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"Zur ganzen Wahrheit gehören zwei – einer, der sie sagt und einer, der sie versteht." Henry David Thoreau

Einführung ins Leistungssschutzrecht und Abgesang auf ein Verlegerschutzrecht

Sowohl in der schwarz-gelben Koalition wie auch schon mit Steinmeier haben die politisch völlig unabhängig und neutral agierenden Medien ihre nächsten Verwandten als Beschützer bekommen. Denn die vielen Milliardäre und Millionäre unter den Verlegern haben keine rechten neuen Geschäftsmodelle für das neue Jahrtausend gefunden. So etwas ist den Politikern auch schon passiert.

Digitale Bücher werden über das Handy oder proprietäre Geräte von Händlern abgerechnet. Websites sind zwar mächtige Targeting-Tools, aber noch immer nehmen die Holzmedien astronomische TKPs im Gegensatz zu den gut kontrollierbaren und transparenten Webmedien. Gießkanne vor Tröpfchenbewässerung. Analog müsste der Strom bei besonders stromsparenden Kühlschränken und Waschmaschinen besonders billig sein. Aber die Verleger verschenken fast ihren Werbeplatz im Netz mit der Begründung, dass der Werbemarkt am Boden sei. Wirtschaftskrise. Kostenlosmentalität allerorten. Dabei ist der Konkurrent einfach billiger und transparenter.

Aber bei den Nutzern und Lesern, da ist die Kostenlosmentalität besonders verwerflich. Vor allem deshalb, weil sie die Unverfrorenheit besitzen, kostenlose Inhalte im Netz abzurufen, obwohl die Websieten mit Banner und Inline-Advertising vollgepflastert sind – wenn man Online-Werbekunden hat. So wie Spiegel Online oder Bild.de. Die verdienen Millionen.

Photo: Lori Barwick

Photo: Lori Barwick

Und weil manche Verleger zwei- oder gar dreistellige Millionenumsätze im Web generieren – aber manche nicht auf den grünen Zweig kommen – muss eine Gerechtigkeit her. Es gab zwar noch nie Gerechtigkeit. Und man könnte sich sogar zu der Idee versteigen, dass die Ungerechtigkeit Teil der überall obwaltenden Kontingenz (Zufall) ist. Aber im Kern muss man zugeben, dass im Allgemeinen die Masse der Umblättermaschinen im Web zu wenig Gewinn einbringt. Und da man in Deutschland – wie auch in vielen anderen Ländern – schon immer gut darin war, hat man einfach KEINE neuen Geschäftsmodelle im Blick sondern sucht sich mit staatlicher Unterstützung neue Umsatzquellen wo man eigentlich neue Produkte erfinden müsste. Schutzzölle, Subventionen, Kohlepfennig…die Liste ist lang. Manchmal muss man einfach den Terminus SYSTEMRELEVANZ im Vakuum der Wirtschaftspresse hinterlegen und schon sprudeln da Umsätze, wo vorher noch klare betrugsähnliche Leistungsverletzungen durch Hunderte Mitarbeiter und Manager stattgefunden hatten.

Aber so eine gute Lobby wie diese Spezialwelt haben Verleger nicht. Sie müssen potemkinsche Dörfer aufbauen mit bösen Nutzern, die sich alles widerrechtlich aneignen und sich selbst nicht entblöden, das Ganze auch noch als Piratentum zu institutionalisieren. Diese vermeintlich vogelfreien Nutzer haben aber auch ihren Kodex der Privatkopie.

Und sie haben den Vorteil des HIER und JETZT, den die Verleger nicht haben. Per p2p kann man sich jederzeit Hörbücher oder Filme aus dem Netz ziehen. Um dasselbe legal zu machen, müsste man sich registrieren und unsichere Onlinebezahlwege gehen, man könnte dann irgendwann seine Rechnungen über 12 Pronofilme im Oktober 2008 im Netz lesen, weil irgendein Scriptkid einfach in der URL seiner eigenen Bestellung rumspielte und dadurch Zugriff auf Hundertausende Bezahlvorgänge erhalten hatte. Oder ein freundlicher Herr in Asien hebt einem 3000€ vom Konto ab und die Sparkasse erklärt kalt lächelnd, dass man EC-Karte und Geheimnummer zusammen aufbewahrt haben muss. Einmalig in Europa diese Beweislastumkehr. Aber zum Thema:

