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"Zur ganzen Wahrheit gehören zwei – einer, der sie sagt und einer, der sie versteht." Henry David Thoreau

stimuluswatch: Konjunkturhilfen bundesweit per Web für 35 EUR im Monat überwachen

Erfahrene Gesellschaftsmitglieder wie der Tierarzt von nebenan oder der ewig grantelnde Hausmeister aus dem Mehrfamilienhaus gegenüber wissen es nicht. Wie sollten sie auch. Sie lamentieren jeden Sonntag Morgen beim Presseclub über Gott, die Welt und die verdammten XYZ-Preise. Herr Hasendorfer hat da sogar schon mal angerufen und dem komischen amerikanischen Journalisten, der immer so tut, als gehöre ihm die Welt, erklärt, das dieses Land damals auch mit seiner Hände Arbeit aus Trümmern wieder aufgebaut wurde.

Geldanlagen als Splitterbomben

Dass die postmodernen Splitterbomben, die seit Jahren über uns kommen, aus den Aktentaschen ehrbarer Bürger kollerten, wenn Sie bei einer Bank waren und dort fast mit hoher Wahrscheinlichkeit sichere und vielleicht echt gute Geldanlagen geholt haben, das ist nur den wenigsten bewußt. Die Hartz IV Empfänger jedenfalls haben keine toxischen Papiere gekauft. Ungefähr 12 Billionen EUR strahlender Subprime-Müll liegt noch in den Kellern europäischer Banken, ohne in deren Bilanzen zu stehen. Glücklicherweise hat ja unsere Bundesregierung schnell das Bilanzrecht so geändert, dass die Banken dürfen, was jahrzehntelang als Betrug galt, nämlich seine Verluste aus solchen suboptimalen Geschäften einfach bilanzneutral zu entsorgen.

lupeneffektSteuergelder selbst verwalten?

Die von Herrn Hasendorfer so schändlich geschmähten Amis sind da ein kleines Stückchen weiter. Zumindest wenn es ums Verteilen der Steuergelder geht. Denn die wissen es. Anders als der Tierarzt und der Hausmeister von gegenüber. Mit Kosten von fast 40 $ monatlich wurde eine Website eingerichtet unter http://www.stimuluswatch.org . Was das soll? Dort können alle Bürger lokal, regional oder bundesweit Projekte bewerten, kommentieren und diskutieren, die eine Kommission aus Tausenden von Bürgermeistern zusammengetragen hatte. Denn die 600 Milliarden Dollar Stimulus Paket, die gerade verabschiedet wurden, könnte man ja mithilfe derjenigen verteilen, die vor Ort wissen, was am dringendsten benötigt wird. So ist der theoretische Ansatz.

Freiwillige vor

Soviel Demokratie gäb es hier leider nie.  Das liegt auch daran, dass die Site nicht von der Regierung in Auftrag gegeben wurde sondern als Freiwilligeninitiative gestartet wurde von Jerry Brito, einem Forscher am Mercatus Center an der George Mason University und von Kevin Dwyer und Peter Snyder einem Web 2.0 Spezialisten aus Chicago.

Web 2.0? Ja, man kann auch wirklich hilfreiche Dinge betreiben, mit der Idee, Infomationen möglichst Vielen zukommen zu lassen und die Menschen damit in eine öffentliche Diskussion einzubeziehen.

Was übrigens kein Web 2.0 ist: Wenn ein paar Skriptkids ein soziales Netzwerk a la Facebook zusammenstolpern, den Nutzern per “terms of us(e)” fast alle Verwertungsrechte an den eingestellten Inhalten ohne Entlohnung abnimmt und das ganze dann auch noch als Treffpunkt von Menschen deklariert. Ich hatte gestern darüber geschrieben.

Das wichtigste Charakteristikum an Web 2.0 fehlt dort nämlich: Die freie Entscheidung, was mit den Kommentaren und Vorschlägen geschieht, die man mal eingegeben hat. Web 2.0 ist nämlich eigentlich Ausdruck des selbstbestimmten Umgangs mit technischen Mittel. Ich will jetzt niemanden mit der Akteur-Netzwerk-Theorie belästigen, aber kurz gefasst geht es doch um einen demokratischen Austausch von Meinungen auf Augenhöhe mit den Mitteln des Web.

Bravo www.stimuluswatch.org! Wünsche Euch viel Erfolg!

Ich hoffte, die Deutschen würden auch etwas mehr Demokratie erleben und mitbestimmen oder zu mindest mitdiskutieren dürfen, was in ihrer Gemeinde sinnvoll ist und was nur Schmuck am Nachthemd wäre…

Wenn interessiert, wie es gemacht wurde. Joshua-Michele Ross von radar.oreilly hatte die Macher befragt.Dazu Dwyer:

“Nachdem ich  Jerrys Blogeintrag über den Bericht über die US Conference of Mayors las, schrieb ich schnell einen ersten Python Code um alle Projekte auf deren Site zusammenzufassen und in eine sqlite datenbank einzupflegen, das lxml Modul war dafür klasse. Brian Mount nahm dies und überführte die Daten in eine MySQL Datenbank. Pete Snyder kam dazu und bot an die Website mit dem PHP basierten Framework CodeIgniter zu bauen. Er machte einen Superjob und baute diese Site praktisch aus dem Nichts in kürzester Zeit auf. Das war die Basis. Jerry schrieb die Texte und erstellte das Layout mit CSS/HTML. Er half uns auch disqus und tumblr einzubinden, so brauchten wir diverse Räder nicht neu zu erfinden. Ich experimentierte mit einigen Wikis und entschied mich dann für Mediakwiki umd den Nutzern die Chance zu geben zu jedem einzelnen Projekt einen Rahmen zu liefern, wo sie recherchierte Fakten eingeben konnten oder Vor- und Nachteile aufzählen. Das alles ist nun online auf einem EC2 Image… “

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Folgende Schlagwörter: Die Gesellschaft

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