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	<title>digitalpublic.de &#187; Wissen 2.0</title>
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	<description>&#34;Zur ganzen Wahrheit gehören zwei - einer, der sie sagt und einer, der sie versteht.&#34;            Henry David Thoreau</description>
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		<title>Erfahrung ist (k)ein Hemmschuh</title>
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		<pubDate>Fri, 22 May 2009 11:45:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Vorname Nachname</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Erfahrung kann helfen oder den freien Blick behindern...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a rel="attachment wp-att-1370" href="http://www.digitalpublic.de/erfahrung-ist-kein-hemmschuh/lernen"><img class="alignleft size-full wp-image-1370" title="lernen" src="http://www.digitalpublic.de/wp-content/uploads/2009/05/lernen.jpg" alt="lernen" width="300" height="199" /></a>Erinnern Sie sich noch an die Anfänge der Scientologen in Deutschland? In den Fernsehzeitungen der Achtziger Jahre gab es immer eine Seite mit billigen Minianzeigen, wo Erregungspillen, Wunderschuhe für kleine Männer und Rheumadecken angeboten wurden. Ich habe sie immer bei meiner Oma im reader &#8216;s digest gelesen. Dort war immer auch ein Kopf von Einstein abgebildet und daneben stand sinngemäß: <em>Wir nutzen nur 10% unseres Gehirns</em>. Mit Dianetik, das ist die besondere Methode der Scientologen, sollte man in der Lage sein, das ganze Potenzial des neuronalen Wunderwerks der Natur zu erschließen.</p>
<p>Dann kam das Jahrzehnt der Psychologie und alle und jeder waren plötzlich Experten für Wissen und Erkenntnis, wenn man nur das Wort Dopamin oder Serotonin fehlerfrei schreiben und einer Aufgabe zuordnen konnte.</p>
<h3>Erfahrung bildet einen Filter</h3>
<p>Viel weiter sind wir heute nicht. <em>Savants</em> (das sind Gedächtnis-, Kunst-, oder Musikgenies, die durch Kopfverletzungen oder Autismus besondere Fähigkeiten im Gebrauch der neuronalen Informationsverarbeitung erlangt haben) helfen den immer noch ratlosen Hirnphysiologen und Psychologen bei der Erklärung der Funktionen des Gehirns weiter. Ein Verständnis des Zusammenhangs von physiologischem Aufbau des Gehirns und dem, was wir Bewußtsein oder gar Wissen nennen, scheint aber immer noch in weiter  Ferne zu liegen. Je mehr bildgebende Verfahren den Menschen beim Denken und Fühlen zeigen, desto ratloser oder spekulativer werden die Bewertungen der Fakten. Räumliche Verortungen zeitlicher Geschehnisse sind den Experten offenbar nicht möglich. Kein Wunder.</p>
<h3>Hilft Wissen beim Erkennen einer Situation?</h3>
<p>Die Diskussionen um Wissensmanagement haben die alten Studien von <a target="_blank" title="Link zu wikipedia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Polanyi" target="_blank">Mihalyi Polanyi</a> wieder ins Zentrum gerückt. Mit Bezug auf Gestalttheorie erkennt er ein Hintergrundwissen, das er auf Erfahrungen zurückführt, das er als stilles Wissen bezeichnet. Demgegenüber stellt er das explizite Wissen, das in Wörter und Zeichen abstrahiert, weitergegeben werden kann. Vereinfacht gesagt ist explizites Wissen der Fokus auf die Hand, die den Nagel beim Einschlagen hält. Denn sie muss nicht nur den Nagel gerade halten, sondern ist der Wucht des Schlages ausgesetzt. Die Hand, die den Hammer führt, ist die eigentlich treibende Kraft. Sie wird aber eher unbewußt genutzt und kann daneben hauen. Sie gehorcht dem gewöhnlichen Handwerker nicht in einem intentionalen Sinne, obwohl sie Teil der Persönlichkeit und des bewußten Handelns zu sein scheint. Erst der erfahrene Tischler oder Zimmermann haut sich kaum noch selber auf den Finger. Seltsamerweise ohne ein aufmerksames Beachten ihrer Handlungen. Erfahrung hilft also den Fokus zu verlagern.</p>
<p>Nun haben aber die Forschungen rund um die Savants und ihre Genieleistungen gezeigt, dass sie zu den quasi übermenschlichen Leistungen nur fähig sind, weil ihre Wahrnehmungsfilter gestört sind. Dies sind aber genau die Strukturen, die aufgrund von Erfahrung, das Aktuelle soweit einreduzieren, dass wir Entscheidungen treffen können, ohne der Wucht der Informationsmengen zu erliegen, die jede Sekunde auf uns einströmen.</p>
<p>Erfahrung ist im Wissensmanagement der heilige Gral. Es gibt Dutzende Verfahren, die zum Ziel haben, Wissen und Erfahrungen langjähriger Mitarbeiter in Datenbanken oder neue Kollegen zu transportieren.</p>
<h3>Erfahrung behindert den freien Blick</h3>
<p>Wenn man auf das Thema Innovationen schielt, ist genau dies der falösche Weg, da meistens der unverstellte Blick auf bestehende Probleme neue Wege und Lösungen erst ermöglicht. Erfahrungen behindern eine genazheitliche Würdigung aller erkennbaren Phänomene. Sie sind gut im handwerklichen Bereich, wenn es um das Wiederholen automatisierbarer Handlungen geht. Beim Problemlösen kann Erfahrung jedoch behindern.</p>
<p>Es wird langsam Zeit, den Umgang mit Wissen, Erfahrungen und Lernen zu professionalisieren. Das meint vor allem ein Differenzieren der Leistungen und Anwendungen einzelner Elemente der Diskussionen in Psychologie, Pädagogik und Didaktik. Auch die Personalentwicklung sollte das goldene Kalb Skill-Management in ein neues Licht rücken. Nicht jeder Deckel passt auf jeden Topf. Und ein Passen gewährleistet selten einen optimalen Einsatz.</p>
 
