saal, sein Vortragsthema nicht:

Economics 2.0: Highly Effective Strategies for Putting Your Business on a Recession Diet.

Collaboration wins war allerorten zu hören. Interessant war Hinchcliffes Ansicht, dass das aktuelle Fokussieren auf Daten (data wins!) eher ein Rückschritt sei. Es ginge viel eher um das Wissen, dass auf der Basis von Daten entstehen kann: Peer Production. Aber damit das klappen kann, stehen uns noch einige Aufgaben bevor. Denn der Mehrwert entsteht im Netzwerk. Das hat unter anderem die organisatorische Folge, dass in den Org-Charts nicht mehr der Rang am wichtigsten ist sondern die Fähigkeiten (skills), die direkt umgesetzt werden und nicht die die irgendwann erworben wurden. Natürlich muss auch über Grenzen und Fokus von Kontrollmaßnahmen neu nachgedacht werden. Die Wertschöpfungsketten mit Zulieferern und Dienstleistern müssen auf eine partnerschaftliche Basis gestellt werden. Nur wer etwas Sinnvolles ins Partnernetzwerk gibt, der kann auch etwas Wertvolles bekommen. Transparenz muss aus dieser Perspektive auch als Initiative für das eigene Wachstum gesehen werden.

Denn neben allen strukturellen Problemen ist das eingefahrene Denken der meisten Beteiligten Auslöser oder mindestens Bewahrer für viele aktuelle Schwierigkeiten.

Niemals zuvor gab es eine einheitliche Struktur (das Web) in dem alle Beteiligten potenziell gleichberechtigt am Markt teilhaben können. Früher waren einige Netze untereinander verbunden. Aber kein kleineres System kann langfristig neben einem größeren bestehen, ohne beeinflusst oder gar aufgesogen zu werden. Jetzt haben wir einen einheitlichen Ort. Das ist Chance und Herausforderung gleichermaßen.

Was sind die Werkzeuge von Enterprise 2.0 und offenen Geschäftsmodellen?

Bisher gab es ein paar Web 2.0 Werkzeuge für die Softwareentwicklung, SaaS und Cloud Computing lieferten spezifische Lösungen für Abteilungen oder einzelne Branchen. Das Ansprechen dieser Branchen oder einzelner Kundengruppen erfolgt über crowdsourcing. Im besten Fall wird so auch die Produktentwicklung einbezogen. Marketing und Sales läuft dann analog über Online Communities und soziale Netzwerke. Laut Hinchcliffe sind Enterprise 2.0 und offene Geschäftsmodelle in der Lage, all dies neu und transparenter abzubilden. Es geht beim Einbeziehen aller möglichen Partner nicht nur um ein bloßes Wachsen der Gemeinschaft. Er sieht darin einen Faktor für mehr Effektivität und beruft sich auf Reed.

David P. Reed, Absolvent und Professor am MIT, definiert, dass der Wert eines Netzes exponentiell mit dessen Größe steigt. Dieses Gesetz kann auch auf soziale Netzwerke angewendet werden.

Was also sind die stärksten Kräfte in der neuen Welt der Arbeit?

1. Netzwerkeffekte

Immer dann, wenn etwas besonders hilfreich ist, wenn es besonders viele haben, dann sprechen wir von einem Netzwerkeffekt. (E-Mail etc.)

Das macht sich besonders bemerkbar seit nicht mehr nur Institutionen sondern auch Individuuen an der Gestaltung des Web teilhaben. (Long Tail)

2. Peer Production

Clay Shirky nennt diese eher Co-Creation, Hinchcliffe fokussiert eher die Kooperation bei der Erstellung von Open Source, was aus meiner Erfahrung eher prädemokratisch abläuft.

3. Selbstbedienung (ja, das kennen wir seit es Online Banking und und die “neuen” Bäkerläden gibt.)

4. Offene Geschäftsmodelle

5. Neue Strukturen sozialer Macht

Insofern siehte er in Enterprise 2.0 einen Begriff, der die Strukturen für Social Business legt. Was ist nun anders mit Enterprise 2.0, was es vorher nicht gab?

