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	<title>digitalpublic.de &#187; Arbeitswelt</title>
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	<description>&#34;Zur ganzen Wahrheit gehören zwei - einer, der sie sagt und einer, der sie versteht.&#34;            Henry David Thoreau</description>
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		<title>Die Liga der fantastischen Kristallkugel</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Aug 2010 11:32:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Vorname Nachname</dc:creator>
				<category><![CDATA[Enterprise 2.0]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitswelt]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Analysten von Gartner  haben mal wieder die Kristallkugel angeschmissen. Herausgekommen sind 10 Entwicklungen, die aus ihrer Sicht die nächste Dekade der Arbeitswelt bestimmen werden...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Analysten von <a target="_blank" href="http://www.gartner.com/it/page.jsp?id=1416513">Gartner</a> haben mal wieder die Kristallkugel angeschmissen. Herausgekommen sind  10 Entwicklungen, die aus ihrer Sicht die nächste Dekade der Arbeitswelt  bestimmen werden:</p>
<p>1. De-routinization of Work<br />
Es war abzusehen. Das ganze Prozessoptimieren seit SAP und den Business  Process Management Werkzeugen basiert noch auf dem Taylorismus des 19.  Jahrhunderts. Den Untergang dieser Organisationsform vorherzusagen, ist  also keine Raketenforschung. Trotzdem ist es für jemanden wie Gartner  schon revolutionär, zu erklären, dass Routinen immer unwichtiger werden.  Ob die digitale Schadenssachbearbeitung per automatischer  Klassifikation oder die halbautomatische Kreditvergabe nach Algorithmen  damit vom Tisch ist? Gartner jedenfalls fokussiert Themen wie  Innovation, Teaming, Führung, Verkauf und Personalentwicklung. Und schon  ist dieser revolutionäre Schritt zu humanen, nicht automatisierbaren  Fähigkeiten genau dasselbe, was schon 1985 im Manager Magazin stand.</p>
<p>2. Work Swarms<br />
Ja, der gute alte Schwarm. Würde man den Analysten bei Gartner erklären,  dass nur Lebewesen denen wir simple Intelligenz zuschreiben,  Schwarmbildung zeigen, würde dieses Trendwort wohl bald verschwinden.  Aber Gartner sieht darin eher zufälliges kollektive Zusammenarbeiten als  Counterpart zur Solo-Performance (die es in großen Firmen noch wo gibt?  Richtig: R&amp;D und Sales!)<br />
Swarming ist also eine neue Form des Teaming, das einfach so aus dem  Nichts “emergiert”… Aha. Schwärme sind aber eine kollektive Strategie  angesichts bestimmter Umweltbedingungen, die instinktgesteuert ablaufen  und NICHT zufällig entstehen.<br />
Dann fällt auch noch das Wort ad hoc, das mich an die ad hoc-Workflows Ende der Neunziger erinnert. Aber weiter im Takt…</p>
<p>3. Weak Links<br />
Ach ja der gute Granovetter. Weak ties sind also das neue Neu. Ja, die  Theorie der Freundesfreunde mag in der Freizeit stimmen aber ist auf den  Büroalltag nicht wirklich übertragbar ohne ein sehr vertrauensvolle und  angstfreie Unternehmenskultur, was in Deutschland in geschätzt 11  Unternehmen der Fall sein dürfte.</p>
<p>4. Working With the Collective<br />
Wer das inflationäre Mantra des Kollektiven in der modernen Arbeitswelt  genauso oft ertragen muss wie ich, der wird sicher auch immer mehr an  Mao und andere Freunde der Massenbewegungen erinnert sein. Hier aber  geht es um informelle Gruppen außerhalb von Firmen, die einen großen  Einfluss haben können. Die Gartners wollen über dieses Vehikel den Markt  segmentieren und analysieren. Viel Spaß dabei.</p>
<p>5. Work Sketch-Ups<br />
Alles was nicht-routiniert abläuft, ist bei Gartner praktisch informell.  Das erscheint mir etwas überzogen. Allein das Tagesablauf eines  Notarztes ist wenig routiniert, da immer andere Krankheiten und Menschen   eintrudeln, aber er ist sicher nicht informell. Gartner glaubt aber,  dass über die Zeit Arbeitsabläufe in Work Patterns codifiziert werden  können. Bis dahin sind die Prozessmodell für nicht-routinierte Abläufe  eher als Skizzen verstehbar und in Information übersetzbar.</p>
<p>6. Spontaneous Work<br />
Nahe an der Idee der Work Swarms impliziert dies spontane Aktion  gegenüber reaktiver Aktivität. Ob diese Form der postmodernen  Eigeninitiative auf den hehren Glaubenssätzen der obwaltenden Hierarchie  aufbauen kann, bleibt fraglich.</p>
<p>7. Simulation and Experimentation<br />
Hier bezieht man sich auf den Film Minority Report und die dort  gezeigten simulierten Arbeitsumgebungen mit n-dimensionalen  Darstellungen. Ob diese visuellen Spielereien tatsächlich die Übersicht  über multivariate Entscheidungswege erleichtern? Gartner glaubt, dass  Daten und Menschen so besser interagieren können – unter anderem über  Agenten-Technologien. (klingt immer noch wie 1994)</p>
<p>8. Pattern Sensitivity<br />
Pattern-Based Strategy ist ja ein Steckenpferd von Gartner. Warum?  Offenbar kann man den Menschen heute die jahrhundertealte Einsicht, dass  die Welt sich ständig ändert so gut als Neuigkeit verkaufen, dass  neuartige Strategiekonzepte jetzt mit diesem volatilen Faktor besser  verkauft werden können. So verwundert es nicht, dass Gartner das  evolutive Strategiemodell aus der Mottenkiste holt und das ganze als  unabhängig Arbeitsgruppen mit eigenen patterns in diversen Szenarien  rumexperimentieren sieht.</p>