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		<title>Der Untergang des Rabenlandes</title>
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		<pubDate>Thu, 07 May 2009 12:12:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Vorname Nachname</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Wissen 2.0]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus - meistens jedenfalls]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="margin-bottom: 0cm;"><a rel="attachment wp-att-1348" href="http://www.digitalpublic.de/der-untergang-des-rabenlandes/corvus_corax"><img class="alignleft size-full wp-image-1348" title="corvus_corax" src="http://www.digitalpublic.de/wp-content/uploads/2009/05/corvus_corax.jpg" alt="corvus_corax" width="300" height="204" /></a>Der germanische Gott Odin hat seine beiden Raben Munin und Hugin immer dabei. Auch bei Apollon sind sie heilige Tiere. Raben sind seit alter Zeit die Symbole für Weisheit. Abgesehen von den Christen. Sie sahen in den schwarzen Einzelgängern böse Tiere. Das englische Königshaus hält sich eigens ein Rabenpärchen im Tower of London. Und sogar die Wissenschaftler haben in etlichen Experimenten festgestellt, dass der Rabe zu komplexen geplanten Handlungsfolgen in der Lage ist. Noch beeindruckender ist ihr Lernvermögen: Nüsse legen sie bei roten Ampeln auf die Straße und warten, bis die Autos drüber fahren. Bei der nächsten Rotphase picken sie dann das Innere der Nüsse von der Straße. Die Raben in der Umgebung beobachten das und machen es nach. Raben erkennen sogar ihr Abbild im Spiegel.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">
<p style="margin-bottom: 0cm;">Wenn man den Menschen hinsichtlich seines Wissens und seiner Lernfähigkeit beobachtet, kommen Zweifel auf, ob und wann solche Transferleistungen vonstatten gehen werden. Es gibt schon seit langem Menschen, die festgestellt haben, dass es erfolgreicher, sicherer und befriedigender ist, die Sprache nicht als manipulatives Instrument einzusetzen. Mit ihnen kann man in einen offenen Dialog treten, ohne einem teilweise sehr dümmlich vorgetragenen Theaterspielen anheim zu fallen.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Auch die Rücksicht auf Flora und Fauna als uns umgebende Sphäre des Lebens könnte eigentlich ein Verhalten sein, das seltener als ökologisch und damit ideologisch befrachtet angesehen wird. Wäre das Lernvermögen der Menschen ähnlich schnell wie das der Raben, würde es weniger Autos, weniger Energieverbrauch und kürzere Arbeitszeiten für mehr Arbeitnehmer geben.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">
<p style="margin-bottom: 0cm;">All das ist aber nicht realisiert. Nach langen Jahren Tätigkeit im Bereich des Wissensmanagements, der Personalentwicklung sowie der Beratung von Firmen hinsichtlich des Aufbaus von Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter habe ich viele verschiedene Auffassungen erlebt, wie Menschen über sich selbst und ihre Zugehörigkeit zu Gemeinschaften denken.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">
<p style="margin-bottom: 0cm;">Immer in Zeiten von Krisen beginnt ein Hauen und Stechen auf die vermeintlich Schwächeren, um die Ängste zu kompensieren, die entweder aus dem Inneren in vorauseilendem Gehorsam kommt oder konkret durch Leitungspositionen geschürt werden. Dadurch wird die Effektivität und Effizienz derart reduziert, dass fast die Existenz einer Firma bedroht ist.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">
<p style="margin-bottom: 0cm;">Wenn dann die ersten gehen oder gegangen werden, klopfen sich die übrig gebliebenen Kollegen auf die Schulter, atmen auf und machen weiter mit einer kaum zu überbietenden Sicherheit, dass sie nun auf alle Zeit gegenüber Problemen imprägniert sind. Bis zur nächsten realen oder eingebildeten Krise.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">
<p style="margin-bottom: 0cm;">Diese peristaltischen Bewegungen sind auch in Schulklassen, Vereinen und der gesamten Gesellschaft zu beobachten. Ich bezeichnen sie der Einfachheit halber als soziale Exkrementik.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Denn im Kern geht es um nichts anderes als das Ausscheiden von Nahrung. Leider ist der Darm sich dieser Bewegungen gar nicht bewusst. Nicht einmal das Gehirn hat einen entscheidenden Einfluss auf die Verdauung. Allein das Reptiliengehirn, das noch im Menschen wohnt, steuert als vegetatives Nervensystem solche Prozesse. Leider haben wir bei all den Diskussionen über soziale Systeme, Unternehmenskultur und Zusammenleben immer nur ganz aufgeklärte und moralische Regeln im Sinn, dieses präkulturelle Steuerungsorgan, dass auch in den uralten Clans der vorgeschichtlichen Steppen schon funktioniert, scheint uns ganz egal.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">
<p style="margin-bottom: 0cm;">Das Ergebnis ist eine Gesellschaft, die immer dann zusammenhält, wenn sie jemanden Anderen, Unbekannten oder Fremden ausschließen kann, um das Gefühl der Einigkeit zu erleben. Ich glaube nicht, dass diese Verhalten unserer Hochkultur angemessen ist. Es wäre wünschenswert, wenn jeder mehr reflektiertes Bewusstsein in seinem Bestreben erkennen lassen würde, nicht zu vereinzeln.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">
