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	<title>digitalpublic.de &#187; Die Gesellschaft</title>
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	<description>&#34;Zur ganzen Wahrheit gehören zwei - einer, der sie sagt und einer, der sie versteht.&#34;            Henry David Thoreau</description>
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		<title>Der eiserne Abhang</title>
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		<pubDate>Wed, 06 Apr 2011 17:15:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Vorname Nachname</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Flüchtling]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Nord]]></category>
		<category><![CDATA[Süd]]></category>
		<category><![CDATA[Zivilisation]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor zwei Jahrzehnten brach der eiserne Vorhang zwischen Ost und West endgültig zusammen. Damit galt und gilt das politische System des Kommunismus als falsifiziert (widerlegt). Abgesehen von einigen Staaten wie Kuba, Vietnam, Nordkorea und China halten nur noch wenige Regierungen der Ideologie des Sozialismus die Stange. Dass gerade im arabischen Raum ein anderer eiserner Widerstand fällt und die Welt sich selbst wiedervereinigt, wird offenbar.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor zwei Jahrzehnten brach der eiserne Vorhang zwischen Ost und West endgültig zusammen. Damit galt und gilt das politische System des Kommunismus als falsifiziert (widerlegt). Abgesehen von einigen Staaten wie Kuba, Vietnam, Nordkorea und China halten nur noch wenige Regierungen der Ideologie des Sozialismus die Stange.</p>
<p>Dass gerade im arabischen Raum ein anderer eiserner Widerstand fällt und die Welt sich selbst wiedervereinigt, wird offenbar. Aber zwischen der Nordhalbkugel und dem Süden gab es und gibt es einen deutlich schärferen Abgrund als bloß politische Systeme: Es ist die Zivilisation selbst, die auf der südlichen Hemisphäre in einem völlig anderem Stadium ist als im Norden. Es geht dabei um Reichtum. Es geht dabei um Kultur. Es ist aber auch eine Dimension traditioneller geographischer Vor- und Nachteile am Werk. Denn der Süden ist reich an Sonne, Bodenschätzen aber arm an Wasser, Industrie und Infrastruktur.</p>
<p>Die Diktatoren haben lange Zeit die Arbeit übernommen, die in Amerika der große Zaun auch nicht zu leisten vermag: Die Armut von den reichen Ländern fern zu halten. Es ist kein Geheimnis, dass die EU unter anderem deswegen gute Miene zum bösen Spiel einiger Potentaten gemacht hatte. Abgesehen von der möglichen oder tatsächlichen nordafrikanischen Finanzierung einiger europäischer Firmen und Machthaber&#8230;</p>
<p>Wenn nun aber der lang erwartete clash of cultures dazu führt, dass es gar nicht zu dem befürchteten Kultur oder Religionskrieg kommt &#8211; sondern schlicht zu einem Boomerang-Effekt des scheinbar liberalen Weltmarkts. Die enorm billigen 1kg-Tüten gefrorenes Hühnerklein, die den afrikanischen Markt überschwemmen und damit jegliche heimische Hühnerzüchter in die Pleite stürzten, haben natürlich Auswirkungen. Wie sonst sollten sich die enorm subventionierten Landwirtschaftsgüter aus der EU in aller Welt verbreiten als auf dem Rücken der Armut lokaler Bauern? Da das Kapital in den letzten Jahrzehnten noch stärker angestiegen ist als die Investitionsmöglichkeiten an der Börse, wälzt sich zusätzlich noch eine Welle an investitionswilligem Kapital durch die Lebensmittelspekulation.</p>
<p>Die Ernte der sogenannten Liberalisierung (wie zynisch, dass man in hoch subventionierten Branchen auch dieses Wort benutzt) wird jetzt eingefahren: Es sind Tausende, die nach Norden wollen. Und dieselben Kräfte, die jahrzehntelang die Politiker mit Phrasen bombardierten bis diese die Regulierungen aubbauten, die wollen nun hohe Hürden erreichten für diese Ernte (Einreise).</p>
<p>Man könnte der Kakophonie der liberalen Gutmenschen nun entgegenrufen, dass sie das Prinzip der korrespondierenden Röhren nicht verstehen. Aber Mechanik hilft wenig beim Verständnis der aktuellen Entwicklungen. Auch der Rückgriff auf Themen wie Religionen oder Traditionen scheint aus der Mottenkiste der Sozialwissenschaftler zu stammen.</p>