<p>9. Hyperconnected<br />
Hyperconnectedness ist sozusagen das Erdöl des Webzeitalters. Netzwerke  sind dabei die Rennstrecken durch die das Blut der Information sprudelt,  bis es die Menschen und Firmen aufgesogen haben und daraus im  Handumdrehen Gewinn generieren. Und so verwundert es nicht, wenn man  diesem Wunderdingsbums auch noch einen Push in alle Richtungen  zuschreibt – seien es formelle oder informelle Tätigkeiten.</p>
<p>10. My Place<br />
Der Arbeitsplatz wird also immer mehr virtuell. Damit meint Gartner  Videokenferenzen über Zeitzonen hinweg und Menschen, die sich zwar kaum  kennen aber trotzdem zusammenarbeiten (weak links! ähm ties) , aber wenn  man im Schwarm arbeitet ist das Individuum eher Störfaktor. Und so  verwundert es nicht, wenn Gartner weissagt, dass die Grenzen zwischen  Zuhause, Familie, Firma, Arbeitsgruppe und Firmenorganisation immer mehr  mäandern und ineinanderfließen. Ich kann mir auch schon gut vorstellen,  welcher Bereich von beiden zukünftig einen Vorteil aus dieser  Überschreitung ziehen wird. Und wer mit dem permanenten  Informationsüberfluß nur ein Stören der Privatsphäre verbindet, der wird  eben einfach ein Performancedefizit erleben. Und was das für Folgen  hat, ist offensichtlich.</p>
<p>Frohlocket und rufet <em>Hosianna</em>, denn es wurde Licht in der dunklen Arbeitswelt</p>
<p>Crosspost von netzpiloten.de</p>
 
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		<title>Was Firmen bei Blogs richtig machen können</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Jul 2009 12:19:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Vorname Nachname</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Strategisches Bloggen ist doch Quatsch, oder? Lesen Sie mehr dazu...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a target="_blank" rel="attachment wp-att-1511" href="http://www.digitalpublic.de/was-firmen-bei-blogs-richtig-machen-konnen/pyramide"><img class="alignleft size-full wp-image-1511" title="pyramide" src="http://www.digitalpublic.de/wp-content/uploads/2009/07/pyramide.jpg" alt="pyramide" width="300" height="300" /></a>Chris Brogan hat Ende Juni <a title="Link zu Strategic Blogging" href="http://www.chrisbrogan.com/strategic-blogging-and-some-tactics-to-nail-it/" target="_blank">dargelegt</a>, wie Firmen Blogs strategisch einsetzen sollten. Anlaß genug, die Aspekte etwas näher zu beleuchten. Denn anders als viele Medienleute es gerne hätten, beginnen mittlerweile auch die über-40jährigen Kunden nach dem Bekanntenkreis Blogs und Soziale Netzwerke zur Produktinformation zu nutzen. Es ist eine Frage der Glaubwürdigkeit. Wer hier nicht auf Transparenz setzt, kann sehr schnell sehr viel Porzellan zerschlagen.</p>
<p>Zunächst geht es um die möglichen Startpunkte und ersten Begründungen, warum ein Blog hilfreich sein kann:</p>
<ul>
<li>
<h3>Kundenbindung und Loyalität</h3>
</li>
</ul>
<p>Hier empfiehlt Brogan, einen Kunden der Woche auszuwählen. Naja, wir kennen ja alle hübschen Fotos bei amerikanischen Ketten, auf denen ein reichlich verkrampfter oder mißmutiger Mitarbeiter Motivation für Kollegen oder gar Kunden(?) ausstrahlen soll. Ob deutsche Kunden ihre Fotos auf den Websites von Firmen sehen wollen, würde ich heftig bezweifeln. Aber der tiefere Sinn von Kundenbindung liegt ja nicht in einer Kundenhitparade sondern in der Kundenzufriedenheit. Insofern kann ein Blog direkt und ohne den Facebook-Umweg ein Werkzeug sein, bei dem Kunden Probleme oder tolle Erlebnisse mit Leistungen einer Firma niederlegen. Beim Durchforsten der Probleme kann man sicher diverse praktikable Ideen finden, und in die Produktentwicklung weiterreichen. Die gute Beispiele, wie Waren den Menschen helfen oder Spaß machen, können wiederum andere Nutzer anregen oder das Marketing befeuern. Achja, wer eine Firma erfolgreich auf einen Herstellungsfehler hingewiesen hat, der tatsächlich zu einer Optimierung beigetragen hat, kann ja gerne in die Hall of Fame der Website aufgenommen werden, mit einem Foto bei dem er oder sie die Prämie in die Kamera hält. Ein Lächeln wird dabei übrigens echt aussehen. Das hat Vorteile, denn Authentizität ist die härteste Währung, die keiner Inflation unterliegt und international gültig ist. Fotos stören selten und erfüllen visuelle Erwartungen. Bitte nicht wahllos einfach in die Stock-DVD schauen und das erste Beste nehmen.</p>
<ul>
<li>
<h3>Produkt/Service Informationen</h3>
</li>
</ul>
<p>Hier empfiehlt Chris Brogan, einige leicht verständliche Anleitungen zu schreiben. Es wäre schön, wenn die Damen und Herren Texter auch mal in Rechnung stellen würden, dass man binnendifferenziert schreibt. Was das ist? Erklären Sie ihrem Texter, dass er einfach <strong>einen</strong> Text für drei Lesergruppen schreibt, mit ansteigender Expertise, vom Unwissenden zum täglichen Nutzer. Man muss nicht immer das Pyramidenprinzip abarbeiten, wie die meisten das im PR-Heimstudium oder der Journalistenschule gelernt haben. Es geht auch leserorientiert und nicht bloß inhaltsorientiert. Geben Sie den Lesern die Chance, Ihre Inhalte weiterzuverbreiten über Links zu Twitter oder andere Social Web Tools wie Social Bookmarking etc. pp. So ein bißchen Vernetzung schadet selten, Vernetzung durch potentielle oder zufriedene Kunden noch weniger&#8230;</p>
<ul>
<li>
<h3>Adressen generieren</h3>
</li>
</ul>
