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"Zur ganzen Wahrheit gehören zwei – einer, der sie sagt und einer, der sie versteht." Henry David Thoreau

Was Firmen bei Blogs richtig machen können

pyramideChris Brogan hat Ende Juni dargelegt, wie Firmen Blogs strategisch einsetzen sollten. Anlaß genug, die Aspekte etwas näher zu beleuchten. Denn anders als viele Medienleute es gerne hätten, beginnen mittlerweile auch die über-40jährigen Kunden nach dem Bekanntenkreis Blogs und Soziale Netzwerke zur Produktinformation zu nutzen. Es ist eine Frage der Glaubwürdigkeit. Wer hier nicht auf Transparenz setzt, kann sehr schnell sehr viel Porzellan zerschlagen.

Zunächst geht es um die möglichen Startpunkte und ersten Begründungen, warum ein Blog hilfreich sein kann:

  • Kundenbindung und Loyalität

Hier empfiehlt Brogan, einen Kunden der Woche auszuwählen. Naja, wir kennen ja alle hübschen Fotos bei amerikanischen Ketten, auf denen ein reichlich verkrampfter oder mißmutiger Mitarbeiter Motivation für Kollegen oder gar Kunden(?) ausstrahlen soll. Ob deutsche Kunden ihre Fotos auf den Websites von Firmen sehen wollen, würde ich heftig bezweifeln. Aber der tiefere Sinn von Kundenbindung liegt ja nicht in einer Kundenhitparade sondern in der Kundenzufriedenheit. Insofern kann ein Blog direkt und ohne den Facebook-Umweg ein Werkzeug sein, bei dem Kunden Probleme oder tolle Erlebnisse mit Leistungen einer Firma niederlegen. Beim Durchforsten der Probleme kann man sicher diverse praktikable Ideen finden, und in die Produktentwicklung weiterreichen. Die gute Beispiele, wie Waren den Menschen helfen oder Spaß machen, können wiederum andere Nutzer anregen oder das Marketing befeuern. Achja, wer eine Firma erfolgreich auf einen Herstellungsfehler hingewiesen hat, der tatsächlich zu einer Optimierung beigetragen hat, kann ja gerne in die Hall of Fame der Website aufgenommen werden, mit einem Foto bei dem er oder sie die Prämie in die Kamera hält. Ein Lächeln wird dabei übrigens echt aussehen. Das hat Vorteile, denn Authentizität ist die härteste Währung, die keiner Inflation unterliegt und international gültig ist. Fotos stören selten und erfüllen visuelle Erwartungen. Bitte nicht wahllos einfach in die Stock-DVD schauen und das erste Beste nehmen.

  • Produkt/Service Informationen

Hier empfiehlt Chris Brogan, einige leicht verständliche Anleitungen zu schreiben. Es wäre schön, wenn die Damen und Herren Texter auch mal in Rechnung stellen würden, dass man binnendifferenziert schreibt. Was das ist? Erklären Sie ihrem Texter, dass er einfach einen Text für drei Lesergruppen schreibt, mit ansteigender Expertise, vom Unwissenden zum täglichen Nutzer. Man muss nicht immer das Pyramidenprinzip abarbeiten, wie die meisten das im PR-Heimstudium oder der Journalistenschule gelernt haben. Es geht auch leserorientiert und nicht bloß inhaltsorientiert. Geben Sie den Lesern die Chance, Ihre Inhalte weiterzuverbreiten über Links zu Twitter oder andere Social Web Tools wie Social Bookmarking etc. pp. So ein bißchen Vernetzung schadet selten, Vernetzung durch potentielle oder zufriedene Kunden noch weniger…

  • Adressen generieren

Brogan möchte, dass Sie Blogeinträge schreiben, die die Leute dazu veranlassen, sich zu registrieren mit Klarnamen und Adresse. Das ist sicher ein edles Vorhaben aus Sicht der Vertriebsmannschaft, geht aber im Kern an der Idee Social Media vorbei. Wie wäre es, sich etwas zu überlegen, das die Menschen animiert mitzumachen und sich selbst einzubringen. Dann kommen die Adressen auch irgendwann, aber noch wichtiger ist, dass die Menschen hinter den Adressen Spaß, Hilfe, Ernst genommen werden oder ähnliches erleben. Manchmal ist es bedeutend wertvoller, den Kunden ihre Privatsphäre zu lassen. Dort kann man auch ungestört konsumieren, ohne anderen die Adresse mitzuteilen. Außer sie machen auf der Website einen Online-Shop. Aber das ist was anderes. Dann müssen sie Communitybuilding betreiben, was eine etwas andere Baustelle ist.