<p>Es ist die schreiende Ungerechtigkeit, die viele in den arabischen Ländern zum Aufruhr treibt. Wenn der Luxus und die Freizügigkeit des Nordens von einigen wenigen reichen Familien im eignen Land gelebt wird mit Unterstützung und Billigung durch den moralisch reinweißen Norden, dann wird die Volksseele irgendwann zum Lemming und springt über den Abgrund. Viele Leichen ergeben dann eine Brücke ins gelobte Land des Wachstums und Fortschritts &#8211; und zwar exakt zu einem Zeitpunkt, wo dieser in sich selbst zusammenfällt. An dem &#8220;Hochtechnologieland&#8221; Japan wird einmal mehr klar, woran der ewige Wachstumsgedanke scheitert: an der quartalsgeschädigten Gier und Verantwortungslosigkeit der Leute, die wir als die Crème der arbeitenden Bevölkerung mit extra viel Gehalt ausstatten. Es wird langsam auch klar, warum sie so exorbitante Summen bekommen. Es geht nicht um die Entlohnung von Leistung. Es sind Schweigegelder, die gezahlt werden, damit das Herrschaftswissen niemals beim Souverän ankommt.</p>
<p>Dies ist ein Crosspost von netzpiloten.de.</p>
 
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		<title>Tunesien, Ägypten, Jemen: Globalisierung 2.0</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Feb 2011 08:55:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Vorname Nachname</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Ägypten]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Hunger]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Experten im Internet erklären alles das, was sie gelernt haben, angesichts der Geschehnisse in Ägypten. Die Systemgläubigen erklären was von Rückkopplungen und Resonanzen, die Medienwissenschaftler wagen einen Blick in die Historie der Kommunikation, die Politiker und Soziologen liefern ihre Feldtheorien ab. Seltsam...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Experten im Internet erklären alles das, was sie gelernt haben, angesichts der Geschehnisse in Ägypten. Die Systemgläubigen erklären was von Rückkopplungen und Resonanzen, die Medienwissenschaftler wagen einen Blick in die Historie der Kommunikation, die Politiker und Soziologen liefern ihre Feldtheorien ab. Seltsam. Vor gar nicht allzu langer Zeit gab es allüberall das globale Wetterphänomen LA NINA in den Expertisen. Da wurde die Hungerkatastrophe 2010 mit einer unheiligen Allianz aus Wetterkapriolen und dem flottierenden schnell wachsenden Kapital erklärt. Denn das Kapital der Reichen und Superreichen ist seit den letzten Jahren immer stärker und schneller gewachsen. Und in seinem stetigen Hunger auf lukrative Investments beteiligen sich jetzt sogar Steffi und Peter vom Nachbarhaus mit schicken Fonds am Boom der wachsenden Reis- und Getreidepreise. Da wurde dann prophezeit, dass es bald zu Unruhen kommen würde in den Ländern, die eine Stufe unter den sogenannten Schwellenländern liegen. Denn wer 2 Dollar am Tag zum Leben hat, der kann sich solche Preise für das Überleben auf Dauer nicht leisten. Dann kam der Schnee und die Hungerprobleme waren passé.</p>
<p>Zum großen Teil befinden sich diese dritte Welt und unsere erste Welt in direkter Nachbarschaft in den Ländern des südlichen und östlichen Mittelmeeres. Vor allem dort, wo der Tourismus die Devisen und den westlichen Lebensstil bringt. In Tunesien waren alle Uhren auf die Moderne gestellt &#8211; an der Küste und in den großen Städten. Dort werden auch die Leute in modernen Berufen ausgebildet. Aber im Hinterland gibt es gar keine Nachfrage nach diesen Arbeitskräften, weil es keine Binnennachfrage für die Produkte und Dienstleistungen gab und gibt, die sie hätten liefern können. Die Familie der ehemaligen Präsidentengattin Leila Ben-Ali hatte ja nicht einfach 1,5 Tonnen Gold ins Ausland geschafft, sondern wie so oft in den Ländern in denen beide Welten aufeinandertreffen, beherrschen nur wenig Clans wie ihre Familie die wenigen lukrativen Geschäfte, die die globalen Konzerne für die Einheimischen übrig lassen. Der Despotismus hat sozusagen eine Menge Mentoren bzw. Mäzene.</p>
<p>Auch in Ägypten (<a target="_blank" href="http://www.guardian.co.uk/world/2011/feb/04/hosni-mubarak-family-fortune" rel="nofollow"  target="_blank">Familie Mubarak</a>) ist das so. Es ist daher im schlechtesten Sinne konsequent und unausweichlich, dass eine derart undurchlässige und ungerechte Verteilung der Milchtöpfe auf wenige Tische viel Repression und Entwürdigung zur Folge hat. Denn es geht ja nicht mehr um Chancen durch Bildung oder Wissen, sondern um Familienzugehörigkeit, also ein feudales Gesellschaftssystem, bei dem die Polizei und das Militär oft die Rolle der Ritterkaste einnimmt. Nur dass die Familienbande der Potentaten ein Stockwerk darüber früher Blut war und heute freies Kapital ist&#8230;</p>