<p>Brogan möchte, dass Sie Blogeinträge schreiben, die die Leute dazu veranlassen, sich zu registrieren mit Klarnamen und Adresse. Das ist sicher ein edles Vorhaben aus Sicht der Vertriebsmannschaft, geht aber im Kern an der Idee Social Media vorbei. Wie wäre es, sich etwas zu überlegen, das die Menschen animiert mitzumachen und sich selbst einzubringen. Dann kommen die Adressen auch irgendwann, aber noch wichtiger ist, dass die Menschen hinter den Adressen Spaß, Hilfe, Ernst genommen werden oder ähnliches erleben. Manchmal ist es bedeutend wertvoller, den Kunden ihre Privatsphäre zu lassen. Dort kann man auch ungestört konsumieren, ohne anderen die Adresse mitzuteilen. Außer sie machen auf der Website einen Online-Shop. Aber das ist was anderes. Dann müssen sie Communitybuilding betreiben, was eine etwas andere Baustelle ist.</p>
<ul>
<li>
<h3>Organic Keyword Marketing Assistance (SEO/SEM)</h3>
</li>
</ul>
<p>Das übersetze ich jetzt mal nicht. Es ist einfacher als es sich liest, wenn man a. gute Inhalte hat, die hilfreich und interessant sind und b. einen Texter hat, der zu spezifischen Themen strukturierte Texte verfasst. Welche Themen das sind, bestimmt die Produktpalette. Welche Struktur der Text haben soll, wird bestimmt durch die Schlüsselbegriffe, mit denen man bei Google und Konsorten gefunden werden soll.</p>
<ul>
<li>
<h3>Entertainment</h3>
</li>
</ul>
<p>Unterhaltung soll die positive Einstellung der Website-Besucher unterstützen und fördern. Spaß kann aber auch einfach Spaß machen. Selbstzweck ist nicht verboten. Viel schöner finde ich es, die Blogbesucher anzuregen den besten Film oder besten Podcast zu einem Thema einzureichen und dann alle Nutzer abstimmen zu lassen, wer gewonnen hat. Überhaupt stelle ich fest, dass mir die Tips vom kleinen Bruder des Übervaters des Online-Marketing (der große Bruder ist Seth Godin) viel zu passiv und langweilig sind. Mann kann auf diese Weise das Blog sehr gut mit Facebook oder Youtube-Profilen vernetzen.</p>
<ul>
<li>
<h3>Aufmerksamkeit</h3>
</li>
</ul>
<p>Aufmerksamkeit kann nicht schaden. Ob man unbedingt soviel Aufmerksamkeit wie Frau Spears oder Madonna Ciccione haben muss, wage ich zu bezweifeln. Auch Brogan hängt das Thema etwas tiefer und fordert uns auf, regelmäßig verschiedene Aspekte und Themenbereiche abzudecken, um viele Leser zu binden. Also, morgen schreibe ich dann besser eine Fimkritik zu Transformers 2 oder Ice Age 3, damit hier auch mal mehr lesen&#8230;?</p>
<ul>
<li>
<h3>Meinungsführerschaft</h3>
</li>
</ul>
<p>Meinungsführerschaft. Dazu braucht man eigene Gedanken. Dies ist aus meiner Sicht der Schlüssel, um ein Corporate Blog erfolgreich einzusetzen. Sie brauchen eine oder mehrere Personen, die wirklich etwas zu sagen haben. Das Niederschreiben kann ja eine Agentur oder ein Freier Autor übernehmen (in aller Unbescheidenheit und an die Adresse eventuell prekärer, aber talentierter Blogger die hier mitlesen, kann ich sagen, dass man damit gutes Geld verdienen kann), aber das Denken sollte hauptsächlich in der Firma verbleiben. Denn Inhalte, die außerhalb einer Imagestrategie oder eines Firmenprofils schlicht die Aufmerksamkeit ziehen sollen, sind genauso schädlich wie langweilige Artikel. Beachten Sie besonders die Kommentare und den Dialog über die Kommentarfunktion.</p>
<ul>
<li>
<h3>Bekanntmachungen</h3>
</li>
</ul>
<p>Brogan möchte so ein Blog als besseres Mittel zum Verteilen von Pressemitteilungen eingesetzt wissen. Hier möchte ich darauf hinweisen, dass sicher sehr schlau ist, dies zu unterlassen. Es sei denn, man hat eine derart gute PR- und Marketingarbeit, dass man schon dialogisch arbeitet, was ich für 96% der deutschen Firmen verneinen würde. Es ist nicht nur der Ton, der ganz anders ist. Es ist nicht nur das Ziel das zumeist ganz anders ist. Es ist das wahllose Verbreiten von Inhalten in alle Richtungen ohne Ansehen der Lesererwartungen, das mich hier stört. Man kann den Inhalt der PI auch in einem Blog verbreiten, nicht aber die PI selbst. Das ist Quatsch.</p>
 
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		<title>Social Networking für oder von Dummies? &#8211; Koch und Richter über Enterprise 2.0</title>
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		<pubDate>Thu, 25 Jun 2009 09:25:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Vorname Nachname</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Warum das Standardwerk Enterprise 2.0 von Michael Koch und Alexander Richter eher ein Schulbuch als ein ernstzunehmendes Fachbuch ist.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a rel="attachment wp-att-1468" href="http://www.digitalpublic.de/social-networking-im-unternehmen-enterprise-20-koch-richter/enterprise20"><img class="alignleft size-full wp-image-1468" title="enterprise20" src="http://www.digitalpublic.de/wp-content/uploads/2009/06/enterprise20.jpg" alt="enterprise20" width="81" height="114" /></a>Michael Koch und Alexander Richter haben in ihrem Buch <em>Enterprise 2.0</em> (Oldenbourg Verlag) Informationen aus vielen Werken zusammengetragen, die sie bereits gelesen haben. Sie bilden damit in Deutschland die Spitze der Literatur, die auch andere Autoren mit ähnlichen Zusammenstellungen liefern. Die mangelnde praktische Erfahrung der meisten Autoren wird mit sogenannten &#8220;best practises&#8221; ausgeglichen. Es sind zumeist Anwenderberichte von Firmen, die spezifische Software oder IT-Strukturen/Architekturen ausprobiert haben und dies nun stolz als Erfolg darstellen. Die Gründe für diese Darstellung sind vielfältig, aber lassen sich zumeist mit Profilierung und Selbstdarstellung im besten oder schlechtesten Sinne umschreiben. Sind diese Teile der &#8220;Standardwerke&#8221; noch ganz spannend, fallen die Teile, wo eklektizistisch einfach andere Inhalte aus zumeist internationalen Werke zusammengetragen werden, extrem in die Beliebigkeit ab.</p>