Wissen wird einfach durch Blogs oder Wikis publizierbar und ist leicht auffindbar, die Technologien dafür werden immer reifer und gleichzeitig einfacher bedienbar. (Das gilt leider noch nicht für Deutschland. Aus meiner Erfahrung wissen 3 von 4 Leuten, die täglich im Netz arbeiten nicht genau, was ein Blog eigentlich ist oder was es soll.)

Das schöne am Arbeiten mit Enterprise 2.0 Tools ist, dass sie nicht vordefiniert die Wege der Kooperation oder überhaupt der Nutzung vorgeben. Im besten Fall können Mitarbeiter selbst entscheiden, wie sie die Werkzeuge einsetzen. Das senkt die Hemmschwelle, hoffentlich. Das kann ganz billige erfol nur um die 10.000 €. Da musste ich doch schmunzeln, da das Aufsetzen eines WordPressblogs mit Erweiterungen und ein paar Sicherheitsmaßnahmen bei mir bisher nie teurer war als 2000 €. Und das auch nur, wenn es die Multiuservariante war. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass das Aufsetzen eines Apaches im Intranet bei IBM sicher um die 5000 Euro kostet. dann noch ein WordPressinstanz und schon hat man 10K weg.

;-)

Aufgrund einer Forrester Umfrage von 2008 ist offenbar geworden, dass gerade gorße und sehr große Firmen planen Web 2.0 Tools einzukaufen bzw. das schon getan haben. Unter den 2000 größten Firmen weltweit sind das die Hälfte. Bank of America, Dresdner Kleinwort Wasserstein, IBM, Motorola, Northwestern Mutual, Procter &Gamble , Siemens und SAP können schon große Erfolge mit Enterprise 2.0 vorzeigen.

Warum Firmen es versuchen sollten, liegt angesichts der aktuellen Lage auf der Hand: Das Risiko ist gering, auch die Kosten sind es (je nach Dienstleister), die Effekte sind wiederholbar in jeder Geschäftseinheit, nachgewiesene Erfolge (s.o.) und einige sehr vielversprechende ROI-Berechnungen.

Wertschöpfung

Hinchliffe sieht in offenen APIs neue Wertschöpfungsketten. Ein Beispiel das jeder kennt sind die 1001 Stores von Amazon (55.000 Partner Sites!) auf vielen Blogs und Foren, die auf diesen offenen APIs beruhen. Damit hat Amazon seinen Anteil am Webtraffic in wenige Jahren exponentiell gesteigert. Und der Cloud Computing Markt wird schon jetzt von Amazons Elastic Computing und Simple Storage beherrscht. Es ist offenbar, dass das verkaufen von geschlossenen APIs ein auslaufender Markt ist, weil die Distribution viel Geld kostet und der Netzwerkeffekt völlig wegfällt. Also ist es schlau, für Power User und Webentwickler schnelle integrierbare oder sogar einfach widgets anzubieten, um am Wachstum des Netzes zu partiziperen. Hierbei geht weitreichende Unterstützung bestehender Plattformen und Standards vorn Funktionalität. Wir sprechen beim Mobilmarkt von fast 4 Milliarden Nutzern!

Insofern ist Cloud Coumputing die einzige Struktur, die mit solchen Zahlen skalieren kann.

Viel mehr habe ich dann nicht mehr mitgeschrieben, weil mir die Hände abfielen.

Aber Hinchcliffe hat versprochen, die Präsentation mit bestimmt 100 Slides online zu stellen. Es sind 130 slides und sie sind hier, fette Datei!

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Folgende Schlagwörter: Arbeitswelt, consulting, Die Kommunikation, Enterprise 2.0, people, social software, Social Web, Web 2.0, Wissen 2.0, Wissensmanagement

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