<p>Denn in der obersten Kaste sind die jeweils die globalisierten Konzerne, die aufgrund von multinationaler Einflußnahme durch die Großmächte bis in die kleinsten Regionen einzelner Staaten hinein entscheiden können. Lokal agierende Fürsten werden nur durch die Gnade (und die Militärhilfe dieser Großmächte) überleben. Wer sich gegen dieses Diktat sträubt, wird isoliert und kann das nur bei ausreichend eigenem Manna durchhalten (Iran, Libyen). Der Begriff der Verflechtung der Märkte (und der Datenkanäle) kommt gerne ins Spiel bei der Diskussion der Globalisierung. Dabei wird selten darauf geachtet, wer die Netz geflochten hat. Seien es amerikanische Militärbehörden wie im Fall des Internet oder die East India Company als erster multinationaler Konzern moderner Bauart aka Kolonialismus. Da ist nicht alles schlecht, aber es wird so viel aktiv Gutes für sehr wenige Teilnehmer getan und fast nichts für den Rest.</p>
<p>Der globalisierte Warenhandel stieg zwischen 1950 und dem Jahr 2007 auf das Dreißigfache, während die statistisch dokumentierte Produktion von Gütern sich nur auf das Achtfache vergrößerte. Das Investitionsvolumen stieg im selben Zeitraum von gut 10 Milliarden um mehr als das Hundertfache. Wieso ist es dazu gekommen? Wenige Menschen in allen Ländern der Erde verdienen ihr Geld nicht mit Arbeit sondern durch Investition der ererbten Reichtümer. Durch die enormen Produktivitästeigerungen durch die Mechanisierung, Elektrifizierung und dann die Digitalsierung ist das Vermögen im Verhältnis zu den Löhnen exorbitant angestiegen. Dieser Zuwachs hat dann Grenzen, wenn Ressourcen und neue Märkte fehlen, in die bzw. mit denen die mit Kapital vollgepumpten Firmen expandieren können.</p>
<p>Die Finanzverwalter haben ein großes Interesse am schnellen Wachstum der Branchen, weil sie sowohl an den Krediten, den Investitionen wie auch an den anschwellenden Sparkonten der Arbeiter und Angestellten kräftig verdienen. Seit dem Internet ist das Kapital derart liquide geworden, dass Transaktionen nicht mehr als Investition in Firmen oder Branchen dienen sondern die Transaktionen selbst zu Produkten wurden. Das Karussell drehte sich vor der Finanzkrise so schnell &#8211; und tut es jetzt wieder, dass viele Vermögensverwalter große Mengen Geldes mit realen Werten absichern müssen. Aber die jährliche weltweite Produktion steht in keinem Verhältnis mehr zu den bewegten Summen. Also musste etwas anderes Konkretes her: Rohstoffe und Lebensmittel.</p>
<p>Die Tatsache, dass Mubarak, Ben-Ali und Dutzende andere Potentaten die Märkte ihrer Länder sicherten, hatte zur Kehrseite, dass im Hintergrund die unterste Stelle der postmodernen feudalen Gesellschaftsordnung strukturell zerfetzt wurde. Das moderne Internet als schnellstes Kommunikationsmittel wurde von Menschen genutzt, die darüber nichts Offenes Sagen durften ohne Angst zu haben. Jeder Obstkarren war praktisch Gold wert, da Lebensmittelverkauf immer lukrativer wurde. Und so hatte die Globalisierung nach dem König Midas Prinzip alles in Gold verwandelt &#8211; außer der täglich notwendigen Portion Reis und Brot, außer dem Sich-Aufregen über die Verhältnisse, außer dem Blick auf das Leben der wohlhabenden Urlauber, außer dem einzig verbleibenden Rückzugsgebiet für eine würdevolle Kulturidentität: der Religion. Alles, was einem Menschen noch bleiben könnte, wurde dem Altar der steigenden Kapitalerträge geopfert. Und je reicher die Reichen werden, desto schmaler und abgründiger werden die Wege auf denen überhaupt noch Gewinnspannen für das normale Volk übrig bleiben.</p>
<p>Erst wenn Ihr den letzten Marktplatz in der hintersten Region der Welt mit euren Ertragswünschen unterworfen habt, werdet Ihr feststellen, dass diejenigen, die es erwirtschaften sollen, keine Kraft mehr dazu haben, weil sie ausgequetscht und gedemütigt wurden bis sie ihr letztes kleines Lädchen einem globalisierten System angepasst hatten. Diejenigen, die das Netz zum Heilsbringer ausrufen, haben Recht damit, dass es vielen Menschen eine Stimme gibt. Es gibt aber auch denjenigen eine Struktur, die Kontrolle über die Märkte brauchen. Und an dieser Stelle wurde noch nicht von Teilhabe, Umwelt, Kultur (Pflege) und Gegenseitigkeit (sozial) gesprochen&#8230;</p>