Urheberrecht und Leistungsschutzrecht

Das Urheberrecht wurde eingeführt, um den Urheber zu schützen. Eigentlich kommt es aus der Praxis, dass es in grauer Vorzeit Witzbolde gab, die Gedichte abschrieben und sie als ihre eigenen Ausgaben. So lag der Ursprung des Urheberechts in einer gesetzlichen Bindung des Werks an die Person des Autors bzw. Künstlers. Die Kopie unter Angabe des rechtmäßigen Autors galt nicht als verwerflich. Ab dem späten Mittelalter gab es Drucker, die Autoren Geld bezahlten, damit sie die ersten waren, die ein Werk druckten. Andere Drucker bezahlten dem Autor nichts, druckten diese Bücher aber trotzdem. Es gab bald höhere Instanzen wie Landesväter oder kirchliche Vertreter die bestimmten Druckern Privilegien einräumten für Regionen oder Zeiträume gegenüber anderen Druckern. Feindliche Landesfürsten aber unterstützen ihrerseits wieder eigene Drucker darin, viele Raubdrucke in großer Zahl herzustellen und zu verbreiten. Der Buchdruck war zu einem Vehikel der fürstlichen Ränke geworden. Aber auch die Gedanken der Aufklärung wurden über solche Raubdrucke weit verbreitet. Besondere Autoren oder Künstler waren die ersten, die gehobene Privilegien genossen. Daher kommt die starke persönliche Bindung des Urheberrechts an Personen. Die erste klare Formulierung definierte man 1710 in England im Act for the Encouragement of Learning by Vesting the Copies of Printed Books in the Authors or Purchasers of such Copies, during the Times therein mentioned.


Neue Geschichte des Urheberrechts

Was hat sich seit dieser Zeit geändert? 1965 wurde das Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte in Kraft gesetzt. Besonderes Detail war eine Verlängerung des Urheberrechts von 50 auf 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers. Deutschland wurde mit einem Schlag zu einem Pionier in Bezug auf die Verlängerung von Urheberrechtsfristen. Ob es demografische Weitsicht war oder wer profitiert von solchen Nachtodumsätzen? Ich fürchte, es ist klüger hier nicht zu spekulieren, aber ich glaube, der Urheber ist es nicht direkt und der Leser eigentlich auch nicht. Allerdings wurde auch die Privatkopie wieder “legalisiert”, die in den 50er Jahren durch Gerichtsentscheidungen entgegen dem damaligen Gesetzeswortlaut verboten war. Die Welthandelsorganisation hat dann das TRIPS-Abkommen weltweit durchgesetzt, und damit viele nationale Urheberrechte harmonisiert. Teil dieses Vertrages war auch der Drei-Stufen-Test, der die öffentlich-rechtlichen Angebote im Netz einem hübschen Verwaltungsaufwand unterzieht. Ich würde mir wünschen, dass die gesamte Presse diesem Test unterzogen werden müsste mit dem vierten Zusatzschritt, dass jedweder Einfluss von externen Firmen oder Agenturen zu einer Verhinderung des Sendens, Druckens oder Online-Publzierens führte. Es ist erkennbar, dass TRIPS keinen Vorteil für Konsumenten bzw. Leser brachte.

newsAuch sein Folgeabkommen namens WTC, das den besonderen Verhältnissen im aufkommenden Web Rechnung tragen sollte, war nicht durch ein besonderes Augenmerk auf den normalen Nutzer und Medienkonsumenten aufgefallen. Das Zugänglichmachen und das Vervielfältigen im Web wurde analog zum normalen Publikationsprozess eingeordnet. Neu war das Einführen einer Lizenzierung analog zu Patenten. Das heißt, dass man besondere, limitierte Nutzungsformen definieren konnte und auf dieser Basis auch besondere Preismodelle möglich wurden (on demand, pay per view, etc.) Dazu musste natürlich auch das Digital Rights Management eingeführt werden und bereits das Ändern von Metadaten, die zum Abrechnungsmodell gehörten und nicht das Werk betrafen, wurde mit dem WTC unter Strafe gestellt.

Mit der Umsetzung von TRIPS und WTC in USA und Europa um die Jahrtausendwende wurden dann einfach die Internetserviceanbieter zum langen Arm der Ermittlung degradiert. Sie waren und sind verantwortlich für das Sammeln der Daten ihrer Kunden. Auf dieser Basis findet die polizeiliche Ermittlung statt.

