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	<title>digitalpublic.de &#187; Die Medien</title>
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	<description>&#34;Zur ganzen Wahrheit gehören zwei - einer, der sie sagt und einer, der sie versteht.&#34;            Henry David Thoreau</description>
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		<title>Verlage: Erfolg im Web?</title>
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		<pubDate>Wed, 19 Jan 2011 10:58:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Vorname Nachname</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Medien]]></category>
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		<description><![CDATA[Mancher erinnert sich an den Springer-Chef Döpfner, der sich vor Steve Jobs verbeugte, weil er glauben wollte, dass das iPad den Verlagen die schwere Arbeit abnehmen würde, im Web lukrative Geschäftsmodelle zu entwickeln. Aber das klappte nicht...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In dem facebook-Film The Social Network verlässt Mark Zuckerbergs Freundin ihn mit den folgenden Worten:</p>
<blockquote><p>    “You are probably going to be a very successful computer person. But you’re going to go through life thinking that girls don’t like you because you’re a nerd. And I want you to know, from the bottom of my heart, that won’t be true. It’ll be because you’re an asshole.”</p></blockquote>
<p>Jeder der schon mal in einer Firma gearbeitet hat, die etwas größer ist, der hat eine Erfahrung gemacht: Viele Menschen setzen jeden Morgen eine grüne Maske auf und starten in den Tag mit dem Vorhaben, mindestens einen Schritt in Richtung Chefposition zu machen. Manche gründen eigene Firmen mit viel Herzblut und/oder dem festen Willen der intensiven Ausbeutung eigener und anderer Ressourcen, andere erklimmen die Karriereleiter langsam und mit viel Gehorsam und Geduld im Rucksack. Nicht selten erkennen sie nicht, dass eine gehörige Portion Glück nötig ist für den steilen Weg zum Arschloch. Es gibt auch welche, die dieselben Ziele erreichen, ohne so zu werden. Präziser müsste man sagen, sie waren nie so und wurden es auch nicht durch den Ehrgeiz. Das mag mehrere Gründe haben. Die Startbedingungen sind oft sehr unterschiedlich. Der Hass und der Neid auf andere ist bei den Menschen verschieden ausgeprägt. Aber am wichtigsten ist die prognostische Fähigkeit und der Glaube an sich selbst.</p>
<p>Mancher erinnert sich an den Springer-Chef Döpfner, der sich vor Steve Jobs verbeugte, weil er glauben wollte, dass das iPad den Verlagen die schwere Arbeit abnehmen würde, im Web lukrative Geschäftsmodelle zu entwickeln. Aber das klappte nicht. Einzig facebook ist aktuell in der Lage, Google ein wenig vom Werbekuchen abzuluchsen &#8211; auch in den USA haben einige ihre Hausaufgaben gemacht und verdienen Geld im Web. Mit Blick auf Spiegel Online und bild.de erkennen die Verlage hier, dass es wie immer um Reichweite gehen muss. Den Rest will man mit Apps bei Apple verdienen. Nur verdient einzig Apple in der Apple-Welt. Die Verlage könnten also merken, dass es nicht so schlau ist, jede einzelne Website als App zu verkaufen; es sei denn man hätte einen großen Brand, gutes Design, preisgekrönte User Interfaces und findige Marketingleute. Es dämmert die Idee, dass die &#8220;doofen Open Source Freaks&#8221; mit dem Begriff &#8220;closed world&#8221; irgendwie den Nerv getroffen hatten. Konsequenzen hat diese Vorstufe einer Erkenntnis nicht&#8230;</p>
<p>Denn wer sich in Deutschland bei Verlagen umsieht, der bekommt die Kehrseite der Arschloch-Karrriereleiter zu spüren. Die Entscheider entscheiden nur, was die Altvorderen in der Geschäftsleitung und im Aufsichtsrat gut finden würden (Zeitungsseiten hinter Glas). Auf diese Weise kommen Zeitungen mehr oder weniger 1:1 ins Web und der Rest ist MeToo. Man setzt mal eine Community auf mit einem teuren Tool, lädt dort ein paar Werkstudenten ab und stellt nach 5 Monaten fest, dass die Reichweite nicht für die Anzeigenleitung reicht. Also wird alles wieder abgewickelt. Erinnert sich noch jemand an nachrichten.de? Nein.</p>
<p>Das Heil wird auch nicht eintreten, wenn man den selbst ernannten Experten glauben schenkt, denen auch nichts Besseres einfällt als bisher unbekannte Ideen aus den Staaten zu platzieren in der Hoffnung, dass sie nicht in den nächsten 6 Monaten bei carta oder netzwertig aufpoppen und die fehlende Kreativität offenbaren.</p>
<p>Aber die Einfallslosigkeit ist das Symptom des Erfolges in deutschen Firmen. Wer selber denkt, wird still und leise oder öffentlich demontiert. Nach einigen Jahren der Firmenzugehörigkeit hat sich jeder und jede das vorschnelle Brainstorming abgewöhnt. Man schweigt und lässt andere, neue Kollegen &#8220;sich blamieren&#8221;. Genauso wird man einen konservativen Markt jahrzehntelang beherrschen: durch Ausbremsen. Aber das Web ist kein konservativer Markt. Der Leser bedenke, wie lange es dauerte, bis Google den Riesen Yahoo zu einem iMännchen degradierte. </p>
<p>Crosspost von <a target="_blank" href="http://www.netzpiloten.de/2011/01/17/hin-und-her-gebufft/" rel="nofollow" >netzpiloten.de</a></p>
 
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		<title>wikileaks: p2p-Journalismus</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Dec 2010 12:25:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Vorname Nachname</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit hatte sich in den letzten Jahren im Kreis von Medienjournalisten und Webexperten eine Diskussion um die Vierte Gewalt im Staat verselbständigt...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit hatte sich in den letzten  Jahren im Kreis von Medienjournalisten und Webexperten eine Diskussion  um die Vierte Gewalt im Staat verselbständigt. In einer frühen Phasen  entwickelten sich einige Fachblogs zu Quellen aus denen sich seriöse  Journalisten gerne und fast immer ohne Angabe von Quellen bedienten. Als  die Leserschaft diese Aktionen bemerkte, schwenkte die Wertung  gegenüber Blogs um. Die Reichweitenbeschaffer alias Leser, die Verlage  an ihre Anzeigenkunden verkaufen, schauten nun immer öfter selber nach,  was fefes blog, Don Alphonso, netzpolitik.org oder Bildblog sich  ausdachten oder recherchierten bzw. zugetragen bekamen.</p>