<p>Globalisierung 2.0 ist es nun, wenn die atemberaubend schnelle Vernetzung der Welt, die den Finanmärkten himmlische Gewinne erlaubt, den Menschen in der ersten Welt erlaubt, direkt zuzusehen, auf welchen Beinen ihr Reichtum entsteht. Und diejenigen Journalisten, die das ganze Geschehen fassungslos beobachten, die Gier nach neuen Unruhen kaum noch begfriedigen wollen, die sind die Dummen. Denn sie erklären ihren Lesern nicht, dass das Opferlamm sich erhoben hat. Sie wiegen die Beifall klatschenden Verursacher in Unschuld. Und so kann der Lehrer am Montagmorgen nach der Anne Will Sendung ein paar Tausend Euro seiner Bank übergeben, damit die mal in den lukrativen Rohstoffmärkten mehr Gewinn einfahren als die läppischen 2,5 Prozent vom Festgeldkonto bei der türkischen Bank. Denn jetzt weiß durch das schnelle Internet auch der letzte Bürger bei uns, wie das geht mit dem schnellen Geld und wer die Ferraris, Porsches und Bentleys in Wahrheit erwirtschaftet.</p>
<p>Es ist unvorstellbar, dass die Ägypter trotz Internetabschaltung sich zusammen gefunden haben. Oder war es gerade <a target="_blank" href="http://www.motherboard.tv/2011/2/3/expulsion-and-explosion-how-leaving-the-internet-fueled-our-revolution" rel="nofollow"  target="_blank">deshalb</a>? Oder ist das Thema Web eher Katalysator? Oder gibt es überhaupt noch eine Globalisierungsreaktion trotz oder durch das Web? Oder verstellt das Digitale gerade vielen Leuten den Blick auf das Wesentliche und propfen diese Emanzipationsbewegung einfach mal wieder ihr eigenes Thema auf? So wie die Leute, die gerade ein tolles Buch lesen und bei jedem passenden und unpassenden Thema Thesen daraus zum Besten geben&#8230;</p>
<p>Mohammed Bouazizi, ein 26igjähriger Tunesier verkaufte Obst ohne offizielle Genehmigung, weil er nach seinem Studium keinen anderen Job finden konnte. Als Polizisten sein Obst beschlagnahmten, protestierte er: Er zündete sich eine Woche vor Weihnachten selbst an und verstarb. Aus diesem Anlaß erhob sich die tunesische Revolution &#8211; ohne organisierte Gruppen. Hier könnten nun die klugen Experten etwas über Schwarmintelligenz, das Lieblingsbuzzword des Jahre 2009 schreiben. Aber offenbar hält man in den Kreisen der professionellen Erklärer Emanzipation nicht für eine intelligente Handlung, zumindest nicht so intelligent wie das Verfassen eines gemeinsamen Dokuments oder das Taggen von Artikeln. Es wird Zeit, dass die Kaste der Berater, Erklärer und Journalisten mal ein bißchen Schwarmintelligenz für das eigene Überleben einsetzt. Kann sein, dass sie noch eher an Relevanz verlieren als die Verlage. Wann hat eigentlich ein Qualitätsjournalist für ein Qualitätsmedium in den letzten zwei Jahren über die Zustände in Tunesien, Jemen, Ägypten&#8230; berichtet? Darauf wird der Professor für Qualitätsjournalismus sicher eine Antwort haben &#8211; oder das Leistungsschutzrecht, das ja darauf basiert, dass keiner außer den Qualitästmedien für eine umfassende und gesicherte Meinungsbildung Sorge tragen kann.</p>
<p>Es ist übrigens sehr wohl möglich, dass sich hinter den Kulissen trotz neuer Demokratiebewegungen im Kern gar nichts ändern wird. Es gibt nämlich eine &#8220;Kaste&#8221;, die sehr von demokratischen Verhältnissen profitiert. Der geneigte Leser wird schon wissen, wen ich hier im Auge habe.</p>
<p>Mehr dazu auf dem <a target="_blank" href="http://weltsozialforum.org/" rel="nofollow"  target="_blank">WeltSozialForum</a>.</p>
<p>Dies ist ein Crosspost von <a target="_blank" href="http://www.netzpiloten.de/2011/02/07/agypten-maghreb-globalisierung-2-0/" rel="nofollow"  target="_blank">netzpiloten.de</a>.</p>
 
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		<title>Startbahn Mitte #s21</title>
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		<pubDate>Wed, 06 Oct 2010 16:10:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Vorname Nachname</dc:creator>
				<category><![CDATA[Der Markt]]></category>
		<category><![CDATA[Die Gesellschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[In Stuttgart hat man sie sozusagen volles Rohr... getroffen. Die Mitte: Schüler, Rentner, CDU-Wähler, ein paar verirrte und ewiggestrige Müslifresser und eben eine große Menge ganz normaler Bürger der Schwäbischen Metropole. Nicht lachen. Wenn es keine Metropole wäre, würde man ja keine Paris-Budapest-Magistrale dadurch bauen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.digitalpublic.de/wp-content/uploads/2010/10/cymaphore.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-2611" title="cymaphore" src="http://www.digitalpublic.de/wp-content/uploads/2010/10/cymaphore.jpg" alt="" width="240" height="135" /></a>Jetzt ist es passiert. Viele Politiker erleben am Beispiel  Stuttgarter Hauptbahnhof (S21) zum allerersten Mal live und in Farbe,  wie Demokratie funktioniert. Das Volk versucht zu herrschen und die  Volksvertreter belehren das Volk darüber, wie die wahren Verhältnisse  sind. Denn die Mitglieder des Volkes sind verwöhnt, gewaltbereit,  unanständig, uneinsichtig, verbohrt und grundsätzlich diffamierend all  jenen gegenüber, die anderer Meinung sind.</p>