<p style="margin-bottom: 0cm;">Die Raben leben sehr monogam als Pärchen. Sie sind treu bis zum Lebensende. Klingt stockkonservativ. Aber scheint kein Ausdruck dummer Lebewesen zu sein.</p>
 
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		<title>Mutige neue Welt</title>
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		<pubDate>Tue, 28 Apr 2009 09:45:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Vorname Nachname</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Gesellschaft]]></category>
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		<description><![CDATA[Was ist die digitale Revolution aus Sicht der Leser, Nutzer und Kunden?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Jedesmal, wenn ich eine Zeitung in die Hand bekomme, überfliege ich die kaum umgestalteten Agenturnews, die ich ein oder zwei Tage zuvor im Netz schon gelesen habe. Dann suche ich den spezifischen Teil, der eigentlich eine Zeitung ausmachen sollte und finde in deutschen Zeitungen zumeist wenig Erbauliches. Früher habe ich jede Zugfahrt genossen, weil ich die Zeit hatte anspruchsvolle Texte in den Zeitschriften zu lesen. Leider waren sie damals immer zu kurz, weil jeder Verleger unbedingt <em>general interest</em> adressieren wollte. Seither lese ich nur noch die &#8220;DU&#8221; aus der Schweiz und untersuche die andere Blätter, wenn sie irgendwo rumliegen oder ich mich auf dem Flughafen frei bedienen kann. Es hat sich eine Menge verändert.</p>
<h3><a rel="attachment wp-att-1115" href="http://www.digitalpublic.de/twitter-evolution-wefollow-who-is-who-twurli-newspaper-twittering-twur/lat"><img class="alignleft size-full wp-image-1115" title="lat" src="http://www.digitalpublic.de/wp-content/uploads/2009/03/lat.jpg" alt="lat" width="154" height="159" /></a>Die Zeit schmilzt</h3>
<p>Brauchte es früher Stunden, eine große Wochenzeitung durchzuarbeiten, bin ich heute schon nach einer Stunde ratlos und frage mich, wer da adressiert werden soll. Viele Wissenschaftler machen sich über das Phänomen her, dass die Medien unsere Zeit einteilen. Früher waren es Tagesrhythmen oder eher halbe Tage, da es noch die Abendzeitung gab. Dann kam das Radio mit seinen Stundenzyklen. Mittlerweile sind auf einigen Sendern alle 15 Minuten Nachrichten zu hören. Über Twitter geht es noch schneller. Die Zeitscheiben werden immer dünner.</p>
<p>Denker der alten Schule sehen darin eine Verflachung der Information. Der gemeine Bedenkenträger hat aber angesichts seiner Rationalisierungen der Angst vor dem Neuen (das Web) eines nicht bedacht: Seit dem Radio hat sich wenig geändert hinsichtlich der Geschwindigkeit. Es hat sich aber eine Menge geändert hinsichtlich der Verbreitung der Publikationsmittel und noch mehr hat sich geändert hinsichtlich der Möglichkeiten der Webnutzer, ihre Souveränität zu realisieren, um verschiedenste Quellen zu finden, die oftmals nur einen Klick weit auseinander liegen. Das Gegenlesen, oder auch das 6-Augen-Prinzip findet nunmehr beim Leser statt. Wenn man viele Quellen zu einem Thema liest, wird offenbar, was hinter der journalistischen Arbeit steckt. Es ist nicht immer die Recherchetiefe oder gar die Archivgröße sondern das Ausdeuten der vorhandenen &#8220;Fakten&#8221;. Der Genius eben, der im Verknüpfen und Neudenken alter Hüte liegt. Der klassische Anspruch, einfach möglichst viele Fakten darzustellen und so Objektivität zu simulieren, ist in der postmodernen Welt entlarvt als sinnloses Gestammel eines Archivars, der auf seinen gewaltigen Schlagwortkatalog zeigt und wie der seelige Luhmann glaubt, mit diesem riesigen Kasten das Rauschen der Welt zu ordnen.</p>
<p>Die Zeit verläuft nicht in linearen Bahnen und sie läßt sich auch nicht in Kästchen aufbewahren. Wieviel Menschen haben noch heute das pappa-ante-portas Syndrom und suchen verzweifelt den Kulturteil der Ausgabe vom 27.08.2001? Es wird Zeit diese Art des Journalismus zu bezeichnen als das was es ist, eine zwanghafte Institution, die versucht der Kontingenz der Welt eine heile Ordnung überzustülpen, die mit den Waffen des Archivs, dem exegetischen Quellenstudium und der scholastischen Umgangsform des Glaubenkönnens durch profundes Wissen ins heilige Land des Edelmuts reiten will.</p>
<p>Die Zeit verläuft jedoch wie eine Spirale in zwei Bewegungen gleichzeitig, einerseits in einer Kreisbewegung und gleichzeitig schreitet sie in Z-Richtung voran. Das bedeutet, dass wir zwar immer wieder Ähnliches erleben, aber jeweils auf einem unterschiedlichen Niveau. Chronos und Kairos gelten immer nur zusammen.</p>
<h3>Der Raum schmilzt</h3>
<p>Wer seine Plattensammmlung damals sukzessive in eine CD-Sammlung verwandelte, hatte es einfach beim Umzug. Keine elend schweren Kartons mehr. Keine besonderen Regalkonstruktionen, die das enorme Gewicht der Musiksammlung überhaupt aufnehmen konnten. Wer heutzutage seine CD-Sammlung auf eine externe Terabytefestplatte bannt (nimm zur Sicherheit lieber zwei!), der gewinnt Raum. Man hat mehr Platz. Man sieht endlich wieder die Wand im Wohnzimmer. Und wenn dann noch die Bücher verschwinden, können die Umzugsunternehmen gleich mit einem Bully anreisen&#8230;</p>