Urheberrecht – im Detail

Das Urheberrecht besteht in Deutschland zunächst aus zwei Teilen. Dem Urheberperönlichkeitsrecht und den so genannten Verwertungsrechten. Der erste Teil ist unveräußerlich, kann also nicht wirksam auf andere Personen übertragen werden. Nur der Urheber kann bestimmen, ob und wann sein Werk veröffentlicht wird. Auch sein Name muss genannt werden. Er kann aber auch verbieten, dass sein Name genannt wird. Und er hat das Recht, etwaige Verunstaltungen des Werks zu verbieten (dies kommt bei Architekten vor, wenn ein Hausherr einfach einen Wintergarten an ein Haus anbauen will, für dessen Entwurf der Architekt vielleicht einen Preis gewonnen hat). Es gibt dem Urheber in Grenzen sogar das Recht, sein Werk wieder aufzusuchen oder kurzfristig zu bekommen für weitere Vervielfältigungen oder Bearbeitungen.

Dem geneigten Leser ist eine Vokabel besonders aufgefallen: das Werk. Dieses ist ein seltsames Ding und rührt von der Aufklärung her. Im Mittelalter war alles Gottes Schöpfung, bis auf die Besitztümer der Kirchenfürsten und Landesherren. Die Gilden brachten erweiterte Rechte für die Handwerker. Das Werk nun musste etwas werden, dass über die Produkte von handwerklich geschickten Händen hinausging. Es wurde um eine geistige Dimension erweitert (Aufklärung). Alles, was eine Idee übersteigt in der Weise, dass man klar erkennen kann, dass ein individueller Geist sich Gedanken gemacht hat und gestaltend eingegriffen hat.

Ein Foto zum Beispiel ist dann ein (Lichtbild-)Werk, wenn die dargestellten Objekte extra drapiert wurden oder in einem bestimmtem Moment geknipst wurden, damit ein vorher erwünschter Effekt entsteht. Kommissar Zufall kann also kein Werk erschaffen. Diese konzeptionelle Absicht nennt man die Schöpfungshöhe. Ist also ein Konzept erkennbar, ist diese Höhe erreicht und ein Ding, das ein Mensch sagt, schreibt, zeichnet oder flötet, ist ein schützenswertes Werk. Das Gesetz nennt es “ein Handlungsergebnis, das durch den gestaltenden, formprägenden Einfluss eines Menschen [Individuums] geschaffen wurde”.

Verwertungsrechte

Es gibt eine ganze Menge Verwertungsrechte. Da es viele Medien gibt (Buch, Fernsehen, Kino, Radio, Zeitung, Datenbank etc.) und auch noch neue geben wird, ist der so genannte Katalog nicht abgeschlossen, der die Verwertungsrechte umfasst, die häufigsten sind: Vervielfältigungsrecht, Verbreitungsrecht, Ausstellungsrecht, Vortrags- Aufführungs- und Vorführungsrecht, Senderecht, Wiedergabe auf Bild- und Tonträgern, Recht auf öffentliche Zugänglichmachung, Datenbankspeicherung. Und nun kommt der Clou: Aus dem Urheberpersönlichkeitsrecht läßt sich ableiten, dass die Urheber an jeder (!) Verwertung teilhaben müss(t)en. Die meisten Verleger jedoch lassen sich von den Autoren sehr umfangreiche Übertragungen aller denkbaren Verwertungsrechte unterschreiben, bevor sie einen Artikel oder andere Werke zu Veröffentlichung annehmen.

Im Klartext: Man kann den Redaktionen tolle Texte anbieten, aber wenn man nicht gerade sehr bekannt ist oder sehr gute und einzigartige Texte schreibt, kann man diese Vereinbarung nicht nachverhandeln – entweder unterschreiben oder gehen. Die Verleger, die gegenüber dem Gesetzgeber gerade so tun, als ob sie von dem Verwertungsrechte-Kuchen wenig abbekommen, sind in Realität schon sehr nahe dran, über alle denkbaren Verwertungsformen zu verfügen OHNE den Autoren im nachhinein besondere Vergütungen zukommen zu lassen. Außerdem erhalten fleißige freie Autoren oder Künstler, die viel publizieren oder musizieren auch jedes Jahr ungefähr 300-800€ von Verwertungsgesellschaften wie VG Wort, GEMA oder GVL. Sie verwalten die Gelder als Treuhänder der Einnahmen aus Verwertung, Schutzrechten und Leistungsschutzrechten. Die Tantiemen, die über Gesellschaften wie VG Wort ausgeschüttet werden, stammen aus Pauschalvereinbarungen, die sie mit den Verwertern/Sendern oder Drucker/Kopiererherstellern eingegangen ist.