<p>Genau deswegen hat sich auch das verbohrte Volk gegen die Eingaben  der Politiker durchgesetzt, dass die AKW-Betreiber einen Teil der  Staatsschulden bezahlen müssen, wenn sie weiterhin marode Atommeiler  betreiben wollen. Genau deswegen hat das gewaltbereite Volk auch gegen  unzählige Demos der Politiker den Einsatz in Afghanistan von einem  humanen zu einem militärischen Einsatz umgewidmet. Und deshalb werden  auch vom uneinsichtigen Volk gegen den Willen der rechtschaffenen  Politiker Hunderte Milliarden Steuergelder in öffentliche Banken  gepumpt, damit deren Gläubiger ihr Geld wieder bekommen.</p>
<p>Und deshalb wird ein großer Teil der Milliarden, die der Staat für  den Ausbau des bundesdeutschen Schienennetzes bereithält in den Ausbau  des Stuttgarter Bahnhofs fließen. Wer will schon, dass die großen  bestehenden Strecken gewartet werden, die aktuell unter den Jahren der  Ignoranz und der Belastung ächzen.</p>
<p>So könnte man anfangen. Aber in Wirklichkeit geht es noch nicht mal  um den Skandal, dass wenig fachlich Begründetes für diese  St.-Florians-Begießung in Stuttgart spricht. Es geht um die Mitte&#8230;</p>
<p>Seit der große Hannoveraner und fast alkoholkranke Verfechter der  lupenreinen Demokratie seine Partei in die Mitte der Gesellschaft  führte, war die CDU/CSU in Duldungsstarre. Als er dann zufällig in einen  bequemen russischen Posten verklappt war, besann man sich dieser  bürgerlichen Mitte und klebte fürderhin das Copyright-C der CDU an den  Begriff der Mitte©. Die wollte man adressieren.</p>
<p>In Stuttgart hat man sie sozusagen volles Rohr&#8230; getroffen. Schüler,  Rentner, CDU-Wähler, ein paar verirrte und ewiggestrige Müslifresser  und eben eine große Menge ganz normaler Bürger der Schwäbischen  Metropole. Nicht lachen. Wenn es keine Metropole wäre, würde man ja  keine Paris-Budapest-Magistrale dadurch bauen.</p>
<p>Da man verdiente polizeiliche Demonstrationsprofis aus den  angrenzende Nachbarbundesländern samt Weihwasserwerfer eingeworben  hatte, führten die sich auf wie Söldner das eben so tun. Man kann  spekulieren, ob das Zufall, Kalkül oder klare Strategie war. Angesichts  der wachsenden Kosten, die für S21 budgetiert werden, muss man davon  ausgehen, dass die Expertise so gering ist, dass primäre Kenndaten wie  Kosten oder eben das Verhalten der Polizisten nur geschätzt werden  können von der Obrigkeit, da man ja nie genau wissen kann, wie das was  man plant eigentlich überhaupt passieren kann. Deshlab hat man ja diese  vielen hocbezahlten Berater, Finanzplaner, Strategieorganistoren und  Durchführungsexperten: Damit man später, wenn das Unausprechliche  eingetreten ist, mit dem Finger auf sie zeigen kann.</p>
<p>In der Welt der Berufsdemokraten, also der gewählten Politiker, nennt man dies Teilhabe an der Macht.</p>
<p>Und die Bevölkerung soll sich nicht noch einmal dabei erwischen  lassen, dass sie Entscheidungen beeinflussen will. Denn Macht ist laut  Joschka Fischer, dem großen jovialen Demokraten und liebevollen  Gutmenschen, das Treffen von harten Entscheidungen, die auch mal gegen  einen selbst gerichtet sein können.</p>
<p>Liebe Stuttgarter, ihr versteht das zwar nicht, aber die CDU will die  Mitte treffen. Das ist eine parteipolitische Strategie. Und wenn man  dabei mal hart gegen sich selbst ist, also gegen das Volk, dann ist das  einfach eine unausweichliche Nebenwirkung der Macht, die ihr den  Politikern verleiht. Nehmt das nicht persönlich, das ist wie mit den  Pillen der Pharmaindustrie: Eine Pille ohne Nebenwirkungen ist ein  Placebo. Nur bittere Medizin hilft auch. Wenn ihr die Politiker endlich  ernst nehmt, dann werdet ihr das auch verstehen. Ihr müsst Euch  verletzten lassen, damit ihr geheilt werdet von der  Wohlstandsverwöhnung. Schaut mal, die Finanzkrise hat euch in Gestalt  der Banken schon ganz viel von dem schädlichen Wohlstand weggenommen.  Und die Deutsche Bahn nimmt Euch auch einen großen Teil von der Last  weg. Dass dabei Eure Bürgerrechte und die alten Bäume im Schlosspark mit  Reizgas, Füßen und Worten getreten werden ist Teil der Heilung.  Effektiver wäre es, einfach die Mehrwertsteuer auf 50% zu erhöhen und  alle übrigen Steuerentlastungen zu kürzen. Aber das kommt dann auch  noch. Wenn der Bundestag aus 6.000 Abgeordneten besteht und die  Landesadministrationen auf dieselbe Größe wie die Diakonie und die  Caritas aufgebläht worden sind. Erst wenn der letzte Bürger verarmt,  wenn der letzte Taler für Polizeimaßnahmen ausgegeben und die letzte  Abgabe in der 1001. Entschuldung der Deutschen Bahn verschwunden ist,  werdet ihr merken, dass der Ölpreis bei 4 Euro liegt. Und dann haben all  wieder einen gemeinsamen Feind, den bösen Ausländer, der sich am Öl,  Gas, Gold, Diamanten, Silber, Erz, XYZ bereichert!</p>