<p>Wer weiß, eines Tages gibt es auch digitale Möbel. Und man kann sie bei jedem Umzug einfach verlustfrei zippen und in eine Tüte stecken. Die digitale Revolution findet nicht bei den Redaktionen statt sondern im Wohnzimmer und im Handy der Leute. Warum gibt es die Zeitung noch nicht als tägliches &#8220;Hörbuch&#8221; fürs Handy, wo ich mir jederzeit im Stau oder im Zug alles vorlesen lassen kann und per Sprachsteuerung durch die Rubriken navigiere? Wie dumm muss man eigentlich sein, um nicht zu verstehen, dass man das meiste Geld mit Bequemlichkeit verdient. Nicht wenige Menschen kaufen ein MacBook wegen der schönen Präsentationen mit Keynote, die aussehen, als hätte die extra eine Werbeagentur gemacht. Und man kann Manager aus jedem Level damit blenden. Wenn ich etwas bequem, einfach und wirklich schön mache, kann ich damit Unsummen verdienen. Allerdings müsste man das hohe Ross verlassen und mit dem Zepter der Aufklärung in das Museum für prähistorische Medienwissenschaften einreiten.</p>
<p>Wer den Menschen mehr freien Raum im Wohnzimmer, unter dem Arm, in der Handtasche und in der Aktentasche schenkt, der gewinnt den Kunden.</p>
<p>Komplexitätsreduktion besteht nicht darin, einfach die Welt der vielfältigen logischen Zusammenhänge auf einzelne formallogische Axiome zu beschneiden. Das ist das Geschäft der Dummheit, die nicht mit polylogischen Verhältnissen umzugehen gelernt hat und einfach das Altbekannte herbeisehnt. Es geht darum, einfach mehrere Ebenen zu erfassen, ihre Relationen zueinander möglichst umfangreich zu verstehen und dann erst zu priorisieren, was optimiert und angepasst werden soll und wie. Im <a target="_blank" title="Cluetrain Manifesto deutsch" href="http://www.cluetrain.de/" target="_blank">cluetrain manifesto</a> wurde vor 11 Jahren beschrieben, wie der Markt heute funktioniert. Einige Anbieter haben die Dekade genutzt und ihre Hausaufgaben gemacht. Andere werden einfach langsam dahinsiechen. Dass sie das unter großem Wehklagen tun, ist ihre Sache. Der Alte Preuße würde sagen: Sterbe wie ein Mann!</p>
<p>Ach ja, eine sehr gut Zusammenstellung, wie man mit Online-Formaten Geld verdienen kann bzw. wie Online Geschäftsmodelle funktionieren können, gibt es <a target="_blank" title="Link zum jepblog" href="http://www.axel-springer-akademie.de/blog/2009/04/28/gastblog-geschaftsmodelle-fur-online-journalismus/" target="_blank">hier beim jepblog</a>.</p>
 
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		<title>Irgendwas mit Abschreiben</title>
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		<pubDate>Wed, 22 Apr 2009 13:56:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Vorname Nachname</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das Netz]]></category>
		<category><![CDATA[Die Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Die Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Enterprise 2.0]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitswelt]]></category>
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		<category><![CDATA[Wissen 2.0]]></category>
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		<description><![CDATA[Schüler sollen mehr im Web abschreiben fordert ein Direktor für Wissensmanagement, der selbst eine wenig Wissen gebrauchen könnte... ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf einem Bloggertreffen namens re:publica begab es sich aber zu der Zeit des Frühlings im Jahr des Herrn 2009, dass ein Wissensmanagementexperte der Firma mit den drei Buchstaben zu dem überfüllten Saal sprach über die Zukunft des Web 2.0 in den Firmen. Und da in den Firmen auch in ferner Zukunft erfolgreich geforscht sein soll, müssten die zukünftigen Forscher heute schon in den Schulen <a target="_blank" title="Link zu turi2" href="http://turi-2.blog.de/2009/04/18/interview2-peter-schuett-ibm-5964514/" target="_blank">das Abschreiben</a> aus dem Internet lernen. Gleichzeitig müssten dann auch die Anforderungen an die Schüler hochgeschraubt werden, da sie ja auf unzählige Quellen im Web zurückgreifen könnten.</p>
<p><a rel="attachment wp-att-1049" href="http://www.digitalpublic.de/blog_20_ad-hoc-kommunikation-twitter-kommentar-funktionen/book1"><img class="alignleft size-full wp-image-1049" title="book1" src="http://www.digitalpublic.de/wp-content/uploads/2009/03/book1.jpg" alt="book1" width="180" height="120" /></a>Das erkenntnistheoretische Bild hinter dieser Forderung könnte man wohlwollend als konstruktiv bezeichnen. Könnte. Denn dann erklärt uns der Experte, dass niedere Intelligenzformen wie etwa Schwarmintellligenz die bisherige Gatekeeperfunktion von Wissensmanagern und internen Redakteuren ersetzen könnten. Lustig verwürfelt er diesen Begriff mit der &#8220;wisdom of the crowd&#8221; und meint zeitweilig crowdsourcing. Alles in allem ein gutes Beispiel dafür, was passiert, wenn man zuviel liest, ohne den Inhalt auch zu verstehen bzw. die theoretischen Grundlagen für solche Konzepte mitzubringen. Ich würde Herrn Schütt gerne Recht geben, wenn ich den EIndruck hätte, er würde das Thema seines Radebrechens halbwegs selbst begreifen. Aber von der anderen Seite her wird in dasselbe Horn noch weit kräftiger geblasen.</p>
<p>Da passt eine andere Diskussion die der Oberste Textkritiker, der Heidelberger Professor Roland Reuß, gerade im Auftrag der <em>FAZ</em> bzw. dem Zeitschriftenverlegerverband vom Zaun bricht, ganz gut ins Bild. Und die Zeitung <em>Die Welt</em> sekundiert, dass die Macht mit ihm sein möge auf seinem Kreuzzug gegen die Krake Google und die dummbatzigen Kauze der Open Access Bewegung, die das freie Publizieren für Wissenschaftler fordern. Er schmeisst wirklich beides in einen Topf.</p>