Verwandte Schutzrechte oder Leistungssschutzrechte

Was aber sind dann diese ominösen verwandten Schutzrechte? Sie sind sozusagen entfernte Verwandte oder Abkömmlinge dritten Grades vom Werk selbst. Hier ist der Urheber fast egal. Es geht ausschließlich um den Schutz von etwas, dass mit einem urheberrechtlich geschützten Werk in Zusammenhang steht. Das kann die Aufführung eines Theaterstücks sein, das über den Urheber (Dramatiker) bereits geschützt ist. Denn auch die Aufführung selbst ist eine Leistung. Auch Musiker, die die Stücke anderer spielen, aber auch die Leistung eines Produzenten, der die gesamte Organisation (und das geschäftliche Risiko) eines Kinofilms übernommen hat. Zu diesem Zweck haben beispielsweise die Musiker und die Verwerter von Musikrechten die GVL analog der GEMA gegründet und alle, die mit aufgeführter Musik Geld verdienen (TV/Radio-Sender, Kabelnetzbereiber, Diskos, Kneipen und sogar Hersteller von Speichermedien) zahlen Lizenzgebühren an diese beiden Verwertungsgesellschaften.

latSo in etwa stellen sich das die Verleger auch vor. Denn aus deren Sicht leisten sie ähnliche Arbeit wie ein Musik- oder Filmverwerter. Man könnte sogar den Verlagen zustimmen, wenn es nicht so viele weit reichende Rechteübertragungen seitens der Freien Autoren gäbe. Wenn sie sich selbst nicht den Markt kaputt gemacht hätten. Wenn sie tolle neue Ideen im Web umsetzen würden.

Es gibt in keinem anderen Bereich des Urheberechts einen vergeichbaren Übergang von Urheberrechten an Verlage. Das besondere ist vor allem, dass ein Text nicht eine große organisatorische Leistung ist (Filmproduktion) oder die Produzententätigkeit in einem Studio, wo nicht selten aus den Songs einer Band durch das Arrangement und die Produktion ein völlig neuer Sound entsteht. Das Erstellen einer CD oder eines Filmes ist aus Sicht des Gesetzgebers eine relativ teure Investition, die deswegen und auch weil es ein Kulturgut darstellt, den besonderen Schutz genießt – den Schutz aus dem Leistungsschutzrecht.

Warum die Leistung der Verleger nicht leistungsschutzwürdig ist

Eine Website, die mit vielen Artikeln bestückt wird, stellt aus meiner Sicht nicht so ein Kulturgut dar. Das liegt zum einen daran, dass dort viele Agenturmeldungen und Nachrichten aus anderen Quellen erscheinen, die keinen Charakter der Einzigartigkeit erfüllen und somit besonders schützenswert wären. Dächte man sich das Netz ohne Online-Magazine, gäbe es ja die Quellen der Papiermedien noch immer. Insofern sind die Online-Medien eine Art Speicherung der bereits veröffentlichten oder zu veröffentlichenden Inhalte und erfüllen damit einfach die Funktion eines öffentlichen Archivs, bei dem jeweils die aktuellsten Inhalte auf der Frontseite präsentiert werden.

Vor allem dieses in der Präsentation offenbare Primat des Aktuellen gegenüber der vertieften wissenschaftlichen, künstlerischen oder anderen geistigen Einordnung von Sachverhalten zeichnet fast alle Produkte von Zeitungs- und Zeitschriftenverlegern im Netz aus. Diese mangelnde Einzigartigkeit, die darin besteht, dass man die identischen Meldungen nur in anderen Wortlauten überall lesen kann, ist auch ein Grund für eine mangelnde Schutzwürdigkeit der Onlineaktivitäten im Web. Ein Hauptgrund liegt aber darin, dass die Gewinnerzielungsabsicht nicht darin besteht, ein Kulturgut zu verkaufen, sondern diese Textarchive nutzt, um Leser zu der Werbung zu locken. Hier sind für mich schon die DVDs wo man die Werbung nicht überspringen kann fast außerhalb eines Schutzbereichs. Denn wenn der Drei-Stufen-Test für die öffentlich-rechtlichen Anstalten irgendein fiktives Analogon in der Privatwirtschaft hat, dann so, dass man den finanziellen Aufwand des Kosumenten und des Produzenten/Verwerters in eine bestimmtes Maß bringen muss. Und speichern würde der Verleger seine Inhalte sowieso. Das Präsentieren im Web ist daher kein besonderes Gut.