<p>Ach ja, nach der Startbahn West kamen dann die Grünen erstmals in die Regierung in Hessen. Nur mal so als Hinweis, welche Partei den nächsten Bundeskanzler stellen könnte, nachdem die Grünen stärkste Kraft in BaWü geworden sein werden.</p>
<p>Bildnachweis: <a target="_blank" href="http://www.flickr.com/photos/cymaphore/" rel="nofollow"  target="_blank">cymaphore</a></p>
<p>Crosspost von netzpiloten.de</p>
 
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		<title>Medien als Geiseln</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Sep 2010 08:09:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Vorname Nachname</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Gesellschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer die letzten Tage eine Zeitung aufgeschlagen hat oder den Fernseher abends einschaltete kam nicht umhin, an das Stockholmsyndrom zu denken. Da war ein Mann zu sehen oder zu lesen, der kostenlos mit aufwendig abgezirkelten Stammtischparolen für ein Machwerk werben konnte, das weder inhaltlich noch methodisch Innovatives zur gesellschaftlichen Diskussion beitragen kann...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a target="_blank" href="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2010/09/canetti.jpg" rel="nofollow" ><img class="alignright" title="canetti" src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2010/09/canetti.jpg" alt="Canetti" width="112" height="160" /></a>&#8220;<em>Lieber eine sichere Kirche voll von Gläubigen als die unsichere ganze Welt.</em>“ Elias Canetti</p>
<p>Wer die letzten Tage eine Zeitung aufgeschlagen hat oder den  Fernseher abends einschaltete kam nicht umhin, an das Stockholmsyndrom  zu denken. Da war ein Mann zu sehen oder zu lesen, der kostenlos mit  aufwendig abgezirkelten Stammtischparolen für ein Machwerk werben  konnte, das weder inhaltlich noch methodisch Innovatives zur  gesellschaftlichen Diskussion beitragen kann. Und die Geiseln hatten ein  wirkliches Interesse an den unlauteren Motiven des Geiselnehmers &#8211; sie  waren fast versucht, etwas zutiefst Menschliches in ihm zu finden. Fast  wie der schwarze Ring, der brandneue Verein der philantropischen  Täterschützer.</p>
<p>Man könnte an die alten Interessensgruppen denken, die Ressentiments  schüren wollen, um von ihren Geschäften abzulenken, man könnte auch an  die hochnotpeinliche Bewegung der heiligen Inquisition denken, die im  Gewand des ewigen Bürgerlichen auf der Suche nach der Mitte den Einen  oder Anderen auf den Scheiterhaufen der traditionellen Presseerzeugnisse  stellt. Alles was im Wandel begriffen ist, muss ja dort sowieso schon  seit Jahrzehnten immer wieder mit mental fragwürdigen  Brandbeschleunigern zum Lodern gebracht werden&#8230;</p>
<p>Das Schlimmste an dieser ganzen Misere ist die Indienstnahme aller  (Qualitäts)Medien zum Zwecke der Profilneurose. Der arme Mann ist  offensichtlich verwirrt. Seine Thesen sind in keiner Weise aus dem  Zettelkasten der souveränen Gedankentätigkeit erwachsene Bonmots oder  gar luzide Hinweise auf übersehene Gegebenheiten, die der aktuellen  Debatte über den demografischen Wandel, das besondere urbane Leben oder  die kulturtheoretischen Metabetrachtungen einen besonderen Spin oder  etwa ein neue Perspektive liefern. Es ist eine lustige Verhohnepipelung  statistischer Analyseverfahren zum Zwecke der fadenscheinigen  Substantiierung kruder Meinungen. Damit schafft er Sicherheit in  amorphen Zeiten. Funktioniert unabhängiger Qualitätsjournalismus eigentlich immer so, dass <em>Bild </em>und <em>Spiegel</em> Texte aus Dingsbums-Büchern nur dann vorab publizieren dürfen, wenn sie ihre journalistische Filterfunktion vorher an der Garderobe einer Vertragsstrafe abgeben, die ihnen 50.ooo EUR aufbrummt, falls sie irgendwas an den Texten vorab kritisieren, wie Oberjournalist Reitz von der WAZ das freundlicherweise auch dem letzten Qualitätsjournalisten in Hamburg ins Stammbuch schrieb? Rezensionen, wer braucht die schon &#8211; in Hamburg jedenfalls keiner. Man könnte ein Schelm werden, würde man Böses über Spiegel und Bild denken. Aber man kann sich sicher sein, dass beide Publikationsorgane und deren Vertreter sich derart offensichtlich als käuflich erwiesen haben, dass eine ernsthafte Würdigung weiterer Beiträge aus dieser Ecke zum Thema Qualitätsjournalismus sich fürderhin erübrigen. Danke für dieses konkrete Beispiel von verwesender Notwendigkeit für die öffentlichen Meinungsbildung. Ein Exhumierung der vierten Gewalt erscheint derzeit unnötig.</p>