<p>Angesichts der enormen Kosten für die Jahresabos wissenschaftlicher Journale erscheint Open Acces ja sinnvoll. Reuß erkennt nun in ihnen willfährige Hansel, die mit Rechtsbeugung und Durchlöchern des heiligen Reiches deutscher Urheberrechte eine Art diktatorischen Putschversuch von Google vorbereiten, dem die armseligen Verlage nichts entgegenzusetzen hätten als die heilige Angela Merkel auf ihrem Vollblutaraber AL Lobbystatica, einem direkten Nachkommen von Amurath.</p>
<p>In einem Pamphlet kommt es zu der folgenschweren hermeneutischen Analogie zwischen Google und Open Access, wie sie wohl nur einem in der Postmoderne ungeübten Literaturprofessor zustoßen kann:</p>
<blockquote><p>Das verfassungsmäßig verbürgte Grundrecht von Urhebern auf freie und selbstbestimmte Publikation ist derzeit massiven Angriffen ausgesetzt und nachhaltig bedroht. International wird durch die nach deutschem Recht illegale Veröffentlichung urheberrechtlich geschützter Werke geistiges Eigentum auf Plattformen wie GoogleBooks und YouTube seinen Produzenten in ungeahntem Umfang und ohne strafrechtliche Konsequenzen entwendet. Gleichzeitig propagiert national die ‘Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen’ (Mitglieder: Wissenschaftsrat, Deutsche Forschungsgemeinschaft, Leibniz-Gesellschaft, Max Planck-Institute und andere) weitreichende Eingriffe in die Presse- und Publikationsfreiheit, deren Folgen grundgesetzwidrig wären.</p></blockquote>
<p>Seltsam das Urheberrecht ist gar nicht erwähnt in der Verfassung. Ob er wohl das Allgemeine Persönlichkeitsrecht meint? Vielleicht hebt er ja die unabdingbaren Urheberpersönlichkeitsrechte in den Stand der Verfassungsmäßigkeit qua akademischer Eingebung? Die Veröffentlichung eines Werkes kann gar kein geistiges Eigentum entwenden. Sie kann nur ohne Einwilligung des Urhebers geschehen. Schade, dass er gar nicht auf die Vervielfältigung oder gar Speicherung in Datenbanken abhebt. Da aber die meisten Urheber in sehr weitreichenden Autorenverträgen ihre Rechte an Verleger abgetreten haben, sind in den seltensten Fällen die Urheber selbst betroffen &#8211; für die er da gegen die Windmühlen anreitet. Die Produzenten geistigen Eigentums werden meistens schon vor der Zweit- oder Drittveröffentlichung durch Google Books quasi &#8220;enteignet&#8221; zu einem sehr dürfigen Honorar, das die Verlage zahlen. Da wären die 67% der Einnahmen, die sie von Google erhielten schon bedeutend mehr als die mickrigen Beteiligungen die die Verlage oder die VG Wort vorsehen. Allerdings lässt sich Google auch nicht in seine Einnahmen blicken.</p>
<p>Google will  in lieferbare Bücher so viel Einblick ermöglichen, wie es die Rechteinhaber – also Autor oder eher die Verleger – erlauben werden. Alte und vergriffene Bücher sollen derart verwertet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, dass die Nutzer die Bücher ansehen, ausdrucken oder auch als Print-on-demand-Version kaufen können – so lange nicht die Rechteinhaber Einspruch erheben. Dass Google kein Samariter ist, muss nicht besonders erwähnt werden.</p>
<h3>Ist veröffentlichte Meinung schon ein  Faktum, eine Wahrheit oder eine anerkannte Hypothese?</h3>
<p>Der Kern dieser Diskussion ist jedoch die Ursache von Open Access. Nämlich die Tatsache, dass wenige Universitäten und keine privaten Personen das Geld haben, um die enormen Abokosten von mehreren Zehntausend Euro pro Jahr und wissenschaftlicher Publikation zu zahlen, obwohl die Autoren, die zumeist auf Staatskosten forschen, keinen Heller sehen. Aber sie müssen Publizieren, um ihren Rang in der community of scientists zu halten bzw. zu erlangen. Und hier sind wir wieder bei unserem Wissensmanagementexperten Schütt, der das Abschreiben so präferiert.</p>
<p>Es gibt nicht wenige publizierte Studien, die frisiert und getuned sind, um in den großen Magazinen zu landen. Es gibt sehr viele Dissertationen, die Unmengen von Thesen und Meinungen aus &#8220;großen&#8221; Werken einfach übernehmen, weil sie zititert werden müssen, weil der Student oder Schüler nur so nachweisen kann, dass er die &#8220;herrschende Meinung&#8221; kennt. Wikipedia ist zwar zugänglicher aber keineswegs unfehlbarer oder didaktisch klarer als andere Publikation &#8211; ob auf Papier oder im Web. Ob er oder sie die Thesen einordnen oder gar reflektieren kann, steht gar nicht mehr zur Debatte. Der Citation Index beherrscht die Diskussion um die Güte eines Forschers und damit die Relevanz seiner Hypothesen und Arbeiten.</p>
<p>Diese fragwürdigen Auswüchse einer überkommenen Hochkultur des Wissens, die in keiner Weise kritisches Hinterfragen, geduldiges Erforschen gar kreatives Irren fördern, will der Experte für Wissensmanagement auf die Welt der Schulen übertragen? Es ist sicher richtig, den pädagogischen Thesen des 19. Jahrhunderts und der Computerangst der meisten Lehrer konstruktiv zu begegnen. Aber diesen begrüßenswerten Ansatz nur um des billigen Effektes willen mit einer Freigabe des Zitierens aus Wikipedia zu erkaufen, erscheint als ignoranter Trick eines Menschen, der es besser wissen müsste. Hat die IBM doch mit Gunter Dueck einen ausgewiesenen Vertreter einer anderen Denkschule in ihren Reihen. Hier macht ein großer Konzern keinen guten Gebrauch seiner sozialen Verantwortung. Und ich meine damit nicht die fehlende Diskussion über Zitate von der Scholastik bis zur Hermeneutik und Derrida. Nein, es geht schlicht um ein Verspielen des Kontakts mit einer Generation, die am Computer eine ganz neue Kultur errichten kann und mehr Sorgfalt und präzises Zuhören verdient hat.</p>
 