<p>Das war schmerzlich, weil die Verlage eine Deutungshoheit  beanspruchen, die sie mit dem Begriff Qualitätsjournalismus gegenüber  diesen Emporkömmlingen abgrenzen wollten und wollen. Das größte Problem  waren die Diskussionen im Web rund um Artikel, die nicht selten  lawinenartig neue Artikel auslösten. Neben der Deutungshoheit verloren  die klassischen Medien also auch noch ihre Funktion des Agendasettings,  die sie gekonnt im Umgang mit Politikern und PR-Agenturen einzusetzen  gewöhnt sind. Einige Verlage haben sich schon verdächtig nahe an die  PR-Ausbildung herangerobbt wie die FAZ mit dem FAZ Institut beweist oder  arbeiten auf halbseidenen Wegen mit Detektiven, um Fakten, Fakten und  Fakten zu schaffen, wo vorher keine waren oder die Privatsphäre einen  Schirm aufspannte. Der Begriff Qualitätsjournalismus ist also eher ein  Potemkinsches Dorf hinter dem man gegenüber Politikern einen enormen  Aufwand (trotz radikaler Entlassungen) als Medienapparat im Dienste der  Demokratie verkaufen kann. Im Grunde geht es dabei um ein Ringen nach  Subventionen, oder präziser einem Beamtenstatus für alles, was man  selbst so qualifiziert. Was nicht Qualitätsjournalismus ist (und das  definieren immer die Verlagsvertreter!) &#8211; zum Beispiel die Blogger und  selbsternannten Journalisten im Web &#8211; muss nicht staatlich geschützt  werden, weil es keine zwölfstöckigen Denkmäler für die Vierte Gewalt  erbaut und außerdem auch noch die hoheitliche Aufgabe der  Qualitätsjournalisten vermissen lässt: Man entwertet diese  Onlineschreiberlinge mit dem Hinweis darauf, dass sie nicht  Agenturmeldungen filtern und umschreiben, dass sie kein Fact-Checking  betreiben (wie viele deutsche Verlage auch) und dass sie ja immer nur  Meinungen verbreiten&#8230;</p>
<p>Und dann kam wikileaks&#8230;.</p>
<p>Vor einigen Jahren war es der Anlass für viele Leser überhaupt  die Existenz des Begriffs <em>whistleblower</em> zur Kenntnis zu nehmen. Es gab also noch eine andere Welt als die  Agenturen. Investigativer Journalismus kann ohne sie gar nicht  existieren. Anders als viele glaubten, haben die Mitarbeiter von  &#8220;Report&#8221; oder &#8220;Monitor&#8221; gar nicht wie der selige Wallraff falsche Bärte  angeklebt und recherchierten als verdeckte P-Männer und -Frauen  (V-Mann=Verfassungsschutz-Mann und P-Mann=Presse-Mann). Und nun kommen  so ein paar Irre Hacker daher (wer kennt den Unterschied zwischen Hacker  und Cracker?) und ermöglichen whistleblowern das Publizieren ihrer  heimlich entwendeten Dokumente über die Scheinheiligkeit von Politikern,  multinationalen Konzernen und die bösartigen Greueltaten zu denen  Menschen Menschen treiben.</p>
<p>Und nun? Jetzt überschlagen sich plötzlich alle in der Ansicht, dass  ein neues Zeitalter angefangen hätte? Die Masse der Daten, die ins Web  gekippt werden sollen nun über den Grad der Freiheit der Menschen  entscheiden. Wie immer glauben die Adepten aus dem Lager der  Webexperten, dass Quantität (Speicherplatz, Bandbreite, Userzahlen etc)  über Freiheit, Erfolg und Demokratie entscheiden. Sie sind damit sehr  nahe an den klassischen Verlagen: Reichweite=Leserschaft=Relevanz für  Demokratie.</p>
<p>Und in der anschließenden Diskussion purzeln die Begriffe nur so  durcheinander. Sind Verleger (Veröffentlicher) wie wikileaks nicht  eigentlich die neuen Journalisten? Sind Staaten wie die USA oder  Frankreich, die Schwächere schon immer gern via Währungsfonds und  Weltbank drangsaliert haben und mit economic hitman Weltgeschichte  schreiben, sind solche Staaten eigentlich genauso schlimm wie China, die  so ein Verhalten ganz offen und schroff zeigen? Nun die Antworten  liegen im WIE. Denn es gibt große Unterschiede, nicht nur wenn man ins  Detail guckt. Anders als es <a target="_blank" href="http://en.rsf.org/wikileaks-hounded-04-12-2010,38958.html" rel="nofollow"  target="_blank">Reporter ohne Grenzen mit ihrem Vergleich</a> zwischen USA und China Glauben machen wollen, sind die USA ein Land mit  weitgehender bürgerlicher Freiheit und sehr pingelig, wenn es um ihre  nationale Souveränität geht. China ist in allem mit einer extremen Art  von Kontrollzwang. Aber Details interessieren viele gar nicht, die mal  wieder den Teufel am Werk sehen? Es ist verständlich, wenn sie Assange  in Schutz nehmen wollen, obwohl ich nicht weiß, ob er wirklich die  Lichtgestalt ist, die man aus ihm gemacht hat und an die er jetzt  offenbar sogar selber glaubt. Eigentlich wäre es schlau aus den Daten  und Informationen Erkenntnisse zu gewinnen. Aber das setzt Wissen voraus  und nicht jedes Urteil ist Ausdruck oder Folge von Wissen.</p>
<p>Wissen entsteht nur auf dem Hintergrund dessen, was jeder schon  vorher kannte. Angesichts so eines Datentsunamis wie bei wikileaks liest  jeder &#8211; auch und gerade die Qualitätsjournalisten -  nur das heraus,  was ihm oder ihr als fehlendes Puzzle zum vorhandenen Hintergrundwissen  passend erscheint.</p>