<p>Es ist sicher so, dass viele Menschen sich freuen, dass ihre eigenen  Projektionen alias Ängste endlich von einem Outlaw der Politikszene  inszeniert werden. Mit seinem Sprachtick, also, und der offensichtlich,  also, vom Anerkennungszwang geschundenen Seele, also, erscheint er so  unangreifbar, dass man ihm, dem krakeelenden Kranken, eigentlich nichts  krumm nehmen dürfte. Wer wollte schon auf einem seelisch  Beeinträchtigten rumtrampeln? Aber er sublimiert seine Phobien  öffentlich zu einem Bestseller. Respekt, oder?</p>
<p>Aber an genau dieser Stelle versagen fast alle Medien. Denn ganz wie  das Rezept der Bildzeitung funktioniert auch diese Simulation eines  öffentlichen Diskurses. Es wird einfach eine strategische Projektion  vorgenommen: Man schaut dem Volk aufs Maul (oder tut zumindest so) und  erklärt der Bevölkerung seine ganzen Phobien als rational begründetes  Verhalten in einer irren Welt. Dass die Mehrfachbelastung, die enorm  niedrige Kaufkraft der Löhne und der Leistungsdruck die Menschen  zermürbt, steht zu keiner Zeit zur Debatte. Dass es am einfachsten ist,  die Schwächsten einer Gesellschaft mit den Projektionen der ubiquitären  Ängsten der Mittelschicht zu belästigen, ist Journalisten auch nicht  eingefallen. Also bläst man in das Horn, das Sarrazin den Herren und  Damen Qualitäts-Informationsfiltern hinstellt. Damit stellt man dann  eine kognitive Konsonanz im Volk her. Und mit der ewig schmerzenden  Dissonanz mit dem rationalen aufgeklärten Umfeld der rhetorisch  geschulten und souveränen Journalisten, Lehrer, Politiker und anderen  Menschen des öffentlichen Lebens ist es vorbei. Der Mob wird zum  thinktank.</p>
<p>Irgendeine Angst ist fast immer da (wovon sonst leben  die Versicherungen), wenn sogar die Medien das sagen, dann muss die  Angst von dem Fremden an sich her kommen. Wie sollte sie auch von den  inneren Antrieben herkommen, die man aus Gründen der sozialen Masken  jahrelang verdrängt hat? Das innnere Kind, der Freiheitswille, der  Wunsch aus dem Alltagstrott ausbzubrechen, der stille Haß auf den  Ehepartner, die Unlust am Job &#8211; für all das müssen jetzt die Fremden  gerade stehen.</p>
<p>Endlich sagt mal einer, wie es wirklich ist. Und an genau dieser  Stelle zerfällt das gesamte Kartenhaus des herrschaftsfreien Diskurses  von Herrn Habermas. Denn das Caféhaus ist aufgeklärt und spiegelt sich  nur seine Sattheit auf dem Boden der hart arbeitenden Malocher. Wenn  aber Einer diese heiligen Räume betritt und deren Ängste in ein  rationales Kleid einnäht mithilfe der Statistik, die aus Blut und  Scheiße Wahrheit zaubern kann, dann ist der Diskurs auf einmal zu einer  Satire seiner selbst verkommen. Denn die Grundlage der  Herrschaftsfreiheit lag in einem unausgesprochenen, kaum Egalitarismus  der Bildungsbürger untereinander, einer mentalen Apartheid qua  Schulbildung. Dieser Zwang liegt nicht auf so einem Herrn. Er ist  vogelfrei, und er weiß das. Deshalb schürt er die sowieso vorhanden  Ressentiments, die auf der Basis von Unterlassung gedeihen konnten.  Unterlassung in den Schulen, in den Amtsstuben, in den Personalbüros, in  den Vereinen, in den Parteien und in der Regierungsarbeit ganzer  Dekaden von Politikern.</p>
<p>Wer das verstehen will, der möge sich noch einmal Elias Canettis Hauptwerk &#8220;Masse und Macht&#8221; aufmerksam ansehen.</p>
<p>Crosspost von netzpiloten.de</p>
 
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		<title>Digitale Bohème wird Proletariat?</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Jul 2010 15:33:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Vorname Nachname</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es ist mal wieder soweit. Das Heer der mehr oder weniger freien Arbeiterbienen, die in und um das Netz ihr Geld verdienen, erfährt eine neue Attribution. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a target="_blank" href="http://www.digitalpublic.de/wp-content/uploads/2010/07/schiffbruch.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-2595" title="schiffbruch" src="http://www.digitalpublic.de/wp-content/uploads/2010/07/schiffbruch.jpg" alt="" width="352" height="336" /></a>Es ist mal wieder soweit (<a href="http://carta.info/30488/die-industrielle-revolution-teil-2-das-digitale-fliessband/" rel="nofollow" >carta.info</a>).  