header
"Zur ganzen Wahrheit gehören zwei – einer, der sie sagt und einer, der sie versteht." Henry David Thoreau

Web 2.0 ohne Strom

Photo: Scott M. Lidell

Photo: Scott M. Lidell

Ein unappetitliche Angelegenheit keimt in den Kabeln des weltweiten Netzes. Sie wurde ausgeschwemmt aus den Kabeln der Firmennetze. Dort lebt sie schon lange in den verborgenen Welten des technologischen Fortschritts. Legionen von unverbrauchten Mitarbeitern nutzen alle denkbaren Mittel und Werkzeuge, die der technologische Glaube an das große Gute vorschreibt. Es geht schon längst nicht mehr um die (gute?) alte Datenverarbeitung. Kommunikation und Kollaboration sind digital. Das heißt, dass kleine Gadgets den Ritter 24 Stunden am Tag mit dem Schwert der Vernunft ausstatten. Wer schon einmal längere Zeit ohne Elektrizität lebte, hat die Vor- und Nachteile erfahren. Die Lebensqualität nimmt zu, der Lauf der Dinge wird entschleunigt und die Anbhängigkeit von kleinen Helferlein am Gürtel und in der Aktentasche wird schlagartig zum Treppenwitz der eigenen Biographie.

Das digitale Schwert gegen das Unwissen ist nicht mehr die allwissende Müllhalde namens Data Warehouse. Denn mit dem Abgesang der Kaufhäuser in der realen Welt und dem Online-Outlet verläßt auch die Metapher des Warehouses die beschreibende Kraft. Allzeit bereit für die Apokalypse des Unwissens und der Antwortlosigkeit, hatte man sich im Innen- und Außendienst zunächst mit dem Archiv, dann mit dem Firmenwissen und nun dem Wissen der Massen vor Sprachlosigkeit und Ideenblockade zu retten geglaubt. Es wurde aus allen Rohren gefeuert gegen den Dämon des Problems: E-Mail, Office-Programme, Instant-Messaging und Browser für dynamische Datenbankabfragen in feinstem Layoutzwirn, der sogar zeitnah und proaktiv per AJAX auf den Nutzer eingehen konnte.

Und was macht der Nutzer anstatt der Apokalypse zu trotzen? Die Ersten schalten einfach aus. Es werden einzelne Exemplare dabei beobachtet, wie sie proaktiv ihre digitalen Schwerter wie iPhone und BlackBerry einfach zur Seite legen und direkt mit dem Feind des eigenen Nachdenkens umgehen. Das stellt schnell ein direkte Verbundenheit mit aktuellen Vorgängen her, die auf digitalem Wege unmöglich waren. Man kann zum Beispiel am Tonfall hören, ob einer lügt oder ein Aufschneider ist.  Sie sprechen mit den jungen Heißspornen und ermutigen sie ihrerseits, auf Waffen zu verzichten und einfach mal mit dem großen bösen Dämon Unkenntnis, nebelartige Problemdarstellung und Konflikt(un)fähigkeit zu sprechen.

Sei es ein Kunde, der einfach etwas anderes will als das, was die Produktentwicklung aufgrund überirdischer teurer Marktforschung erstellt hatte. Oder ein Kunde, der wirklich ein Problem hat, einfach dem zu folgen, was ein Berater rät, weil der Berater diese Ratschläge nur aus Büchern und Kongresse kennt und keine klare Relevanz für die aktuelle Situation der Firma mit seinen eigenen Worten darlegen kann. Ohne Keynote, Prezi, slidshare und Dutzende Exceltabellen für den Controller ist der Berater/Kontakter/Vertriebler quasi nackt. Ob das eine Frage der Generation ist, bliebt zu bezweifeln

Was dann übrig bleibt, wenn man Office, Intranet, Web, Social Media einfach ausknipst, ist ein Stift, ein Blatt Papier und ein halbe Stunde Zeit. Wer mich so überzeugt, der bekommt den Auftrag.

Bookmark and Share

Post to Twitter Post to Delicious

3 Kommentare

  1. Connectivity ist der Traum der die Mobilfunkerabzocker und iSprechschachteln reich machte.

    Ansonsten ABC … I agree …

  2. Naja, das mit den Entscheidern kommt auf die Ebene an.
    A-Level ist nur noch für das freundliche Getue da und eben die Repräsentation, also eine Art sehr teure Investor Relations und Public Affairs Agent.

    B-Level muss den Willen der Eigentümer umsetzen und zwar mit der Hand am Arm und von einer Konferenz zur anderen hetzen, die können gar nicht am PC oder Handy arbeiten, weil die nur reden.

    C-Level “is stuck in the bureaucracy”. Die brauchen keine Kompetenz sondern ein dickes Fell und Tonnen von Exceltabellen plus 12 Einheiten Geduld pro Tag.

    Connectivity ist, glaube ich, der feuchte Traum der IT-Dienstleister und Kistenschieber 2.0.

  3. Inkompetenz kaschiert man heute am besten mit übertriebener “Connectivity”. Die meisten Office Slaves haben den aktiven Teil des Knowledge-Workers schon längst outgesourced. Denn merke: Entscheider denken nicht – sie lassen denken! Und jeder möchte doch lieber ein Entscheider sein, oder?!

Schreibe einen Kommentar

Kommentar-Regeln - Rules Of Commentary:

Durch einen Klick auf den Absende-Button stimmt der Kommentierende folgenden Regeln zu:

  • Bitte möglichst reale Klarnamen verwenden (Im Zweifel Vornamen)
  • Keine persönlichen Angriffe

Substanzlose Kommentare, SPAM oder persönliche Angriffe werden gelöscht und ggfls. in Rechnung gestellt. By clicking the Submit-Button, you accept a 500 € fee for any comments that only publish advertisments for products or companies and do not refer to the article or other comments in terms of a discussion.