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		<title>In was für einer digitalen Gegenwart leben wir? Irgendwas mit Inhalt</title>
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		<pubDate>Thu, 16 Apr 2009 15:01:04 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Peter Glaser und Bernd Ziesemer zeigen uns den Weg zurück. Wie aber sieht es aktuell aus im Staate Gegenwart?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a target="_blank" rel="attachment wp-att-703" href="http://www.digitalpublic.de/stimuluswatch-direkte-demokratie-online-web-konjunkturhilfe-ueberwachen/lupeneffekt"><img class="alignright size-full wp-image-703" title="lupeneffekt" src="http://www.digitalpublic.de/wp-content/uploads/2009/02/lupeneffekt.jpg" alt="lupeneffekt" width="180" height="135" /></a>Der Handelsblatt Chefredakteur Ziesemer hat es neulich mal so richtig <a title="Link zu Stöhlker AG in CH" href="http://www.stoehlker.ch/weblog/2009/04/03/tabuzone-medien-vorurteile-geistige-tragheit/" target="_blank">krachen</a> lassen, und 10 gemeine Plätze gegen die dummen und lausigen digitalen Nichtsnutze rund um ihn und seine Kreise in einer Tagung von Wirtschaftsjournalisten in die Medienwelt entlassen. Gemäß dem innovativen Weltbild des <em>New German Journalism</em> hat er sich dabei aber nicht etwa Netzwerkjournalismus, Bürgerjournalismus oder gar Social Media zum Feindbild genommen sondern ganz schlicht von ihm identifizierte Gruppen verachtet und entwertet: junge Verlagsmanager und Unternehmensberater, Designer von Magazincovern, Medienblogger, ein Konkurrent, sowie Medienjournalisten ohne Recherchebudget.</p>
<p>Diese Abduktionen haben wir schon <a target="_blank" title="Link zu Carta" href="http://carta.info/7325/internet-zdf-peter-frey-steffi-lemke-massenmedien-journalismus/" target="_blank">früher</a> gelesen. Es liegt mir fern, die angesprochenen &#8220;Berufsgruppen&#8221; gegen Ziesemer und Frey zu verteidigen. Es gibt sehr viele mental un(ter)belichtete Geister, die großen Bohei machen und weder theoretische noch praktische Grundlagen ihrer Schreiberei liefern können. Da dilettieren promovierte Physiker als Medientheoretiker, begründen Lokalreporter ganze Verlage oder Werbetexter erklären uns die moderne Welt. Da stören die paar BWLer mit knitterfreiem Anzug aus tex100 und Powerpoint- oder gar Keynote-Blendgranate kaum. Man kann das verachten. Man kann das auch mögen. Beides ist jedoch völlig ungeeignet für eine öffentliche Diskussion. Genauso wie die profunde Einsicht von Ziesemer, dass <em>Recherche und Qualität</em> das Herz einer Zeitung sein. Zu allem Überfluß noch eine Aussage, die er sich von Frau Professor Miriam Meckel ausleihen musste.</p>
<p class="entry-title">Wenn man den mittlerweile unantastbaren Artikel von Peter Glaser <a target="_blank" title="Link zur Stuttgarter Zeitung" href="In was für einer digitalen Gesellschaft wollen wir leben?" target="_blank">In was für einer digitalen Gesellschaft wollen wir leben?</a> etwas näher beleuchtet, kann man Ziesemer sogar verstehen. Dort leitet der ehrenwerte Ehrendigitalist Glaser seine Notionen mit einer Geschichte von George Bernard Shaw ein, die eigentlich von Platon stammt:</p>
<p><em>“Wenn zwei Knaben jeder einen Apfel haben und sie diese Äpfel tauschen, hat am Ende auch nur jeder einen. Wenn aber zwei Menschen je einen Gedanken haben und diese tauschen, hat am Ende jeder zwei Gedanken.”</em> (Platon)</p>
<p>Das Problem ist nicht die mangelnde Recherche sondern der andere Inhalt, denn bei Glaser handelt es sich um Ideen und bei Platon um Gedanken. Und an dieser Stelle verabschiedet sich die gesamte Leserschaft inklusive der Damen und Herren Qualitätsjournalisten. Was soll schon die Korintenkackerei? Ideen oder Gedanken? Ist doch einerlei. Wirklich? Glaser geht einen Schritt weiter:</p>
<blockquote>
<p>Das Teilen mit technologischer Hilfe führt nicht nur zur Vermehrung von Ideen, sondern auch zur Vermehrung von Problemen. Computer helfen uns dabei, Dinge schneller zu erledigen, die wir ohne Computer gar nicht hätten erledigen müssen, das wußte <strong>Marshall McLuhan</strong> schon in den sechziger Jahren. Als damals am MIT der erste Großrechner zur Verfügung stand, der Timesharing beherrschte und mehrere Nutzer gleichzeitig bedienen konnte, gab es einen Befehl, mit dem man einfach das ganze System zum Absturz bringen konnte, ohne Raffinesse und ohne jede Eleganz. Das wurde zwei, drei Mal ausprobiert, dann machte es keinen Spaß mehr. Brauchen wir einen solchen Befehl für’s Internet?</p></blockquote>
<p>Was soll diese Frage? Hat das Mitteilen von Ideen in Form des Austauschs via Papier oder eben Monitor jemals etwas gebracht? Aber klar, denken wir nur an die Entwicklung der Dampfmaschine, die ohne die kostenfreie Verbreitung neuester Innovationen via Zeitung niemals stattgefunden hätte. Haben dort Journalisten den Erfolg vollbracht? Nein! Anfang des 19. Jahrhunderts haben sich englische Minenbesitzer im <a target="_blank" title="Link zu wikipedia" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Lean%27s_Engine_Reporter" target="_blank">Lean&#8217;s Reporter</a> darüber ausgestauscht, welche Verbesserungen man an Dampfmaschinen ausführen müsste, um die anfälligen Eisenmonster aus dem Hause Watts zu optimieren. Es war also eher eine Maßnahme der Praktiker gegen die Macht eines Monopolisten, die sich bar jeder Gedanken über geistiges Kapital gemeinsam mittels des Mediums monatliche Zeitung austauschten. Die Free Software Bewegung nutzt dieses Beispiel seit Jahren, um die Ursprünge ihrer Gedanken historisch zu begründen.</p>