<p>Es macht also Sinn, das alte Modell des Filesharings namens  peer-to-peer heraus zuholen. Ein Peer ist eine Bekannter oder Freund. In  den Peer-to-Peer oder P2P-Netzwerken sind Daten immer auf allen  angeschlossenen Rechnern gemeinsam gespeichert. Keiner weiß wo eine  Datei wirklich liegt und wie oft ihre Kopie bei anderen vorhanden ist.  Wie sollten dieses Modell für wikileaks nutzen um dieses tolle Werkzeug  nicht in persönlichen Ränkespielen Einzelner zu trivialisieren. Ich  kenne Assange nicht, aber das Werkzeug wikileaks sollte aus seinen  Händen genommen werden, um ihn und uns zu entlasten. Wie? Es gibt ein  tolle Projekt namens <a target="_blank" href="http://dot-p2p.org/index.php?title=Main_Page" rel="nofollow"  target="_blank">dot-p2p</a> dazu, dass wir alle unterstützen sollten: URLs, die auf .p2p enden  werden in dieser P2P-Cloud von uns allen gehostet und können nicht mehr  von einzelnen Providern abgeschaltet werden. Dies ist erst der Anfang  der wahren Diskussion um Netzneutralität, denn es geht um den Ort der  Daten: Sie müssen da sein, wo auch das Wissen ist &#8211; bei uns allen.</p>
 
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		<title>Die Welt zu Gast bei der re:publica10</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Apr 2010 10:48:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Vorname Nachname</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das Netz]]></category>
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		<description><![CDATA[Vor einem Vierteljahr hat der FAZ-Autor Jauer begonnen, einen Artikel über lächerliche deutsche Blogger zu schreiben. Rechtzeitig zur re:publica10 Mitte April war er dann in Print und online zu lesen. Dass es dort mit der Wahrheit oder der Würde der dargestellten Personen nicht so klappte, mag viele Gründe haben. Vielleicht war es einfach nur Gehorsam gegenüber dem Ressortchef und Herausgeber, dessen aktuelles Buch mysteriöse Verschwörungstheorien über die Auswirkungen von Algorithmen und Computerprognosen verbreitet, über die besagte Blogger öffentlich herzogen. Aber wahrscheinlich sitzt der Stachel sehr viel tiefer.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.digitalpublic.de/wp-content/uploads/2010/04/republica10.jpg"><img src="http://www.digitalpublic.de/wp-content/uploads/2010/04/republica10-300x199.jpg" alt="" title="republica10" width="300" height="199" class="alignleft size-medium wp-image-2506" /></a><br />
Vor einem Vierteljahr hat der FAZ-Autor Jauer begonnen, einen Artikel über lächerliche deutsche Blogger zu schreiben. Rechtzeitig zur re:publica10 Mitte April war er dann in Print und online zu lesen. Dass es dort mit der Wahrheit oder der Würde der dargestellten Personen nicht so klappte, mag viele Gründe haben. Vielleicht war es einfach nur Gehorsam gegenüber dem Ressortchef und Herausgeber, dessen aktuelles Buch mysteriöse Verschwörungstheorien über die Auswirkungen von Algorithmen und Computerprognosen verbreitet, über die besagte Blogger öffentlich herzogen. Aber wahrscheinlich sitzt der Stachel sehr viel tiefer.<br />
<br />
Roger de Weck warf Schirrmacher ja vor einem guten halben Jahr in den <a target="_blank" href="http://videoportal.sf.tv/video?id=530999c0-bd02-46fc-b88e-f0ab224db76a" rel="nofollow" >Sternstunden des SF</a> schon vor, dass die FAZ eine enorme Boulevardisierung durchmache. (Das Interview ist übrigens ein herausragendes Dokument über die Argumentationskraft von Schirrmacher) Ich finde es keineswegs verwunderlich, dass bei den Qualitätsmedien die hehren Grundsätze des Journalismus mit Füßen getreten werden. Wer sonst hätte schuld an dem rasenden Untergang einer Branche, die Jahrzehnte über die Gewinnmargen von Autoindustrie und Maschinenbau lächeln konnte. Es müssen doch die Journalisten schuld sein. Wieso sonst werden sie in Heerscharen entlassen und durch freies, günstiges, willfähriges Kanonenfutter aus den überlaufenen Journalistenschulen aufgefüllt.<br />
<object data="http://www.sf.tv/videoplayer/embed/530999c0-bd02-46fc-b88e-f0ab224db76a" type="application/x-shockwave-flash" style="width:500px;height:280px"><param name="movie" value="http://www.sf.tv/videoplayer/embed/530999c0-bd02-46fc-b88e-f0ab224db76a"/><param name="quality" value="high" /><param name="allowFullScreen" value="true" /><a target="_blank" href="http://videoportal.sf.tv/video?id=530999c0-bd02-46fc-b88e-f0ab224db76a" rel="nofollow"  alt="zum Videoportal des Schweizer Fernsehens">Sternstunde Philosophie vom 05.07.2009</a></object> (Geduld &#8211; vor allem ab Minute 20 wird es spannend.)</p>
<p></p>
<h2>Aber was kommt nun?</h2>
<p>Dankenswerterweise hat Markus Beckedahl seine ehemalige Bloggerkonferenz auf ein neues Niveau gehievt, das genau die neuen Wege des Publizierens von Inhalten sehr umfassend und profund aufzeigte für all diejenigen, die gekommen waren. Die zweite Aufklärung ist in vollem Gang, langsam aber stetig entwickelt das Web eine neue globale Gesellschaft weiter. Offenbar werden einige ausgeschlossen oder schließen sich selber aus. Marcus Jauer weilte gerade in Nepal, deshalb konnte er die Zukunft der vierten Gewalt (heute noch Presse) und den Aufstieg der fünften Gewalt (David Sasaki von <a target="_blank" href="http://www.globalvoices.org/" rel="nofollow" >globalvoices.org</a> über Social Media) nicht beobachten. Denn außerhalb von unserem qualitätsmedial eng umzäunten Wegen hat die Welt gerade entdeckt, dass man mit Echtzeit-Warnsystemen wie <a target="_blank" href="http://www.ushahidi.com/" rel="nofollow" >ushahidi</a> ein kaum vorstellbares Potenzial heben kann. Haben früher noch Afrikaner dieses Portal genutzt, um per SMS auf lokale Gewalttaten der Obrigkeit oder Gewalt gegen Frauen in Echtzeit hinzuweisen, ist das System spätestens seit dem Desaster von Haiti als <a target="_blank" href="http://haiti.ushahidi.com/" rel="nofollow" >Übersicht für Katastrophenhilfe</a> unabdingbar. Denn dort haben die Hilfesuchenden direkt per SMS gezeigt, welche Hilfe wo gebraucht wurde. Und noch viele andere internationale Gäste aus über 30 Ländern hatten in Berlin die Chance ergriffen, uns rückständigen Netznutzern zu zeigen, wie digitaler Aktivismus helfen kann Gesellschaften zu emanzipieren – sei es in Indien, Afrika, Lateinamerika oder in Osteuropa. Und mit Evgeny Morozov war sogar jemand da, der nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion als Direktor einer NGO erlebte, wie man mit neuen Medien den zersplitternden Gesellschaften zu einer Stimme verhilft, die jeder ergreifen kann. Er hat in seinem viel beachteten Vortrag allerdings auch klar gemacht, dass in Russland bereits viele Blogs unterwandert werden von offiziellen Stellen. Sodass die erwünschten Meinungen in den Bürgermedien erscheinen – so wie wir das von unseren parteinahen Medien und Institutionen auch kennen.<br />