Das Heer der mehr oder weniger freien Arbeiterbienen, die in und um das  Netz ihr Geld verdienen, erfährt eine neue Attribution. Jetzt werden  sie durch crowdsourcing-Firmen wie <a target="_blank" href="http://www.clickworker.com/" rel="nofollow" >clickworker.com</a> oder <a target="_blank" href="http://www.demandmedia.com/" rel="nofollow" >Demand Media</a> zu  Fließbandarbeitern gestempelt. Und weil heutzutage die Substanz aller  Analogien in wikipedia haust, nimmt man von dort auch gleich noch Fords  Fließband als Urahn des scientific management in Gewahrsam. Denn bei  beiden Anbietern erstellt das fleißige Volk der Texter und Designer  Abertausende an Gebrauchstexten, Artikeln, Übersetzungen und  Ratgeberbeiträgen.</p>
<p>Das mag aus der Sicht von jemandem, der seine Auftraggeber bei den  finanzstarken, parteiunterwanderten öffentlich-rechtlichen Zwangsmedien  weiß, ein legitimes Herabschauen auf die Niederungen mediokrer  Geschäftsmodelle sein. Zu recht wird auf diese Weise die digitale bohème  auf den rechten Platz auf der Hühnerleiter der Arbeitsbienen verwiesen.  Aber ist es inhaltlich in irgendeiner Weise eine neuartige Erkenntnis?  Der Taylorismus als Extremform der entfremdeten Arbeit ist ja nicht  dadurch besonders hervorzuheben, dass ihm Leute freiwillig anheim  fallen. Die engen Vorgaben in Zeit und Umfang sind hier weniger  charakteristisch – eigentlich sogar eher abwesend, “one best way” ist  daher eher zu negieren. Das Zerlegen eines Prozesses in extrem  fragmentierte Einzelschritte passiert gerade nicht, weil möglichst viele  Schritte direkt in die Verantwortung der freiberuflich arbeitenden  Arbeitsbiene verlegt werden. Und zuguterletzt: Die demokratiefeindliche  Art der Vereinzelung der Arbeiter haben diese sich selbst ausgesucht und  bevorzugen offenbar das anonyme Arbeitsumfeld im Web. Und die  Disponibilität der einzelnen Arbeitskräfte ist eher deren freiem Willen  als dem digitalen Fließband geschuldet…</p>
<p>Möchte man also auf solche prekären Arbeitsverhältnisse aus der  Premium-Sicht eines Auftragnehmers monopolistischer Content-Anbieter  herabsehen, dann würde sich die Perspektive eines konstruktiven Blicks  in  die Zukunft anbieten. Das Gegenteil ist der Fall: Allein die  Tatsache, dass Endert uns die Interpretation anbietet, dass eine zweite  stählerne Zeit heraufdämmert, in der nicht Stahl sondern Contentbarone  ihre Villa Hügel errichten, könnte schon sehr viel früher ihren Anfang  genommen haben. Genau genommen beschreibt Endert damit eigentlich eine  Content-Produktion, die mit dem Web im Untergehen begriffen sein könnte  und deren Blütezeit mit Namen wie Mohn, Burda und Springer beschrieben  wäre. Dass sich nun die oben benannten Anbieter anschicken, diesem alten  Content-Adel Tausende entlassener Contentbienen quasi artikelweise zu  vermieten, erinnert auch eher an die Dämmerung der Leiharbeitsfirmen und  weniger an den alten Ford, der seinen Fließbandarbeitern damals  ungeheuer hohe Löhne zahlte.</p>
<p>Es könnte einem so vorkommen, als wenn die neue Arbeiterschaft  einfach aller sozialer Errungenschaften beraubt sei und dies auch noch  als Freiheit empfände. Die demokratische Potenz des Netzes könnte sich  also gar nicht entfalten, weil allein die Abwesenheit der Stechuhr und  der Besitz an den Produktionsmaschinen die digitale bohème dazu  verleitet, einer Simulation von Selbstbestimmung zu erliegen, die durch  freie Meinungsäußerung ein derart dröhnende Kakophonie inflationiert,  dass die Nachfrager sich wieder dem überschaubaren Angebot der wenigen  Contentbarone zuwenden.<br />
Warum nun aber immer noch alle glauben, dass  das Kapital keiner normativen Setzung unterliegen soll, bleibt genauso  unklar wie eine noch immer ausbleibende Begründung des ökonomistischen  Weltbildes. Es scheint, dass die Grundlage des Gehorsams naturrechtlich  anerkannt wird, als wäre das Kapital und seine torkelnde Willkür einfach  eine Art Naturgewalt. Dieser zivilisatorische Offenbarungseid ist aber  mitnichten den Textern und freien Journalisten anzulasten. Es ist ein  Schiffbruch der gesamten Sozial- und Geisteswissenschaft des  Webzeitalters.</p>
<p>Bildnachweis: <a target="_blank" href="http://www.morguefile.com/creative/western4uk" rel="nofollow" >western4uk</a></p>
<p>Crosspost von netzpiloten.de</p>
<p><a target="_blank" href="http://www.morguefile.com/creative/western4uk"><br />
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