<p><a rel="attachment wp-att-354" href="http://www.digitalpublic.de/wachstum-there-must-be-some-kind-a-way-out-of-here-smart-growth-manifesto-umair-haque/growth"><img class="alignleft size-full wp-image-354" title="growth" src="http://www.digitalpublic.de/wp-content/uploads/2009/02/growth.jpg" alt="growth" width="240" height="228" /></a>Was diese Zeitung aber so besonders machte, war ihr direkter Nutzwert für den Lebenszusammenhang seiner Leser. Bei all den polemischen Attacken von Journalisten gegen Blogger oder von Bloggern gegen die Aktivisten für tote Bäume fehlt eigentlich immer der Hinweis auf die Braut, die es zu gewinnen gäbe: <em>Lady Marian</em> in Gestalt der Leser, oder aus Sicht des Handelsblatts <em>das Geschmeide von Maid Marian</em>.</p>
<p>Mit schöner Konsequenz wird um das Thema Öffentlichkeit im digitalen Zeitalter herumgeredet. Stattdessen werden Abomodelle und PaidContent diskutiert. Es ist den Verlagen wohl klar, dass man Herrscher der Bahnhofskioske ist. Wie man diese Kioske nun ins Netz kopiert, ohne dass andere erkennen, dass dieselben Inhalte auch in vielen anderen Zeitungen &#8211; und mittlerweile sogar in Blogs &#8211; stehen, ist offenbar eine opake oder gar mystische Geheimwissenschaft. Um im Bild des 19. Jahrhunderts zu bleiben: Es hätte damals keinen Sinn gehabt, die Bereiche zwischen den Häusern mit Lampen zu elektrifizieren, ohne dass Straßen da gewesen wären. Es hat keinen Sinn, eine nicht vorhandene Infrastruktur mit Zusatzdiensten aufzuwerten. Warum aber ist diese Infrastruktur nicht vorhanden bzw. warum merkt es keiner? Lauschen wir wieder Peter Glaser:</p>
<blockquote><p>Die Wände, die uns umgeben, werden durch die neuen Kommunikationsmedien durchlässiger und poröser. Unsere Kultur wurzelt in dem hohen Wert, den wir dem Individuum zumessen. Privatsphäre ist der Humus, auf dem dieser Wert gedeiht. Angriffe auf diese Grundlage folgen inzwischen der selben Strategie, nach der auch moderne Kriege geführt werden: Nicht mehr die großen Heere gewinnen die Schlacht, sondern kleine Einheiten. Dieser Salamitaktik hin zu staatlicher Kontrolle begegnen immer mehr Menschen affirmativ. Unsere Gesellschaft scheint von einer unbändigen Lust an der Geheimnislosigkeit erfasst zu sein. Vor ein paar Jahren war <strong>Big Brother</strong> Synonym für totalitäre Kontrolle; mit den gleichnamigen Containershows hat sich das Ganze in unterhaltsame Sozialpornographie verwandelt &#8211; die Leistung der Teilnehmer besteht darin, alles zu zeigen.</p></blockquote>
<p>Man könnte jetzt trefflich über den Tod des Humanismus streiten. Aber man muss weder Lyotards Inhumanismus der Systemiker noch den der Seelentechnologen herbeizitieren, um zu erkennen, was diese digitale Öffentlichkeit charakterisiert: Es ist die Implosion des Individuums. Bei Ziesemer implodieren die jungen Berater und selbsternannten Medienjournalisten in einem endlosen Mosaik aus fremdem Gedankengut, dass nicht in der kreativen Form von Remixes oder Mashups daherkommt sondern in inhaltlicher Beliebigkeit, die nicht durch den Kontext einer gereiften Persönlichkeit sondern durch das Posen von Einstellungen zu überzeugen sucht.</p>
<p>An genau dieser Stelle könnte eine mindestens dreißig Jahre alte Notion der postmodernen Denker exhumiert werden: Denn Lyotard hatte sehr früh schon erkannt, dass nur die kleinen Erzählungen, die man bei Facebook findet, und die aus Expertensicht so gerne diskreditiert werden, dem heutigen Individuum überhaupt erst zur Existenz verhelfen. Denn ohne das Du der Anderen, die sich im beruflichen, schulischen und sogar vereinsgeprägten Sozialleben eher mit sozialer Fassade denn mit echter Offenheit präsentieren, gibt es gar kein ICH. Und damit ist auch die Ursache der fehlenden Infrastruktur klar.</p>
<p>Der positivistische Blick der Ewiggestrigen, die noch im Glauben an Objektivität verharren und mit sauberer Recherche und Qualitätsjournalismus an ein Weltbild anknüpfen, das weder wissenschaftlich noch lebenswirklich ist, kann daher nur in Wut und Gram umschlagen. Jeder Tiefenpsychologe kennt die Gefühlsebene, die hinter der Wut und der Aggression steckt. Und hinter einem Unverständnis gegenüber einer Welt, der gerade das Individuum abhanden kommt, weil es in einer inflationären Masse wie ein einziger Ruf nach Anerkennung an uns vorbeidonnert, steckt leider allzu oft das Gestell der stillen Bibliotheksarbeit als einzig Halt liefernder Handlung. Wenn draußen das ICH in dröhnender Kakophonie in die Tausende Splitter eines weltumspannenden Spiegels zerbirst, dann bleibt eben nur das Gröhlen im dunklen Keller, bis einer die Sicherung wieder reindreht und die Umrisse des wilden Monsters wieder zum ausrangierten Fitnessrad geworden sind. Auch für diese Dunkelheit hat Glaser einen kollektiven Trick in der Tasche, der uns vorgaukelt mithilfe von Kaugummipapier eine gute Sicherung zu improvisieren:</p>