<br />
War in den früheren Jahren noch ein Braten im eigenen Saft zu verzeichnen, wo ganz nach Jauerscher Manier Personen angegriffen wurden, statt Themen und Prozesse zu diskutieren, war es dieses Jahr ein anderer Wind, der durch die enorm gewachsene Konferenz wehte. Denn im Friedrichstadtpalast, der Kalkscheune und dem Quatsch Comedy Club gaben sich kritische und skeptische Menschen gegenseitig die Mikrofone in die Hand. Nur das es diesmal Leute waren, die wussten, dass es nicht mehr reicht, einfach nur zu kommunizieren und zu kommentieren. Man konnte in vielen Augen lesen, dass der neue Wind aus der Richtung kam, die der Outreach Director von globalvoices.org David Sasaki in einem Satz zusammenfasst: “Not issues but processes.“<br />
Wer ein Beispiel dafür braucht, dass unseren Schulen sofort helfen würde ohne auf die langjährigen inhaltslosen Mantras der Regierung zu warten, der möge sich hier umsehen &#8211; ausgerechnet ein <a target="_blank" href="http://www.donorschoose.org/" rel="nofollow" >amerikanisches Beispiel</a>, wie aus brennenden Themen Prozesse werden. Leider eignen sich dafür nur social media, da die überkommenen Medien seltsame intransparente Initiativen wie ein &#8220;Herz für Kinder&#8221; hinbekommen, wo keiner weiß, wer wann wieviel wofür bekommt. Die tradierten Medien sind nämlich nicht selten Teil des Problems Intransparenz.<br />
<br />
Nicht mehr Themen stehen im Vordergrund, sondern die Prozesse, die sie anstoßen. Im Interview erklärte Sasaki gegenüber den Netzpiloten, dass wir am Anfang einer Entwicklung seien, die in der Emanzipationstradition steht, die schon mittels des Buchdrucks die Macht des Vatikans zum Einsturz brachte. Es wird dauern, aber die Kontrolle der Demokratie durch die Bürger mittels der neuen Medien wird die Macht der Presse enorm relativieren. Vielleicht spüren das die ehemaligen Hohepriester der Realitätsdeutung in den Verlagsstuben und schicken genau deswegen den Jockel aus, das Fürchten zu lehren.<br />
</p>
<h2>Fazit</h2>
<p>Was seltsam ist: Prof. Kruse spricht von einem Kulturraum, wenn er das Netz beschreibt. Aus meiner Sicht ist es deutlich näher an einem Werkzeug oder präziser ein Werkzeugkoffer, den man nutzen kann. Wir müssen uns bewusst werden, dass globale Kommunikation im Netz den Begriff unserer lokalen Traditionen und Kulturen und die damit zusammenhängenden Aktionen relativiert. Insofern greifen die stupiden Vorwürfe der alten Publikationswelt nicht nur zu kurz sondern enthüllen das Unvermögen, sich auf etwas zuzubewegen, das sich im Wandel befindet. Wir können eigentlich nur lernen, wie andere das Web für sich nutzen. Pembazuka News hat seinerzeit mittels SMS die Wähler befragt, was sie wirklich gewählt haben und dann verglichen mit den jeweiligen Auszählungsergebnissen der Wahllokale. Das haben sogar die Amis von den Afrikanern übernommen, weil sie so etwas wie in Florida bei der vorletzten Wahl absolut ausschließen wollten. Wer stellt sich also hin und bezweifelt begründet die demokratische Potenz. Und das Komplexität mit und ohne Web ein Synonym der Experten für Ich-weiß-nicht-mehr-weiter ist, hat nichts mit der digitalen Revolution zu tun.</p>
<p>Jacques Lacan hat der Psychoanalyse des 20. Jahrhunderts das Spiegelstadium geschenkt. Freud war zu seiner Zeit noch nicht klar, dass der Mensch sich selbst eigentlich vornehmlich über den anderen erfährt. Im Web gibt es sehr viel anderes und Andere. Es ist eine Chance, dadurch viel über sich und über uns zu erfahren. Die Xenophobie, also die Angst vor dem Anderen, Fremden ist zuallerlerst das verdeckte Wissen um das eigene Böse, das man dem Anderen aufprojeziert und hofft, es so los zu werden. Wer auf der republica10 war, wer viel im Netz international unterwegs ist und nicht nur auf den zwei Lieblingsblogs, der wird sich selbst entdecken und standhalten können, weil er soviele Facetten erleben kann. Vielseitige Differenz ist die reife Form der Komplexität. Es ist kein Kulturraum, es sind wir selbst, die es zu entdecken gilt. Das was ich in der FAZ über mich entdecken durfte, stimmte zu fast 30% mit dem überein, was ich in 2,5 Stunden dem Autor erzählt hatte &#8211; der Rest war freie Dichtung, Alltagspoesie, Gesinnungslyrik. </p>
<p>Dass ein Kaleidoskop von Ideen und historischen Versatzstücken, die sich im Begriff des Bloggers brechen, gleich zu einer Theorie des Internet stilisiert werden, macht die Ratlosigkeit und Unbeholfenheit der Journalistenschulen gegenüber dem Web offensichtlich. Denn er war sehr jung der Herr Jauer. Er hätte in seiner Ausbildung Grundlagen von Social Media lernen können. Aber er hat nicht in den USA, Asien oder Lateinamerika studiert. So konnte er kaum einordnen, was ich da faselte von Subjektmodellen, Sprechakttheorie und performativer Kommunikation. Übrigens, der bekannte Russe hieß Gurdjieff und war kein Revolutionär. Aber so ist das mit dem Zuhören: Russland &#8211; Seltsamer Vogel &#8211; Beginn des 20 Jahrhunderts. Da hatte sein Gehirn das bekannte Netz der russischen Revolution schon aufgespannt, um das Memorieren zu vereinfachen. So macht ein gelernter Journalist Kontext: Intentionales Weghören um die passenden Versatzstücke der vorgefundenen Realität in dem eigenen Horizont unterzubringen. Ich verstehe jetzt, worin die Filterfunktion der Qualitätsmedien besteht: Differenzen werden eingeebnet. Heterogenität zu Homogenität umgedichtet. Da finde ich Hollywood deutlich näher am aufklärerischen Ideal und die re:publica wäre dann die reale Instanz solcher Ideen.</p>