<p>Stellvertretend nehme ich mir heute aus besagtem Buch den Teil &#8220;Vorteile von Social Networking aus unternehmerischer Sicht&#8221;.</p>
<p>Sie beziehen sich auf folgendes Buch: Teten, D.; Allen, S. (2005): The Virtual Handshake: Opening Doors And Closing Deals Online, Mcgraw-Hill Professional, Amacom, New York.</p>
<p>Man erkennt am Titel, dass es sich hier um ein Werk aus dem Bereich Sales/Entrenpreneurship handelt! Wer will, kann es sich <a target="_blank" title="Link zu Virtual Handshake free" href="http://www.amanet.org/go/forms/virtual_handshake/link_source=virutalhandshake.com" target="_blank">hier</a> kostenfrei nach einer Registrierung herunterladen. Es lohnt sich.</p>
<p>Koch/Richter erklären mit Bezug auf dieses Werk folgende Vorteile von Social Networking:</p>
<blockquote><p>1. Unter Ausnutzung der intensiven Vernetzungen kann man die eigenen Qualitäten einer größeren Zielgruppe darstellen. Die Kompetenzen der Mitarbeiter lassen Rückschlüsse auf die Qualität des Outputs des Unternehmens zu.</p></blockquote>
<p>Was sollen diese ungelenk formulierten Sätze beschreiben? Sie erklären, dass eine intensive Vernetzung genutzt wird, um sich selbst darzustellen. Wer interne und auch externe Netzwerke kennt, wird erlebt haben, dass meistens die fähigsten Mitarbeiter ihre Profile am nachlässigsten pflegen. Ob es daran liegt, dass sie keine Zeit haben, wenig Sinn in der Selbstdarstellung sehen oder schlicht keine Veranlassung haben, sich anzubieten, sei dahingestellt. Eine &#8211; wie auch immer gemeinte &#8211; intensive Vernetzung funktioniert nicht qua fein granulierter Profilbearbeitung. Hätten Koch/Richter das Werk von Teten und Allen genau studiert hätten sie dort gelesen, dass Social Networks eben selten dazu dienen, fremde Personen besser kennen zu lernen. Sie sind sehr effektiv darin, die Beziehung zu Leuten aufrechtzuerhalten bzw. wiederaufleben zu lassen, die man irgendwann mal kennen gelernt hat. Die Amerikaner nennen dies das Verwandeln einer schwachen in eine starke Verbindung (s.u.). Diese intensive Vernetzung entsteht also NICHT auf der Basis eines tollen Profils.</p>
<p>Der zweite Satz, dass die Kompetenzen Rückschlüsse auf den Output eines Unternehmens zulassen, halte ich für einen Gemeinplatz, der so radikal reduziert ist, dass er eigentlich als falsch und unlogisch zu entlarven ist. Es liegt auf der Hand, dass viele gute Köche nicht unbedingt besser kochen als ein guter Koche alleine. Hier greifen die Autoren Koch/Richter aber auf den Kompetenzbegriff zurück. Dieser umfasst jedoch neben der Sachkompetenz, die in Zertifikaten öffentlich dargestellt wird, vor allem im Kontext des gesamten Unternehmens die interdisziplinäre Kompetenz sowie als Realisation der Fachkompetenz die Eigenverantwortung und Eigeninitiative. Alle drei Elemente sind mitnichten in den Profilen eines sozialen Netzwerks abzulesen &#8211; noch nicht einmal direkt im Output der Firma ablesbar.</p>
<p>Ingesamt ist diese 1. These falsch, weil sie keinerlei qualitativen Bezug zwischen Profilen, intensiver Vernetzung und Qualität des Outputs erstelllt bzw. in eine nachvollziehbare Relation setzt.</p>
<blockquote><p>2. Durch das Social Networking wird ein Zugang zum Wissen des Kollektives geschaffen. was zu Kompetenzsteigerungen des Einzelnen führen kann. Dies entlastet das Unternehmen, da die bereitgestellten Ressourcen extern in Form von Humankapital kostenfrei zur Verfügung gestellt werden.</p></blockquote>
<p>Das &#8220;Wissen des Kollektivs&#8221; ist wenigstens die Summe dessen, was alle Mitglieder dieses Kollektivs wissen. Da die meisten Menschen noch nicht einmal selber bewußt nachvollziehen können, was sie eigentlich wissen, ist diese These zutiefst fragwürdig. Sie basiert auf einem mechanischen Weltbild, das Wissen als Materie erfasst, die zusammengetragen und jederzeit frei abgerufen werden kann, was unrealistisch ist. Wir wissen alle aus unserer eigenen Lebenswelt, dass man oft etwas weiß, was man an anderen Tagen einfach nicht erinnert oder dass man sich durch das Darstellen von Problemen durch andere auf die falsche Fährte führen läßt und bei eigener Betrachtung die eigene Formulierung eines Problems schon die Lösung enthält. Ohne weiter auf den sehr fragwürdigen Begriff des &#8220;Wissen des Kollektivs&#8221; zu vertiefen, verweise ich hier einfach auf die extreme Problematik, auf Wissen zuzugreifen oder einen Zugang dazu zu haben einfach über die Existenz von Personenprofilen im Intranet. Menschen geben ihre Wissen nicht einfach deswegen preis, weil ein Kollege aufgrund ihres Profils erschließt, dass sie etwas wissen <em>müssten</em>.</p>