Das Gegenargument besteht darin, dass es durch das Internet einen Interessensausgleich geben müsse, der durch den Markt derart verschoben sei, dass das Internet die Konsumenten übervorteile. Was hat sich geändert? Die Auflagen der Zeitungen und Zeitschriften sind kontinuierlich seit 20 Jahren gesunken. Der Grund liegt darin, dass der Werbemarkt zwar nicht gewachsen ist, aber die Anzahl der Zeitungen und Zeitschriften schon in den Achtzigern rasant angewachsen ist. Erst vor kurzem kam diese Entwicklung zum Stillstand. Die Ressource Werbegeld musste nun auf mehr Magazine verteilt werden. Diese Magazine produzierten mehr Druck-, Vertriebs- und Transaktionskosten weil sie mehr einfach mehr Einheiten darstellten. Dies konnte nur zum Teil durch große Druckdienstleister wie bspw. arvato bei Bertelsmann aufgefangen werden. Dann kamen extreme Investitionen in Software und IT-Dienstleister dazu, um neue Projekte im Netz zu starten. Dort war aber von Anfang an das Interesse an Kommunikation zwischen Nutzern schon immer größer als das Konsumieren. Also wurden Inhalte kostenfrei ins Netz gestellt, in der Hoffnung, dass die Nutzer dort wenigstens Reichweiten für Werbekunden darstellen konnten. Deren Skepsis sollte durch extrem niedrige Werbepreise (TKP im Vergleich zu Printmedien war und ist oft ein Bruchteil) reduziert werden. Targeting, also das zielgenau Werben bei bestimmten Kunden und Nutzern wurde eine Domäne der Suchmaschinenanbieter, sodass die Werbegelder, die bei den Verlagen landen sollten, bei Suchmaschinen landeten.

Nun konnten – anders als auf Papier – die Suchmaschinenriesen ihre Reichweiten direkt an Werbekunden verkaufen. Die Kunden waren entzückt, denn sie zahlten nur pro Klick oder pro Kaufentscheidung. Anders als im teuren Printbereich, ist der Werbemarkt deutlich transparenter als im Print.

Die größten Gewinner erzielten die Zeitungen aber mit Kleinanzeigen und Stellenangeboten, sie waren Gewinnbringer der Zeitungen und echter Mehrwert für die Leser. Beides wird mittlerweile über Spezialanbieter im Netz digital abgewickelt (ebay, monster, stepstone).

Übrig bleiben die kostenlosen Inhalte aus den Printredaktionen, die zum Teil für das Netz angepasst werden und quasi als Zweitverwertung im Netz angeboten werden um dort wenigstens ein bißchen Werbeeinahmen zu erzielen. Spiegel Online wird nachgesagt einen dreistelligen Millionenbetrag auf diese Weise jährlich umzusetzen. Andere tun sich schwer damit ihre Printinhalte online ein zweites Mal zu Geld zu machen. Das hat einen Grund, denn über 60% der Inhalte in den meisten Zeitungen kommen aus externen Quellen. Bei einer Lokalzeitung fällt es nicht so auf, dass die Inhalte auch ein paar Kilometer weiter dieselben sind. Keiner liest alle Zeitungen aus dem Umkreis von 100 Kilometern, würde er es tun, erlebt er dasselbe wie im Netz. Sehr viele Nachrichten finden sich täglich auf Dutzenden oder gar Hunderten von Webseiten fast identisch wieder. Dies ist keine schutzwürdige Leistung. Es ist schlicht das legale Kopieren derselben Agenturmeldung.

Da aber im digitalen Umfeld eine Kopie fast identisch ist mit dem Original, liegt auch im besonderen Template-Design oder der Rubrizierung eines Online-Magazins keine schutzwürdige Leistung vor. Vor allem dann nicht, wenn man den Nutzern vorwirft, dass sie das enorme Angebot auch noch nutzen, um heute hier und morgen dort die gewünschten Inhalte zu suchen und zu finden. Alles ist fast genauso einen Klick weit entfernt.