<p>Bildnachweis: Jörg Wittkewitz</p>
<p>Crosspost von Netzpiloten.de</p>
 
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		<item>
		<title>Social Media Management System</title>
		<link>http://www.digitalpublic.de/social-media-management-system</link>
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		<pubDate>Tue, 23 Mar 2010 08:46:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Vorname Nachname</dc:creator>
				<category><![CDATA[Der Markt]]></category>
		<category><![CDATA[Die Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Die Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Eigentlich widerspricht das Broadcastmodell der Idee von Social Media, dass man einfach eine Nachricht in 1000 Kanäle bläst. Eigentlich widerspricht der Ansatz von social media überhaupt dem aktiven Verteilen einzelner Botschaften an viele, denn die Nutzer sollen selbst dafür sorgen, dass sie das Verteilen übernehmen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eigentlich widerspricht das Broadcastmodell der Idee von Social Media, dass man einfach eine Nachricht in 1000 Kanäle bläst. Eigentlich widerspricht der Ansatz von social media überhaupt dem aktiven Verteilen einzelner Botschaften an viele, denn die Nutzer sollen selbst dafür sorgen, dass sie das Verteilen übernehmen. Das tun sie natürlich nur, wenn sie den Inhalt verteilenswert finden. Aber die Marketeers wären nicht auf der Welt, wenn es nicht für alles ein Werkzeug gäbe, und so haben sie die Social Media Management Systems ins Leben gerufen. Jeremiah Owyang (Altimeter Group) stellte sie am Freitag auf seiner Seite vor; einige Bekannte sind da vertreten aber auch neue Player.</p>
<p>Hier seine <a target="_blank" href="http://www.web-strategist.com/blog/2010/03/19/list-of-social-media-management-systems-smms/?utm_source=feedburner&amp;utm_medium=feed&amp;utm_campaign=Feed%3A+WebStrategyByJeremiah+%28Web+Strategy+by+Jeremiah%29" rel="nofollow" >kleine Liste</a>:</p>
<p><strong>Liste der Social Media Management Systems (SMMS)</strong></p>
<ul>
<li><a target="_blank" href="http://www.awarenessnetworks.com/what/hub.asp" rel="nofollow" >Social Marketing Hub</a> (Awareness Networks) bereits großer Player im Geschäft, der eigene Tools für  Facebook, youtube, flickr und Twitter anbietet</li>
<li><a target="_blank" href="http://cotweet.com/" rel="nofollow" >CoTweet</a> (Exact Target) ist das Tool, was fast alle PR-Agenturen nutzen, die für mehrere Kunden twittern bzw. alle tweets in deren Namen auswerten</li>
<li><a target="_blank" href="http://www.thismoment.com/" rel="nofollow" >Distributed Engagement Channel</a> (DEC ) Content publizieren, tracken und beobachten und Performanceberichte</li>
<li><a target="_blank" href="http://www.keenkong.com/" rel="nofollow" >KeenKong</a> Natural Language Processing für twitter und facebook – cool aber nur für englischsprachige Länder sinnvoll.</li>
<li><a target="_blank" href="http://mediafunnel.com/" rel="nofollow" >MediaFunnel</a> Facebook und Twitter werden über verschiedene Rollen und Workflows bedient und überwacht.</li>
<li><a target="_blank" href="http://www.objectivemarketer.com/" rel="nofollow" >Objective Marketer</a> Diese hier sind mit Social Media Kampagnen und deren Überwachung dick im Geschäft. Was Kamagnen im Social Media bEreich sollen ist mir schleierhaft…</li>
<li><a target="_blank" href="http://www.socialtalk.com/" rel="nofollow" >SocialTalk</a> Twitter, Facebook, WordPress und MoveableType werden hier bespielt und überwacht – wieder mit Workflow und diversen Planungs/Kontroll-Tools</li>
<li><a target="_blank" href="http://spredfast.com/" rel="nofollow" >SpredFast</a> Noch einer mit  Collaborative Campaign Management und Planungs/Kontroll-Tools für den social stream</li>
<li><a target="_blank" href="http://www.sprinklr.com/" rel="nofollow" >Sprinklr</a> Owyang hebt hervor, dass deren Website empfiehlt, die Tools zunächst zum Zuhören (Beobachten) einzusetzen und dann erst zum Verteilen. Klingt irgendwie…na…1000-Mal-gehört, ja das war’s</li>
<li><a target="_blank" href="http://vitrue.com/" rel="nofollow" >Vitrue</a>: Diese hier können auch mit Facebook und Twitter und haben Planungstools UND können sogar mehrere Seiten bei Facebook bespielen, indem sie sie verbinden…</li>
</ul>
<p>Ich werde das Ganze weiter beobachten. Es scheint schon jetzt der eigentliche Gedanke des uralten cluetrain in Klump gehauen zu sein. Ein Glück, dass es noch Gonzo Marketing gibt, aber wer hat das schon gelesen. Also wird nun die Social Media Trommel malträtiert bis das Fell reißt oder die Stöcker zerbrechen. Ich gestehe, dass ich es kaum erwarten kann, bis die Karawane weiter gezogen ist…</p>
<p>Crosspost von blogpiloten.de</p>
 
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		<title>Dementia Gelernterensis</title>
		<link>http://www.digitalpublic.de/dementia-gelernterensis</link>
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		<pubDate>Tue, 02 Mar 2010 23:30:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Vorname Nachname</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das Netz]]></category>