<p>Dass die Kompetenz des Einzelnen steigt, wenn er in einem Kollektiv ist, das andere Menschen mit anderen Kompetenzen umfasst, halte ich für einen so schlichten Gedanken, dass ich die Bewertung dem geneigten Leser überlasse. Die Entlastung des Unternehmens geht in diesem Fall eher gegen Null. Begriffe wie <em>Humankapital</em> und <em>kostenfrei</em> in Bezug auf derart komplexe Betrachtungen wie das Zusammenwirken verschiedener Menschen, verschiedener Wahrnehmungs- und Erfahrungshorizonte angesichts nur einer einzige Problemstellung in ein &#8220;Fachbuch&#8221; zu schreiben, halte ich für grob fahrlässig und unverantwortlich gegenüber den interessierten Lesern. Wer Erfahrungen im Projektmanagement gesammelt hat, weiß, wie umfangreich allein das Erarbeiten der einzelnen Schritte zum Problemverständnis und der angemessenen -analyse sind und wie diese Komplexität exponentiell zunimmt, je mehr Abteilungen beteiligt sind.</p>
<p>Auch diese zweite These ist in ihrer Schlichtheit eher falsch als richtig. Ist in der ersten These einfach die Relation falsch bewertet, ist hier grundsätzlich der Wurm drin. Denn sowohl der Satzgegenstand als auch die Satzaussage sind nicht haltbar ohne Zusatzannahmen, die zumindest nicht genannt sind. Der zweite Satz ist einfach nicht belegbar und auch nicht logisch darstellbar.</p>
<blockquote><p>3. Neue Kontakte, die relevanten Nutzen stiften, können mit Hilfe der Social Software einfacher lokalisiert werden, da die Onlinesuche effektivere Ergebnisse liefert als traditionelle Maßnahmen des Beziehungsmanagements.</p></blockquote>
<p>Dieser Satz kann nicht Ernst gemeint sein. Natürlich ist eine Datenbank voller Personenprofile, auf die alle zugreifen können, anders als eine Datenbank, die nur der Personalabteilung zugänglich ist. Die Frage ist, ob, wer und mit welchem Recht auf welche Inhalte zugreifen soll und darf. Was aber ein Social Network an neuer Qualität gegenüber der schlichten internen Yellow Pages an neuen Möglichkeiten eröffnet, ist hier mitnichten dargestellt. Wenn man den Beginn des Satzes betrachtet, dann wird dieser zunächst offensichtliche Gemeinplatz noch ins Falsche gekehrt. Man kann in Sozialen Netzwerken keine neuen Kontakte erhalten, die relevanten Nutzen stiften. Man kann dort POTENTIELL neue Kontakte knüpfen, die POTENTIELL neue Perspektiven oder Kompetenzen einbringen und dadurch etwas befördern ODER gar behindern. Die Begriffe Relevanz und Nutzen gehören übrigens zwei unterschiedlichen Kategorien an und sind in diesem Kontext nicht sinnvoll zu verbinden ohne Zusatzannahmen, die hier nicht offenbart wird.</p>
<p>Erneut verhindern unglückliche und kaum durchdachte Formulierungen das Bestätigen eines Gemeinplatzes, der in einer solchen Thesensammlung eigentlich sowieso nichts verloren hat.</p>
<p>An dieser Stelle zitiere ich aus naheliegenden Gründen eine externe <a target="_blank" title="Link zu Clockwise" href="http://clockwiseconsulting.wordpress.com/2008/10/02/online-social-networks-im-vertriebsprozess-ein-adaquates-mittel-des-networkings/" target="_blank">Quelle</a>, die eines der Probleme auf den Punkt bringt:</p>
<p><em>&#8220;Komplett neue Kontakte über das Internet aufzubauen, erfordert hingegen einen gewissen Einsatz an Energie, der eben mit einer Kontaktanfrage und einem netten Zweizeiler nicht geleistet werden kann. Viele Nutzer von Online Social Networks sitzen hier einem Trugschluss auf. Sie gehen davon aus, dass bereits das Kontaktieren eine schwache Bindung entstehen lässt, welche für das Business sehr wichtig sein können. Was hingegen beim Empfänger einer solchen Kontaktanfrage entsteht, hat mit einer Bindung meist wenig zu tun. Daher kann man zusammenfassend sagen: Schwache Bindungen lassen sich allein über das Internet nur sehr schwer erzeugen.&#8221;</em></p>
<p>Kommen wir zur vierten These von Koch/Richter:</p>
<blockquote><p>4. Alle Netzwerkbeziehungen, auch weit entfernte oder nur durch die Plattform zustande gekommene und durch deren technische Möglichkeiten aufrecht erhaltene Kontakte können durch den Faktor [sic!] Vertrauen gestärkt und authentisiert werden. Dieser kann durch gegenseitige Empfehlungen weiter ausgebaut werden bis hin zu einer Expertise oder Garantie : &#8220;Displaying conncetions is a way of signalling a willingness to risk one&#8217;s reputation&#8221; Donath/Boyd 2004 Seite 76</p></blockquote>
<p>Tja. hm. Also hier bleibt mir ehrlich gesagt die Spucke weg. Dies verläßt eigentlich den Rahmen eines akademischen Diskurses und driftet in die spekulative Astrologie ab. Beginnen wir hinten:</p>
<p>Der Artikel von Judith Donath und Dana M. Boyd aus 2004 (Donath, J., &amp; Boyd, D. . Public displays of connection. <em>BT Technology Journal, 22</em> , 71-82 ) erweiterte Boyds eigene Studien aus diesem Jahr dahingehend, dass die Darstellung von Beziehungen zwischen Nutzern (Kontakte des Kontakts) von öffentlichen Sozialen Netzwerken wie Friendster (der Untersuchungsgegenstand von Boyd) eine sehr leistungsfähige Hilfe für das Navigieren innerhalb dieser Netzwerke sei. Im Gegensatz zu Marwick in 2005 (Marwick, A. <em>&#8220;I&#8217;m a lot more interesting than a Friendster profile:&#8221; Identity presentation, authenticity, and power in social network service.</em> Chicago, IL.  ) stellte Boyd auf der Grundlage des oben angeführten Gedankens klar, dass es immer <em>Fakesters</em> (Betrüger) gebe und ein Profil nie ganz real sein könne!</p>
<p>Die sichtbaren Beziehungsmuster (Kontaktliste) eines Profils ermöglichen das Validieren desselben, vor allem wenn man einen oder mehrere gemeinsame Kontakte findet. ABER: dies ist ein Thema öffentlicher Sozialer Netzwerke und ist nur in sehr eingeschränktem Umfang auf interne Soziale Netzwerke anwendbar, da die Neigung zum Fake innerhalb von Firmen deutlich geringer ist, da der Gesichtsverlust und die direkten Konsequenzen deutlich empfindlicher sind. Außerdem ist die interne Kontaktliste bei einer Firma mit 300 Angestellten nicht so besonders heterogen.</p>