  • Organic Keyword Marketing Assistance (SEO/SEM)

Das übersetze ich jetzt mal nicht. Es ist einfacher als es sich liest, wenn man a. gute Inhalte hat, die hilfreich und interessant sind und b. einen Texter hat, der zu spezifischen Themen strukturierte Texte verfasst. Welche Themen das sind, bestimmt die Produktpalette. Welche Struktur der Text haben soll, wird bestimmt durch die Schlüsselbegriffe, mit denen man bei Google und Konsorten gefunden werden soll.

  • Entertainment

Unterhaltung soll die positive Einstellung der Website-Besucher unterstützen und fördern. Spaß kann aber auch einfach Spaß machen. Selbstzweck ist nicht verboten. Viel schöner finde ich es, die Blogbesucher anzuregen den besten Film oder besten Podcast zu einem Thema einzureichen und dann alle Nutzer abstimmen zu lassen, wer gewonnen hat. Überhaupt stelle ich fest, dass mir die Tips vom kleinen Bruder des Übervaters des Online-Marketing (der große Bruder ist Seth Godin) viel zu passiv und langweilig sind. Mann kann auf diese Weise das Blog sehr gut mit Facebook oder Youtube-Profilen vernetzen.

  • Aufmerksamkeit

Aufmerksamkeit kann nicht schaden. Ob man unbedingt soviel Aufmerksamkeit wie Frau Spears oder Madonna Ciccione haben muss, wage ich zu bezweifeln. Auch Brogan hängt das Thema etwas tiefer und fordert uns auf, regelmäßig verschiedene Aspekte und Themenbereiche abzudecken, um viele Leser zu binden. Also, morgen schreibe ich dann besser eine Fimkritik zu Transformers 2 oder Ice Age 3, damit hier auch mal mehr lesen…?

  • Meinungsführerschaft

Meinungsführerschaft. Dazu braucht man eigene Gedanken. Dies ist aus meiner Sicht der Schlüssel, um ein Corporate Blog erfolgreich einzusetzen. Sie brauchen eine oder mehrere Personen, die wirklich etwas zu sagen haben. Das Niederschreiben kann ja eine Agentur oder ein Freier Autor übernehmen (in aller Unbescheidenheit und an die Adresse eventuell prekärer, aber talentierter Blogger die hier mitlesen, kann ich sagen, dass man damit gutes Geld verdienen kann), aber das Denken sollte hauptsächlich in der Firma verbleiben. Denn Inhalte, die außerhalb einer Imagestrategie oder eines Firmenprofils schlicht die Aufmerksamkeit ziehen sollen, sind genauso schädlich wie langweilige Artikel. Beachten Sie besonders die Kommentare und den Dialog über die Kommentarfunktion.

  • Bekanntmachungen

Brogan möchte so ein Blog als besseres Mittel zum Verteilen von Pressemitteilungen eingesetzt wissen. Hier möchte ich darauf hinweisen, dass sicher sehr schlau ist, dies zu unterlassen. Es sei denn, man hat eine derart gute PR- und Marketingarbeit, dass man schon dialogisch arbeitet, was ich für 96% der deutschen Firmen verneinen würde. Es ist nicht nur der Ton, der ganz anders ist. Es ist nicht nur das Ziel das zumeist ganz anders ist. Es ist das wahllose Verbreiten von Inhalten in alle Richtungen ohne Ansehen der Lesererwartungen, das mich hier stört. Man kann den Inhalt der PI auch in einem Blog verbreiten, nicht aber die PI selbst. Das ist Quatsch.

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Folgende Schlagwörter: Arbeitswelt, Die Kommunikation, Marketing, medien, Online-PR, online-reputation, Social Media, Social Web, Web 2.0, Web 3.0

2 Kommentare

  1. Wieder einmal ein interessanter Blogartikel. Ich lese den Blog sehr gerne und fast jeden Artikel.

    Die Kritik an den amerikanischen Vorschlägen überzeugt. Nicht JEDES amerikanische Konzept läßt sich auf den deutschen Markt übertragen. Viele schon, aber der Deutsche ist nicht deckungsgleich mit dem Amerikaner, weder in der Weltanschauung noch in der Internetnutzung.

    Der Vorschlag mit den Fotos für Usermeinungen hat mich am meisten überzeugt. Dies werde ich vermutlich versuchen umzusetzen. Mit Gravatar funktioniert dies ja schon sehr gut bei Blog-Kommentaren. Warum also nicht auch bei Shop-Meinungen.

    Thorsten Piontek

Trackbacks

  1. blogoscoop » Wie mit Blogs erfolgreich werden und wie geht es dann weiter?

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