		<category><![CDATA[Die Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Die Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Da schau her, eben noch als Counterpart zu Schirrmachers Thesen auf der DLD im Panel “informavore”, heute schon assimiliert in der FAZ bzw. der FAS, der Boulevardausgabe der Frankfurter. Die Verdauung der Ansichten scheint eher einem Schlingen denn genüßlichem Kauen zu ähneln. Worum geht es? In seinem Buch versuchte Schirrmacher das Verhältnis des Menschen zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a target="_blank" href="http://www.digitalpublic.de/wp-content/uploads/2010/03/orange-blue.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-2469" title="orange-blue" src="http://www.digitalpublic.de/wp-content/uploads/2010/03/orange-blue.jpg" alt="" width="300" height="286" /></a>Da schau her, eben noch als Counterpart zu Schirrmachers Thesen auf der <a href="http://video.dld-conference.com/watch/i21RPVZ?t=dld10,panels&amp;gal=sessions" rel="nofollow" title="Link zu informavore"  target="_blank">DLD im Panel “informavore”</a>, heute schon assimiliert in der <a target="_blank" href="http://www.faz.net/s/RubCEB3712D41B64C3094E31BDC1446D18E/Doc%7EE6B1279A5BE2645E2905CCC58CC63E9F1%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.html?rss_googlenews" rel="nofollow" title="Link FAZ online"  target="_blank">FAZ</a> bzw. der FAS, der Boulevardausgabe der Frankfurter. Die Verdauung der Ansichten scheint eher einem Schlingen denn genüßlichem Kauen zu ähneln. Worum geht es? In seinem Buch versuchte Schirrmacher das Verhältnis des Menschen zu den digitalisierbaren Informationen, die aus ihm entweichen und in ihn eindringen, zu dokumentieren. Er fokussiert dabei auf die Organisation dieser Informationen, die sich seit Jahr und Tag die Informatiker quasi per Berufsbezeichnung auf die Fahnen geschreiben haben. Schirrmacher folgt ihnen darin und erweitert dieses Feld auf das Internet als Marktplatz und Informationsmaschinengewehr. Im Grunde fordert er einen Waffenschein für diese automatischen Buchstabenwaffen und stößt dabei oft auf Zustimmung manchmal aber auch auf Ablehnung.<br />
<br/><br />
Nun, Schutz der Privatsphäre ist für das Informations- und Wissenszeitalter, was Umweltschutz für das Industriezeitalter war. Es stört die Firmen beim Ausbeuten der (fast) kostenfreien Ressourcen, die zur Verfügung stehen. Es müsste sowohl Gelernter als auch Schirrmacher klar sein, dass allein die Wissenschaft täglich ganze Fantastillionen Informationseinheiten mehr produziert als gespeichert werden – die Naturwissenschaften mit ihren massiven Messapparaten sind an dieser Flut von Daten, die täglich ins Nirwana gekippt werden, nicht ganz unschuldig. Wer entscheidet also, welche Daten es wert sind, aufgehoben zu werden? Algorithmen? Wohl kaum.</p>
<blockquote><p>Wenn dies das Informationszeitalter ist, worüber sind wir dann so gut informiert? Was wissen unsere Kinder, das unsere Eltern nicht wussten? Natürlich wissen sie mit ihren Computern umzugehen, aber das ist eine leichte Übung etwa im Vergleich damit, Auto zu fahren.    <em>David Gelernter</em></p></blockquote>
<p>Diese Frage beinhaltet denselben Kategorienfehler, dem auch schon Schirrmacher erlegen ist. Es geht um ethische und ästhetische Fragen wie “gute” oder “erhabene” Datenakkumulation als Mehrwert einer Technologieplattform namens Internet. Sie glauben beide, dass das Netz den Überschuß produziere und dazu sei laut Schirrmacher so etwas wie Aufmerksamkeit das agens. Dabei war der Computer das Hilfsmittel, dass man erfand, um den enormen Anstieg an Daten, der durch die Arbeitsteilung in der Industrie entstand (Planung und Verwaltung der Ressourcen) irgendwie zu bändigen, ohne mehr Verwaltungsangestellte als Produktionsmitarbeiter zu haben. Dann folgte die Inflation der Physikdaten in den Experimenten durch neue Messgeräte, die ihrerseits wieder durch Speichermaschinen, die aus der Geschäftswelt kamen, beherrscht wurden.<br />
<br/><br />
Das Neue am Internet ist also vielmehr die Tatsache, dass man den Computer nicht einfach nutzt, um Datenberge abzuspeichern und per Datenbank zu katalogisieren, sondern man nutzt mit dem Web den PC als Mittel, eigene Daten aus dem persönlichen Umfeld ins Netz und damit der Welt zur Verfügung zu stellen. Man schreibt selbst und teilt es umgehend allen mit, die es mitlesen wollen. Diese kommunkative Seite wird weder bei Gelernter noch bei Schirrmacher als Chance gesehen, sondern als Informationsflut zweiter Ordnung, weil sie ja keinen offiziellen Grund hat. Man kann also nicht wie beim Large Hadron Collider in der Schweiz täglich Petabyte an Daten in der Orkus schicken, weil keiner einen Überblick hat, was alles an Daten entsteht – außer Google und Microsoft/Yahoo Bing.<br />
<br/><br />
Es schwingt also immer ein leichtes Unbehagen am Kontrollverlust mit, wenn man solche intellektuell gemeinten Texte über das Netz und das Informationszeitalter liest. Sie erklären nicht, warum die Gefahren des Internet so breit verteilt sind und gleichzeitig die Gewinne so derart stark konzentriert werden.</p>
<p>Und so verfährt auch Gelernter in dem alten Schema des Oberlehrers, dass wir via Textverarbeitung mehr schreiben aber nicht besser. Auf den ersten Blick fällt auf, dass hinter diesem Allgemeinplatz entweder eine sehr dumme Erwartungshaltung steht (fahre ich mit dem neuen Auto besser?) oder aber eine grundsätzliche Angst einfach nur eine Rationalisierung gefunden hat (Alle fahren so neue Autos – ob die wirklich besser sind als mein altes, die haben doch auch nur 4 Reifen und ein Lenkrad?). Übrigens glaube ich nicht, dass Textverarbeitungen dazu geführt haben, dass wir mehr schreiben (Belege fehlen). Wenn überhaupt, lag das an der Einführung von E-Mail als schnellem und unkompliziertem Postwesen.<br />
<br/><br />
Und dann wird der Kategorienfehler von Schirrmacher und Gelernter offen angesprochen:</p>
<blockquote><p>Aber es war immer schon schwieriger, die passende Person zu finden als die passende Tatsache. Die wertvollste Ressource, die im Internet zur Verfügung steht, ist die Erfahrung und das Wissen von Menschen. Selbst heute, wo uns das Schreiben leicht gemacht wird, wissen die Experten so viel mehr, als sie jemals schriftlich festhalten.<em> David Gelernter</em></p></blockquote>
