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"Zur ganzen Wahrheit gehören zwei – einer, der sie sagt und einer, der sie versteht." Henry David Thoreau

Second Desert – wo sind all die user hin?

Foto: taylorschlades

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Die Jugend und Soziale Netzwerke: Langeweile

Die Spatzen pfeifen es von der Dächern. Ein neues Phänomen wird alt. Soziale Netzwerke sind nicht mehr attraktiv für die 15-24Jährigen. So erklären es uns die Marktforscher von Ofcom im Guardian (via @sixtus). Sie sind damit weder besonders schnell noch besonders überraschend an die Öffentlichkeit gegangen. Wer aufmerksam die Diskussion um Jugend und Soziale Netzwerke verfolgt hat und von Zeit und Zeit Jugendliche beobachtet oder sogar selber mal jugendlich war, der wird sich nicht wundern. Denn das Schreiben – auch wenn es in enorm reduzierter Form wie beim Chatten und SMS passiert – ist nicht das Coolste, was man tun kann, um dazu zugehören. Musik, Filme, Klamotten – eine Community of Interest steht und fällt mit den Verbindungen. Die sind in diesem Alter eindeutig sexueller Natur. Also werden im Netz Filme geguckt und Musik gehört, um die natürlichsten Sachen der Welt vorzubereiten, eine kürzere oder längere Beziehung und eine Drogenkarriere, die mit bunten Pillen beginnt und endet, dazwischen können schon mal Jahrzehnte des Alkoholkonsums liegen und einige Monate oder Jahre des Experimentierens mit Wunderdingen, die heftige Nachwirkungen haben. Soziale Netzwerke sind viel zu trocken, sauber und dröge. “Peter hat ein neues Gewinnspiel gespielt. Willst Du seinen Highscore von 6232853 Milchkühen schlagen?”- “Franzi hat Dir einen knallroten Erdbeerkuchen an die Pinwand genagelt.”

Zum Glück sind die jungen Leute aller Zeiten schwer hinters Licht zu führen. Leider sind sie Weltmeister darin, es selbst am besten zu können. Denn sie sind zwar viel seltener bei Sozialen Netzwerken aktiv als einige sich das wünschen würden, aber sie sind online. Das Web wird immer mehr zum Nebenbei-Medium. Entwicklungen, die schon das Radio und jüngst das Fernsehen durchmachen mussten. Irgendein Stream läuft immer und dazu ICQ und ein Online-Game, bei dem der knollnasige Troll noch genau 122 Mal auf den Wunderpilz hauen muss, damit er die nächste Evolutionsstufe und damit 9000 Angriffspunkte hat.

Medien und Menschen: Garbage In – Garbage Out

Die Nutzer der Sozialen  Netzwerke sind also über 25 Jahre alt. Wer sich etwas mit Twitter beschäftigt, weiß das schon länger: Dort sind die durchschittlichen Nutzer eher über 30 oder gar 35 Jahre alt. Auch das ist nichts Neues. Auch die Tatsache, dass bei Twitter Abermillionen von Karteileichen liegen, die sich einmal registriert haben und nach drei Wochen entnervt aufgaben. Denn wer kaum Follower hat und niemanden kennt, der interessante Dinge im Web ausgräbt, der erkennt überhaupt keinen Nutzen. Auch diejenigen, die nur Leute kennen, die niemals ihre Wissenquellen mit anderen teilen würden, schauen in die Röhre. Asoziale Kompetenz endet bei twitter im Fiasko – oder eher im souveränen Belächeln derjenigen, die offenbar glauben, dass das Mitteilen des letzten Mittagessens sinnvoll ist.

Und genau das ist es. Denn Menschen entwickeln Verbindungen über die kleinen Begebenheiten des Alltags und nicht über weltbewegende Fakten. Netzwerke könne aus schwachen Verbindungen starke werden lassen. Das Problem ist jedoch, dass man Erfahrung und Interesse mit und am Anderen braucht. Jugendlich müssen das gerade in dieser Lebensphase direkt am Subjekt lernen. Da hilft der Chat oder twitter nur bedingt. Sie nutzen das Web als Konsumschleuder für mediale time bandits. twitter und Konsorten sind genau das Gegenteil, wenn man damit Informationen validieren will. wenn man Inhalte zugeschickt bekommen will, von denen man nie dachte, das man sie interessant fände. Damit übernimmt twitter genau die Aufgabe, die immer die Zeitungen und Journalisten für sich in Anspruch nahmen: Menschen die Inhalte zu liefern, die nicht ihr festes Weltbild stabilisieren, sondern neue Horizonte eröffnen. Wer bei twitter nur Leuten folgt, denen Nehmen seliger als Geben ist, der wird das Tool verteufeln. Wer dort nur denen folgt, die sich selbst produzieren, der wird es lächerlich finden. Im Zweifel waren das aber Leute, die er vorher schon kannte. Es könnte sein, dass er über das Vehikel twitter mehr über sich und seine Bekannten gelernt hat, als ihm lieb ist. Diese Wahrheit des grauen Alltags, den man gefälligst selbst mit Farbe gestaltet, die wird in Sozialen Netzwerken noch deutlicher als im realen Leben. Dazu braucht man keine 3D-Umgebung. Man muss nur von Zeit zu Zeit die Perspektive ändern. Oder wie Francis Picabia einmal sagte: Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann.

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