Sowohl Hubert Burda als auch Rechtsanwalt Hegemann wollen der Öffentlichkeit Glauben machen, die bisherige Praxis des total buy out der Schauspieler und Autoren durch umfassende Übertragungen der Urheberrechte lasse die Verlage quasi nackt im Regen stehen. Das Internet hat nichts an den Vertragsverhältnissen geändert. Seit den Änderungen des Urheberrechts (1. und 2. Korb) wurde die Rechtssituation immer weiter an die Verhältnisse im Netz angepasst. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie plötzlich (nach dem 1. Korb) aus allen Himmelsrichtungen die Autorenvereinbarungen auf mich eintrudelten, die extrem auf die digitale Verbreitung und Speicherung erweitert worden waren.

Wenn Sie weiter mit unserem Hause zusammenarbeiten wollen, bitten wir Sie diese Vereinabrung unterschrieben zurückzusenden.

Im An- und Verkauf von Nutzungsrechten an Artikeln und Fotos diktieren die Presseverlage die Konditionen. Daran hat das Netz nichts geändert. Nur das Geschäftsmodell mit den Anzeigen ist eingebrochen. Und das Netz wird dafür verantwortlich gemacht.

Dabei bieten die Suchmaschinenanbieter einfach nur mehr Leistung für weniger Geld an. Und die Kleinanzeigen und Stellenanzeigen sind weg. Beides haben weder die Nutzer und Leser zu verantworten noch können sie die ausgefallenen Umsätze über so eine Zwangsabgabe ersetzen. Das ist unredlich.

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14 Kommentare

  1. Fürwahr, wohl gesprochen. Aber die Leser sind eben nur Leser und die Kunden sind eben Könige. Da wird sich wenig ändern, außer bei einigen Fachmagazinen, die diesen Wandel aber eh schon vollzogen hatten…

    Aber die Zahlen der Verlage sind glänzend. Die Exportwirtschaft boomt dank des niedrigen Euro und der extrem niedrigen Löhne im europäischen Vergleich. Wenn man Niedriglohnland ist wie Deutschland, dann kann man ja ein paar Jahre Mitarbeiter entlassen und diese dann in zwei Jahren per Zeitarbeit wieder einkaufen. Die Krisen sind ja für viele Firmen ein willkommener Anlass, mit vollem Verständnis aller Beteilgten solange zu schrumpfen, bis man fast nicht mehr produzieren kann…

  2. Wer so lange vom güldenen Türmchen plärrte ist natürlich taub, wenn es plötzlich massiv zurück schallt.

    Verleger müssen härter daran arbeiten den Endkunden als solchen wieder zu gewinnen – und diesen so zu hofieren wie man die Anzeigenkunden bisher behandelte.

  3. Wer so lange vom güldenen Türmchen plärrte ist natürlich taub, wenn es plötzlich massiv zurück schallt.

    Verleger müssen härter daran arbeiten den Endkunden als solchen wieder zu gewinnen – und diesen so zu hofieren wie man die Anzeigenkunden bisher behandelte.

    Read more: http://www.digitalpublic.de/leistungssschutzrecht-einfuhrung-schutzrechte-anfanger-verlagsschutzrecht-verlegerschutzrecht#ixzz0s3tlhWhA

  4. Aktuell verstehen das viele Verleger. Das Problem ist die Umsetzung. So weit wie die NYT ist, denken viele noch nicht mal. Aber es ist aktuell der vielversprechendste Weg. Let’s see. It is not walk in the park.

  5. IMHO sind Verleger einfach zu sehr daran gewöhnt für die “Eyeballs” der leider doch notwendigen Leser nichts zu tun.

    Alleine das digitale Mantra der “Interaktion” überfordert diese armen Publizisten seit gut 20 Jahren. Sie verstehen darunter nur den Transfer von Geld, nicht die Auseinandersetzung mit dem garstigen Endkunden.

    Wer so lange vom güldenen Türmchen plärrte ist natürlich taub, wenn es plötzlich massiv zurück schallt.

    Verleger müssen härter daran arbeiten den Endkunden als solchen wieder zu gewinnen – und diesen so zu hofieren wie man die Anzeigenkunden bisher behandelte.

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