<p>Ich erinnere mich noch an den unseligen Titel einer brandeins Ausgabe zum Thema Wissen (Wissen ist der erste Rohstoff, der sich bei Gebrauch vermehrt). Wissen oder gar Erfahrung sind keine Ressourcen. Letztere werden in Einheiten eingekauft, gelagert und dann dem Wertschöpfungsprozess zugeführt, wo sie unter Anwendung von manueller oder geistiger Arbeit zu einem Produkt veredelt werden. Genau dieses Veredeln der Ressourcen ist unter anderem im handwerklichen Geschick, im Wissen selbst und in der Erfahrung begründet. Im Internet aber steht davon nichts. Das Wissen entsteht im Menschen aktuell und individuell angesichts von Herausforderungen, Gelerntem und Erinnertem. Wer Wissen speichern will kann das tun: Er muss einfach nur Feuer kochen und Fische anhalten können. Wenn man das beherrscht kann man sich an höhere Aufgaben wie das Hören hören oder das Denken denken machen. Erst dann kann man versuchen individuelle und einmalige Zustände, die nur in der Zeit stattfinden, aus ihr heraus zu lösen und in einer weiteren Komplexitätsstufe, diese dann in einem universalen Medium zu speichern.<br />
<br/><br />
Das Internet ist voller gesammelter Daten, die eine Beobachtung dokumentieren und voller Meinungen der Nutzer. Google war nach Kenneth Culkier (s.u. das Interview vom economist) die erste Firma, die aus den Daten über die Datennutzung (Logdaten der Suchvorgänge) und mittels einer Mustererkennung über diese Suchgewohnheiten neue Einsichten erreichten. Culkier nennt das Beispiel der Falschschreibungen bei der Sucheingabe, die über die Zeit eine enorme gute Fehlerkorrektur ermöglichte, sodass man auf dieser Basis die bestmögliche Rechtschreibkorrektur für Dutzende Sprachen verkaufen könnte. Oder das Loggen der Seiten, die man aufgrund eines bestimmten Suchbegriffs aufsucht bzw. eben nicht aufsucht. All dies ist eine Information zweiter Ordnung, die vorher nicht möglich war, da Firmen und Nutzer das Verhalten der Menschen beim Umgang mit Dokumenten und enthaltenen Informationen nicht speichern wollten oder konnten – außer Firmen, die schon immer alles über ihre Kunden wussten wie Direktvertrieb oder der Versandhandel, der aber selten und nur extensiv Gebrauch davon machte und nicht ein ganzes Geschäftsmodell darauf aufbaute. Kurz: Google ist seine eigene Marktforschung ohne Probanden – dafür mit dem echten Leben und in direkter Abbildung aller aktuellen Trends. Klar, das Verlage so ein Herrschaftwissen verachten, es basiert nicht auf copytests sondern auf dem echten Verhalten echter Kunden.<br />
<br/><br />
Gelernter erkennt auf eine ebenso falsche wie einseitige Weise die Informationsflut. Er nutzt das übliche Modell aus der Nachrichten/Informationstheorie, das eigentlich den ganz jungen Studenten und Elektrikerazubis den Strom erklären soll, der von der Quelle zum Ozean fließt. So erklärt man den Unterschied zwischen Spannung und Stromstärke durch Rohre aus denen Wasser schießt, wobei dann die Stärke, die maximale Menge des Wassers ist, das pro Sekunde durch einen Teil des Rohrs fließt, also sozusagen der Rohrdurchmesser, und die Spannung enspricht dann dem Gefälle.<br />
Wenn man nun bei Information oder gar Wissen von Quellen und Mündungen spricht, muss man das Bild zu Ende führen. Dann wären die Konsumenten und Leser aber genau das, was man als Verwässerungseffekt bezeichnen könnte. Denn im Ozean verdünnt sich die Information recht schnell, genau wie irgendwelche Dinge, die man in einen Bach kippt. Das von Schirrmacher so ausführlich beschriebene Syndrom der Informationsflut und der einhergehenden Übermacht an Aufmerksamkeitsräubern wäre auf diese Weise nicht erklärbar. Tatsächlich ist das Bild also irreführend. Denn jede Information verändert nur dann den Menschen, wenn sie eine Differenz darstellt. Was keinen ausreichend großen Unterschied ausmacht, ist auch keine Information und wird als solche einfach nicht erkennt bzw. verarbeitet. Und die erhöhte Schlagzahl an Mitteilungen per twitter, Blogs oder Kommentare ist einfach nur ein Zeichen der breiteren Teilhabe an öffentlich geführten Gespräche, die aber zum geringsten Teil für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Oft sind sie so privat, dass sie nur von wenigen überhaupt als Differenz erkannt und eingeordnet werden können.<br />
<br/><br />
Maschinentheoretiker und die Adepten der mechanisierten Welt bezeichnen diese Indifferenz als Rauschen. Offenbar ist ihnen nicht klar, dass Relevanz ein Dreisprung aus persönlicher Geschichte, persönlicher Erwartung und dem externen Angebot darstellt. Die Flut ist also nur für den eine Flut, der alle im Netz verteilte Information in einer Hyperneurose auf sich selbst bezieht. Dies ist wahrlich krankhaftes Verhalten. Aber die Ursache liegt weder im Netz, noch bei Google oder anderen Beteiligten im großen Prozess des ewigen Umherschaufelns von Information. Und dann kommt noch mehr Naivität oder gar fahrlässiger Unsinn ins Spiel:</p>
<blockquote><p>Virtuelle Universitäten sind eine gute Sache, virtuelle Nationen nicht. Virtuelle Nationen, deren Angehörige irgendwo leben können, solange sie übers Internet miteinander verbunden sind, drohen die Menschheit wie eine Glaskugel in tausend tödliche Splitter zu zerbrechen. Von virtuellen Nationen haben wir bereits eine erste Vorstellung bekommen: Al Qaida hat sie uns vermittelt. <em>David Gelernter</em></p></blockquote>