<p>Fokussieren wir den Begriff des Vertrauens. Aus eigener Erfahrung und vielleicht auch durch akademische Beschäftigung mit diesem Begriff weiß der geneigte Leser, dass dieses Gut sehr selten verteilt wird und eine lange Vorgeschichte hat. In der Soziologie entsteht Vertrauen auf der Grundlage gemeinsamer kultureller Werte, die langsam zu einem stabilen Gefühl des persönlichem Vertrauens wachsen können. Dieser Begriff des Vertrauens lässt sich eben nicht via Internet begründen. Man könnte das Konzept des <em>Web of Trust </em>an den Haaren aus der Kryptologie herbeiziehen und die gegenseitige Bestätigung der einzelnen Nutzer als eine Art Signatur auffassen. Das wäre interessant liegt aber offenbar außerhalb des Wissensbereichs der Autoren. Die nächstliegende Quelle müsste bei einem modernen Wissenschaftler in diesem Umfeld das Konzept des sozialen Kapitals von Pierre Boudieu sein. Dort ist Vetrauen ein zentaler Bestandteil der Beziehungen zwischen Menschen. Allerdings steht genau dieser Begriff in direktem Gegensatz zum Begriff des Humankapitals. Letzteres fokussiert auf natürlich Personen. Bourdieus soziales Kapital nimmt nur die Beziehungen zwischen ihnen zum Untersuchungsgegenstand. Die Bereitschaft der Akteure, miteinander zu kooperieren erfordert dort eben soziales Vertrauen, welches sich jedoch erst durch KOOPERATION und GEGENSEITIGE UNTERSTÜTZUNG entwickelt.</p>
<p>Das Buch listet noch drei solcher hanebüchener Thesen auf. Ich denke, wer diese liest, wird selbst sehen, auf welch einer Ebene die wissenschaftliche Betrachtung des Themas Enterprise 2.0 zu Zeit steht, denn das ganze Buch der zwei Autoren gilt hierzulande als Standardwerk. Ich habe bei jeder Seite mehrmals laut aufgelacht. Nach einigen Dutzend Seiten ist mir allerdings das Lachen im halse stecken geblieben. Wenn wir dieses spannende Thema auf eine derart triviale Art der Beschäftigung mit ihren Grundbedingungen und Probleme reduzieren, wie Michael Koch und Alexander Richter es tun, dann wäre es besser, es gleich sein zu lassen. Insofern haben all diejenigen Recht, die sich Enterprise 2.0 noch verschließen. Die akademische Diskussion ist im deutschsprachigen Europa bisher auf dem Stand eines Leistungskurses Politik in der 12. Klasse.</p>
 
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		<title>Erfahrung ist (k)ein Hemmschuh</title>
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		<pubDate>Fri, 22 May 2009 11:45:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Vorname Nachname</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Erfahrung kann helfen oder den freien Blick behindern...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a rel="attachment wp-att-1370" href="http://www.digitalpublic.de/erfahrung-ist-kein-hemmschuh/lernen"><img class="alignleft size-full wp-image-1370" title="lernen" src="http://www.digitalpublic.de/wp-content/uploads/2009/05/lernen.jpg" alt="lernen" width="300" height="199" /></a>Erinnern Sie sich noch an die Anfänge der Scientologen in Deutschland? In den Fernsehzeitungen der Achtziger Jahre gab es immer eine Seite mit billigen Minianzeigen, wo Erregungspillen, Wunderschuhe für kleine Männer und Rheumadecken angeboten wurden. Ich habe sie immer bei meiner Oma im reader &#8216;s digest gelesen. Dort war immer auch ein Kopf von Einstein abgebildet und daneben stand sinngemäß: <em>Wir nutzen nur 10% unseres Gehirns</em>. Mit Dianetik, das ist die besondere Methode der Scientologen, sollte man in der Lage sein, das ganze Potenzial des neuronalen Wunderwerks der Natur zu erschließen.</p>
<p>Dann kam das Jahrzehnt der Psychologie und alle und jeder waren plötzlich Experten für Wissen und Erkenntnis, wenn man nur das Wort Dopamin oder Serotonin fehlerfrei schreiben und einer Aufgabe zuordnen konnte.</p>
<h3>Erfahrung bildet einen Filter</h3>
<p>Viel weiter sind wir heute nicht. <em>Savants</em> (das sind Gedächtnis-, Kunst-, oder Musikgenies, die durch Kopfverletzungen oder Autismus besondere Fähigkeiten im Gebrauch der neuronalen Informationsverarbeitung erlangt haben) helfen den immer noch ratlosen Hirnphysiologen und Psychologen bei der Erklärung der Funktionen des Gehirns weiter. Ein Verständnis des Zusammenhangs von physiologischem Aufbau des Gehirns und dem, was wir Bewußtsein oder gar Wissen nennen, scheint aber immer noch in weiter  Ferne zu liegen. Je mehr bildgebende Verfahren den Menschen beim Denken und Fühlen zeigen, desto ratloser oder spekulativer werden die Bewertungen der Fakten. Räumliche Verortungen zeitlicher Geschehnisse sind den Experten offenbar nicht möglich. Kein Wunder.</p>
<h3>Hilft Wissen beim Erkennen einer Situation?</h3>