<blockquote><p>Die eigentliche Macht der Vernetzung liegt in der informatischen Kraft, die sie jedem von uns an die Hand gibt. Journalisten brauchen nichts von ihrer Expertise aufzugeben, aber sie müssen mehr und wesentlich offensiver ihre Ansprüche mit den Nutzern und neuen Mitgestaltern ihrer Arbeit teilen. Es wird weiterhin erstklassige Reporter und Autoren geben, die uns mit klaren Blicken auf die Welt versorgen. Die Zeit, in der Journalismus von einer begrenzten Berufsgruppe ausgeübt wurde, geht jedoch zu Ende. In der Internet-Ära sind wir alle <strong>dazu verdammt</strong>, Journalisten zu sein.</p></blockquote>
<p>Das dunkle Zeitalter des geschwächten Individuuums, das in zuvielen Spiegelbildern sich selbst nicht erkannt hat, kann nicht dadurch erleuchtet werden, dass alle gemeinsam auf das vermeintlich Objektive der &#8220;Außenwelt&#8221; starren und es mit Buchstaben zu bannen versuchen. Dieser religiöse Vorstoß, der schon im Alten Testament den ersten Menschen die Aufgabe erteilt, allem Seienden unter der Sonne Gottes einen Namen zu geben, entlarvt das mittelalterliche Denken, dass uns die Adepten der digitalen mutigen neuen Welt als Innovation unterschieben.</p>
<p>Und dann fällt folgerichtig dem Ziesemer wie dem Glaser ein, dass man ja in alten restaurativen Mustern bisher am besten an die Wand gefahren ist.</p>
<blockquote><p>Ein Problem sei, dass „die Kollegen, die über Medien schreiben, mit wenigen Ausnahmen das Langzeitgedächtnis einer Ameise haben“. Sie würden „den Bullshit, den Verlage präsentieren, eins zu eins runterschreiben“, so Ziesemer. Stattdessen sollten sie lieber mal ins Archiv schauen, was in der Vergangenheit gesagt und getan wurde [...]</p></blockquote>
<p>und in dasselbe Horn entlädt sich auch Glaser:</p>
<blockquote><p>Vor 5000 Jahren, zu der Zeit, als die Pyramiden gebaut worden sind, haben die Ägypter zwei Dinge erfunden, die wir heute noch haben: <strong>den Staat</strong> und <strong>die Maschine</strong>. Der Staat ist als ein erstes Vernetzungsprojekt entstanden. Kleine Dorfgemeinschaften wurden dadurch in die Lage versetzt, Bewässerungsnetze zu betreiben, die sie alleine nicht zustande gebracht hätten. (Blöderweise ist mit dem Staat auch gleich die Steuer mit erfunden worden.)</p></blockquote>
<p>Kaum verwunderlich. Was lernt man aus der Geschichte? Nun das kommt auf die Perspektive an, die man vor der Recherche einnimmt. Das heißt die Recherche wird bestimmt durch die Erwartungshaltung des Rechercheurs, durch sein Vorwissen oder ähnliches könnte der hermeneutisch geschulte Halbwilde begegnen.Wenn es noch einer Hermeneutik bedurfte. Die ist jedoch selbst abhanden gekommen.</p>
<blockquote><p>Der nächste Schritt ist die Kritik Michel Foucaults, in der der Mensch als aktiver Faktor und damit auch die menschliche Intentionalität als sinnstiftendes Element verschwindet. Für Foucault verliert die Geschichte daher auch jede Bedeutung, sie ist eine späte Erfindung des okzidentalen Menschen in der sogenannten klassischen Phase der späten Neuzeit, die schon wieder überholt ist. Paradoxerweise sind seine Werke über den Wahnsinn, über die Klinik und über das Gefängnis trotzdem ganz historisch angelegt.&#8221;</p>
<p class="h_Text" style="font-style: italic;">Georg G. Iggers: Geschichtswissenschaft im 20. Jahrhundert. Ein kritischer Überblick im internationalen Zusammenhang.</p>
</blockquote>
<p>Foucault&#8217;s Ende der Geschichte als Selbstvergewisserung des Subjekts findet heutzutage eben in den 1001 virtuellen sozialen Netzwerken, Communities und digitalen Plattformen statt, und zwar durch die 1001 Statusmeldungen und Pinwandeinträge, die einerseits durch ihre Banalität schon nach wenigen Stunden überflüssig sind, aber aufgrund des großen weisen Bibliothekars Google in der ewigen Maschine auf ewig festgehalten werden. Das bedeutet aber, dass die Macht über gespeicherte Inhalte nicht mehr bei den Verlagen liegt und damit die Macht der Redakteure nicht mehr im Ausgraben per Recherche besteht. Es bedeutet auch, dass das fluidmechanische Bild der Bewässerungsnetze als imago des digitalen Netzes völlig irrelevant ist. Denn das digitale Netz ist mitnichten in der Mitte am tiefsten. Und die Stadt also ihre ersten Formen in Mesopotamien, war eben genau der Teil eines Clans, der aus dem Privaten heraustrat mit verschiedenen Zwecken. <span style="color: #000000;">Eine städtische Ansiedlung defininiert sich daher    als räumliche Verteilung verschiedener Aktivitäten auf begrenztem Raum. Genau dieses Bild wäre eine Infrastruktur, die die elektrischen Leuchten (Medien) sehr gut gebrauchen könnte. Aber dazu müsste es erst einmal einen Raum geben, den Clans gemeinsam für verschiedene Zwecke nutzen. Die Medienherrschaften täten also sehr gut daran, die ersten Baumeister der digitalen Städte wie facebook und Xing zu beobachten. Ein Rumhacken auf den Vogelfreien (Bloggern), Pionieren (Alphabloggern) und den Verbannten (Medienbloggern) lässt erkennen, wie gering sich die Medienvertreter selbst einschätzen beim Bau dieser Metropolen. Statt ihre Position im Innen zu erörtern oder zu definieren, lassen sie ihren romantischen Blick in die Ferne schweifen und entdecken die doofen Eigenbrötler. Dieser fast zwanghafte Fokus könnte ein Hinweis sein&#8230;<br />
</span></p>
 
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