<p>Was für ein Unsinn ist das? Es gibt Lesungen und Seminare, die als Kommunikationsmittel und gemeinsame Plattform des mündlichen und schriftlichen Erarbeitens das Web in derselben Weise nutzen wie die mittlerweile völlig überfüllten Hörsäle mit der Ergänzung einer speicherbaren Kommunikation. Man kann so thematisch und in einem überschaubaren Kreis ein Seminar effektiv und übersichtlich zu einem Ende bringen, wobei offline-Treffen eigentlich unabdingbar sind. Auch Videokonferenzen sind nicht das Allheimittel für nonverbales Einschätzen und Kennenlernen. Es gibt also nur virtuelle Seminare, die sogenannten virtuellen Unis haben sehr wohl manifeste Verwaltungen und normale Einstellungsgespräche oder Inkassoverfahren für das Eintreiben der Gebühren. Es ist also sehr wohl möglich, die Elemente der demokratischen Organisation von Bürgerbeteiligung aus den Parteien in bestimmte Onlineverfahren zu überführen. Dadurch werden die Ministerien und Botschaften nicht obsolet oder gar 100% virtuell. Gelernter verwechselt hier die Kontakt- und Austauschplattform mit den Institutionen. Al Qaida hat ohne lokale Institutionen vor Ort wie Finanzverwalter, lokale Organisatoren und Meetings gar keine Chance zu existieren. Das Netz ist nur einer der Wege um gemeinsames Handeln zu koordinieren. Früher hatte man eben nur die gseprochene Sprache per Funk oder Telefon sowie die langsamen Briefe, heute findet alles in einer Plattform statt und heißt Kollaboration. Der französische Widerstand im zweiten Weltkrieg ist genauso Schuld an Al Qiada wie das Web. Dezentrale Strukturen sind eben den zentralisierten überlegen, das war schon vor dem Siegeszug des Web klar. Diese Dinge zu vermischen ist schlicht einfältig.<br />
<br/><br />
Und kaum hat Gelernter diesen Aspekt des Web, also den Austausch von Meinungen zu einem gemeinsamen Handeln kurz gestreift, wendet er sich wieder der Speicherebene zu und singt eine Hohelied auf die Wolke (Cloud) als tollstem aller Speicherverfahren. Er kennt offenbar nicht die Problematik, dass bei virtuellen Maschinen der Datenaustausch nicht mehr über das Netzwerk läuft (das überwacht wird) sondern direkt vom virtualisierten Webserver auf die virtualisierte Datenbank stattfindet und daher nur mit sehr wenigen Anbietern überhaupt absicherbar und kontrollierbar ist. Denn und das schreibt Gelernter auch nicht, das Mitloggen jedes  Zugriffs auf eine Datenbank kann sich außer Google keiner leisten. Die Firmen verbieten den Datenbankherstellern sogar diese Sicherheitsmaßnahme, da sie die Datenbanken extrem langsam macht. Die Probleme liegen also keineswegs in einem virtuosen Können der Informatiker sondern viel eher in deren bescheidenen Künsten bzw. den Sachzwängen der Fachabteilungen.<br/><br />
Und dann stößt Gelernter im FAZ-Text wieder in das Horn des Informationsflusses (Quelle-Mündung)</p>
<blockquote><p>Alle diese Ströme oder Flüsse sind Spezialfälle jener digitalen Struktur, die wir Mitte der 1990er Jahre als „Lebensstrom“ bezeichneten: ein Strom von digitalen Dokumenten jeglicher Art, die nach ihrer Erstellungszeit oder nach ihrem Eingang sortiert sind und sich in Echtzeit verändern; ein Strom, den man durchsuchen oder „fokussieren“ kann. <em>David Gelernter</em></p></blockquote>
<p>Das Kategorisieren anhand der Zeitleiste funktionierte schon bei E-Mails als probates Mittel der Ordnung – auch und gerade mit Filterbegriffen, die eine thematische Ordnung oder ein Trennen von privatem und beruflichem erlauben. Warum soll das also im modernen Echtzeitweb anders sein. Waren E-Mails nicht Echtzeit? Das Thema ist doch eher, das das alte Echtzeitweb nur an einen oder einige Empfänger gerichtet war und moderne Tools, wie twitter, tumblr oder posterous viele Leute und viele Meinungen untereinander vernetzen ohne Ansicht der starken oder schwachen Bindungen die sie haben könnten. In den sozialen Netzwerken sind die Statusmeldungen ja nicht monopolisiert.<br />
<br/><br />
Das Bild des Stroms der Informationen mithilfe des Organisationsprinzips der Chronologie reduziert das Web. Gelernter mißachtet offenbar Kairos als andere Seite des Zeitbegriffs – was aus Sicht der Strommetapher verständlich ist. Aber auch wenn man nur Chronos χρόνος beachtet, dann zeigt uns dieser alte griechische<br />
Mythos, dass es hier um den Lebenslauf geht, also den Ablauf eines Menschenlebens – darin schwingt unweigerlich auch die Vergänglichkeit mit. Genau das aber ist im supranaturalen Gedächtnis Internet zum Teil außer Kraft. Anders ist es bei dem Begriff, ohne den Chronos keinen wahren Sinn macht: Kairos. Er ist der Begriff für den rechten Moment – neudeutsch Timing. Hier könnte man dann an Immanuel <a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Wallerstein" rel="nofollow" >Wallersteins</a> unthinking social science anknüpfen, wenn einer der Herren Experten der modernen Soziologie mächtig wäre. Man könnte dann die Dependenztheorie Wallersteins auf das Web anwenden und daraus neue Erkenntnisse schöpfen für eine Relevanzdebatte oder das Thema Wissen und Web.<br />
<br/><br />
So erhält man bei den Protagonisten der aktuellen Debatte den Eindruck, das unfertige Gedanken ohne klare Abgrenzung zu Gemeinplätzen mit quasiwissenschaftlichen Erkenntnissen vermengt werden um persönliche Antipathien oder Sympathien zu rationalisieren. Das ist schick aus Sicht des Herausgebers einer Zeitung aber weitgehend ohne Belang für einen öffentlichen oder ernsthaften Diskurs über das eigentliche Thema: Emanzipation des menschlichen Verstandes und der Vernunft mit anderen im öffentlichen Raum, damit das Zusammenleben friedlicher, sinnvoller oder gar freundlicher gestaltet werden kann.<br />
<br/><br />
Aber zum Schluß erkennt auch Gelernter, dass das Netz nur ein Vehikel ist. Ein Glück. Man möchte ihm und Schirrmacher zurufen: “Die Landkarte ist nicht das Gelände.” So sagt es der Erfinder der Allgemeinen Semantik Graf Alfred Władysław Augustyn Korzybski in seinem lesenwerten Werk <em>Science and Sanity</em>.<br />
<br/><br />
Bildnachweis: unter Verwendung eines Fotos von <a target="_blank" href="http://www.morguefile.com/creative/alvimann" rel="nofollow" title="Link zu alvimann"  target="_blank">alvimann</a><br />
<br/><br />
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