<p>Die Diskussionen um Wissensmanagement haben die alten Studien von <a target="_blank" title="Link zu wikipedia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Polanyi" target="_blank">Mihalyi Polanyi</a> wieder ins Zentrum gerückt. Mit Bezug auf Gestalttheorie erkennt er ein Hintergrundwissen, das er auf Erfahrungen zurückführt, das er als stilles Wissen bezeichnet. Demgegenüber stellt er das explizite Wissen, das in Wörter und Zeichen abstrahiert, weitergegeben werden kann. Vereinfacht gesagt ist explizites Wissen der Fokus auf die Hand, die den Nagel beim Einschlagen hält. Denn sie muss nicht nur den Nagel gerade halten, sondern ist der Wucht des Schlages ausgesetzt. Die Hand, die den Hammer führt, ist die eigentlich treibende Kraft. Sie wird aber eher unbewußt genutzt und kann daneben hauen. Sie gehorcht dem gewöhnlichen Handwerker nicht in einem intentionalen Sinne, obwohl sie Teil der Persönlichkeit und des bewußten Handelns zu sein scheint. Erst der erfahrene Tischler oder Zimmermann haut sich kaum noch selber auf den Finger. Seltsamerweise ohne ein aufmerksames Beachten ihrer Handlungen. Erfahrung hilft also den Fokus zu verlagern.</p>
<p>Nun haben aber die Forschungen rund um die Savants und ihre Genieleistungen gezeigt, dass sie zu den quasi übermenschlichen Leistungen nur fähig sind, weil ihre Wahrnehmungsfilter gestört sind. Dies sind aber genau die Strukturen, die aufgrund von Erfahrung, das Aktuelle soweit einreduzieren, dass wir Entscheidungen treffen können, ohne der Wucht der Informationsmengen zu erliegen, die jede Sekunde auf uns einströmen.</p>
<p>Erfahrung ist im Wissensmanagement der heilige Gral. Es gibt Dutzende Verfahren, die zum Ziel haben, Wissen und Erfahrungen langjähriger Mitarbeiter in Datenbanken oder neue Kollegen zu transportieren.</p>
<h3>Erfahrung behindert den freien Blick</h3>
<p>Wenn man auf das Thema Innovationen schielt, ist genau dies der falösche Weg, da meistens der unverstellte Blick auf bestehende Probleme neue Wege und Lösungen erst ermöglicht. Erfahrungen behindern eine genazheitliche Würdigung aller erkennbaren Phänomene. Sie sind gut im handwerklichen Bereich, wenn es um das Wiederholen automatisierbarer Handlungen geht. Beim Problemlösen kann Erfahrung jedoch behindern.</p>
<p>Es wird langsam Zeit, den Umgang mit Wissen, Erfahrungen und Lernen zu professionalisieren. Das meint vor allem ein Differenzieren der Leistungen und Anwendungen einzelner Elemente der Diskussionen in Psychologie, Pädagogik und Didaktik. Auch die Personalentwicklung sollte das goldene Kalb Skill-Management in ein neues Licht rücken. Nicht jeder Deckel passt auf jeden Topf. Und ein Passen gewährleistet selten einen optimalen Einsatz.</p>
 
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		<title>Irgendwas mit Abschreiben</title>
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		<pubDate>Wed, 22 Apr 2009 13:56:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Vorname Nachname</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das Netz]]></category>
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		<description><![CDATA[Schüler sollen mehr im Web abschreiben fordert ein Direktor für Wissensmanagement, der selbst eine wenig Wissen gebrauchen könnte... ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf einem Bloggertreffen namens re:publica begab es sich aber zu der Zeit des Frühlings im Jahr des Herrn 2009, dass ein Wissensmanagementexperte der Firma mit den drei Buchstaben zu dem überfüllten Saal sprach über die Zukunft des Web 2.0 in den Firmen. Und da in den Firmen auch in ferner Zukunft erfolgreich geforscht sein soll, müssten die zukünftigen Forscher heute schon in den Schulen <a target="_blank" title="Link zu turi2" href="http://turi-2.blog.de/2009/04/18/interview2-peter-schuett-ibm-5964514/" target="_blank">das Abschreiben</a> aus dem Internet lernen. Gleichzeitig müssten dann auch die Anforderungen an die Schüler hochgeschraubt werden, da sie ja auf unzählige Quellen im Web zurückgreifen könnten.</p>
<p><a rel="attachment wp-att-1049" href="http://www.digitalpublic.de/blog_20_ad-hoc-kommunikation-twitter-kommentar-funktionen/book1"><img class="alignleft size-full wp-image-1049" title="book1" src="http://www.digitalpublic.de/wp-content/uploads/2009/03/book1.jpg" alt="book1" width="180" height="120" /></a>Das erkenntnistheoretische Bild hinter dieser Forderung könnte man wohlwollend als konstruktiv bezeichnen. Könnte. Denn dann erklärt uns der Experte, dass niedere Intelligenzformen wie etwa Schwarmintellligenz die bisherige Gatekeeperfunktion von Wissensmanagern und internen Redakteuren ersetzen könnten. Lustig verwürfelt er diesen Begriff mit der &#8220;wisdom of the crowd&#8221; und meint zeitweilig crowdsourcing. Alles in allem ein gutes Beispiel dafür, was passiert, wenn man zuviel liest, ohne den Inhalt auch zu verstehen bzw. die theoretischen Grundlagen für solche Konzepte mitzubringen. Ich würde Herrn Schütt gerne Recht geben, wenn ich den EIndruck hätte, er würde das Thema seines Radebrechens halbwegs selbst begreifen. Aber von der anderen Seite her wird in dasselbe Horn noch weit kräftiger geblasen.</p>
<p>Da passt eine andere Diskussion die der Oberste Textkritiker, der Heidelberger Professor Roland Reuß, gerade im Auftrag der <em>FAZ</em> bzw. dem Zeitschriftenverlegerverband vom Zaun bricht, ganz gut ins Bild. Und die Zeitung <em>Die Welt</em> sekundiert, dass die Macht mit ihm sein möge auf seinem Kreuzzug gegen die Krake Google und die dummbatzigen Kauze der Open Access Bewegung, die das freie Publizieren für Wissenschaftler fordern. Er schmeisst wirklich beides in einen Topf.</p>
<p>Angesichts der enormen Kosten für die Jahresabos wissenschaftlicher Journale erscheint Open Acces ja sinnvoll. Reuß erkennt nun in ihnen willfährige Hansel, die mit Rechtsbeugung und Durchlöchern des heiligen Reiches deutscher Urheberrechte eine Art diktatorischen Putschversuch von Google vorbereiten, dem die armseligen Verlage nichts entgegenzusetzen hätten als die heilige Angela Merkel auf ihrem Vollblutaraber AL Lobbystatica, einem direkten Nachkommen von Amurath.</p>
<p>In einem Pamphlet kommt es zu der folgenschweren hermeneutischen Analogie zwischen Google und Open Access, wie sie wohl nur einem in der Postmoderne ungeübten Literaturprofessor zustoßen kann:</p>
<blockquote><p>Das verfassungsmäßig verbürgte Grundrecht von Urhebern auf freie und selbstbestimmte Publikation ist derzeit massiven Angriffen ausgesetzt und nachhaltig bedroht. International wird durch die nach deutschem Recht illegale Veröffentlichung urheberrechtlich geschützter Werke geistiges Eigentum auf Plattformen wie GoogleBooks und YouTube seinen Produzenten in ungeahntem Umfang und ohne strafrechtliche Konsequenzen entwendet. Gleichzeitig propagiert national die ‘Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen’ (Mitglieder: Wissenschaftsrat, Deutsche Forschungsgemeinschaft, Leibniz-Gesellschaft, Max Planck-Institute und andere) weitreichende Eingriffe in die Presse- und Publikationsfreiheit, deren Folgen grundgesetzwidrig wären.</p></blockquote>
<p>Seltsam das Urheberrecht ist gar nicht erwähnt in der Verfassung. Ob er wohl das Allgemeine Persönlichkeitsrecht meint? Vielleicht hebt er ja die unabdingbaren Urheberpersönlichkeitsrechte in den Stand der Verfassungsmäßigkeit qua akademischer Eingebung? Die Veröffentlichung eines Werkes kann gar kein geistiges Eigentum entwenden. Sie kann nur ohne Einwilligung des Urhebers geschehen. Schade, dass er gar nicht auf die Vervielfältigung oder gar Speicherung in Datenbanken abhebt. Da aber die meisten Urheber in sehr weitreichenden Autorenverträgen ihre Rechte an Verleger abgetreten haben, sind in den seltensten Fällen die Urheber selbst betroffen &#8211; für die er da gegen die Windmühlen anreitet. Die Produzenten geistigen Eigentums werden meistens schon vor der Zweit- oder Drittveröffentlichung durch Google Books quasi &#8220;enteignet&#8221; zu einem sehr dürfigen Honorar, das die Verlage zahlen. Da wären die 67% der Einnahmen, die sie von Google erhielten schon bedeutend mehr als die mickrigen Beteiligungen die die Verlage oder die VG Wort vorsehen. Allerdings lässt sich Google auch nicht in seine Einnahmen blicken.</p>
<p>Google will  in lieferbare Bücher so viel Einblick ermöglichen, wie es die Rechteinhaber – also Autor oder eher die Verleger – erlauben werden. Alte und vergriffene Bücher sollen derart verwertet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, dass die Nutzer die Bücher ansehen, ausdrucken oder auch als Print-on-demand-Version kaufen können – so lange nicht die Rechteinhaber Einspruch erheben. Dass Google kein Samariter ist, muss nicht besonders erwähnt werden.</p>
<h3>Ist veröffentlichte Meinung schon ein  Faktum, eine Wahrheit oder eine anerkannte Hypothese?</h3>
<p>Der Kern dieser Diskussion ist jedoch die Ursache von Open Access. Nämlich die Tatsache, dass wenige Universitäten und keine privaten Personen das Geld haben, um die enormen Abokosten von mehreren Zehntausend Euro pro Jahr und wissenschaftlicher Publikation zu zahlen, obwohl die Autoren, die zumeist auf Staatskosten forschen, keinen Heller sehen. Aber sie müssen Publizieren, um ihren Rang in der community of scientists zu halten bzw. zu erlangen. Und hier sind wir wieder bei unserem Wissensmanagementexperten Schütt, der das Abschreiben so präferiert.</p>
<p>Es gibt nicht wenige publizierte Studien, die frisiert und getuned sind, um in den großen Magazinen zu landen. Es gibt sehr viele Dissertationen, die Unmengen von Thesen und Meinungen aus &#8220;großen&#8221; Werken einfach übernehmen, weil sie zititert werden müssen, weil der Student oder Schüler nur so nachweisen kann, dass er die &#8220;herrschende Meinung&#8221; kennt. Wikipedia ist zwar zugänglicher aber keineswegs unfehlbarer oder didaktisch klarer als andere Publikation &#8211; ob auf Papier oder im Web. Ob er oder sie die Thesen einordnen oder gar reflektieren kann, steht gar nicht mehr zur Debatte. Der Citation Index beherrscht die Diskussion um die Güte eines Forschers und damit die Relevanz seiner Hypothesen und Arbeiten.</p>
<p>Diese fragwürdigen Auswüchse einer überkommenen Hochkultur des Wissens, die in keiner Weise kritisches Hinterfragen, geduldiges Erforschen gar kreatives Irren fördern, will der Experte für Wissensmanagement auf die Welt der Schulen übertragen? Es ist sicher richtig, den pädagogischen Thesen des 19. Jahrhunderts und der Computerangst der meisten Lehrer konstruktiv zu begegnen. Aber diesen begrüßenswerten Ansatz nur um des billigen Effektes willen mit einer Freigabe des Zitierens aus Wikipedia zu erkaufen, erscheint als ignoranter Trick eines Menschen, der es besser wissen müsste. Hat die IBM doch mit Gunter Dueck einen ausgewiesenen Vertreter einer anderen Denkschule in ihren Reihen. Hier macht ein großer Konzern keinen guten Gebrauch seiner sozialen Verantwortung. Und ich meine damit nicht die fehlende Diskussion über Zitate von der Scholastik bis zur Hermeneutik und Derrida. Nein, es geht schlicht um ein Verspielen des Kontakts mit einer Generation, die am Computer eine ganz neue Kultur errichten kann und mehr Sorgfalt und präzises Zuhören verdient hat.</p>
 
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