<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>digitalpublic.de</title>
	<atom:link href="http://www.digitalpublic.de/feed" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.digitalpublic.de</link>
	<description>&#34;Zur ganzen Wahrheit gehören zwei - einer, der sie sagt und einer, der sie versteht.&#34;            Henry David Thoreau</description>
	<lastBuildDate>Sun, 08 Aug 2010 11:32:50 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=abc</generator>
		<item>
		<title>Die Liga der fantastischen Kristallkugel</title>
		<link>http://www.digitalpublic.de/die-liga-der-fantastischen-kristallkugel</link>
		<comments>http://www.digitalpublic.de/die-liga-der-fantastischen-kristallkugel#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 08 Aug 2010 11:32:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jörg Wittkewitz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Enterprise 2.0]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitswelt]]></category>
		<category><![CDATA[Firma 2.0]]></category>
		<category><![CDATA[Gartner]]></category>
		<category><![CDATA[Organisation]]></category>
		<category><![CDATA[Trend]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.digitalpublic.de/?p=2599</guid>
		<description><![CDATA[Die Analysten von Gartner  haben mal wieder die Kristallkugel angeschmissen. Herausgekommen sind 10 Entwicklungen, die aus ihrer Sicht die nächste Dekade der Arbeitswelt bestimmen werden...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Analysten von <a target="_blank" href="http://www.gartner.com/it/page.jsp?id=1416513">Gartner</a> haben mal wieder die Kristallkugel angeschmissen. Herausgekommen sind  10 Entwicklungen, die aus ihrer Sicht die nächste Dekade der Arbeitswelt  bestimmen werden:</p>
<p>1. De-routinization of Work<br />
Es war abzusehen. Das ganze Prozessoptimieren seit SAP und den Business  Process Management Werkzeugen basiert noch auf dem Taylorismus des 19.  Jahrhunderts. Den Untergang dieser Organisationsform vorherzusagen, ist  also keine Raketenforschung. Trotzdem ist es für jemanden wie Gartner  schon revolutionär, zu erklären, dass Routinen immer unwichtiger werden.  Ob die digitale Schadenssachbearbeitung per automatischer  Klassifikation oder die halbautomatische Kreditvergabe nach Algorithmen  damit vom Tisch ist? Gartner jedenfalls fokussiert Themen wie  Innovation, Teaming, Führung, Verkauf und Personalentwicklung. Und schon  ist dieser revolutionäre Schritt zu humanen, nicht automatisierbaren  Fähigkeiten genau dasselbe, was schon 1985 im Manager Magazin stand.</p>
<p>2. Work Swarms<br />
Ja, der gute alte Schwarm. Würde man den Analysten bei Gartner erklären,  dass nur Lebewesen denen wir simple Intelligenz zuschreiben,  Schwarmbildung zeigen, würde dieses Trendwort wohl bald verschwinden.  Aber Gartner sieht darin eher zufälliges kollektive Zusammenarbeiten als  Counterpart zur Solo-Performance (die es in großen Firmen noch wo gibt?  Richtig: R&amp;D und Sales!)<br />
Swarming ist also eine neue Form des Teaming, das einfach so aus dem  Nichts “emergiert”… Aha. Schwärme sind aber eine kollektive Strategie  angesichts bestimmter Umweltbedingungen, die instinktgesteuert ablaufen  und NICHT zufällig entstehen.<br />
Dann fällt auch noch das Wort ad hoc, das mich an die ad hoc-Workflows Ende der Neunziger erinnert. Aber weiter im Takt…</p>
<p>3. Weak Links<br />
Ach ja der gute Granovetter. Weak ties sind also das neue Neu. Ja, die  Theorie der Freundesfreunde mag in der Freizeit stimmen aber ist auf den  Büroalltag nicht wirklich übertragbar ohne ein sehr vertrauensvolle und  angstfreie Unternehmenskultur, was in Deutschland in geschätzt 11  Unternehmen der Fall sein dürfte.</p>
<p>4. Working With the Collective<br />
Wer das inflationäre Mantra des Kollektiven in der modernen Arbeitswelt  genauso oft ertragen muss wie ich, der wird sicher auch immer mehr an  Mao und andere Freunde der Massenbewegungen erinnert sein. Hier aber  geht es um informelle Gruppen außerhalb von Firmen, die einen großen  Einfluss haben können. Die Gartners wollen über dieses Vehikel den Markt  segmentieren und analysieren. Viel Spaß dabei.</p>
<p>5. Work Sketch-Ups<br />
Alles was nicht-routiniert abläuft, ist bei Gartner praktisch informell.  Das erscheint mir etwas überzogen. Allein das Tagesablauf eines  Notarztes ist wenig routiniert, da immer andere Krankheiten und Menschen   eintrudeln, aber er ist sicher nicht informell. Gartner glaubt aber,  dass über die Zeit Arbeitsabläufe in Work Patterns codifiziert werden  können. Bis dahin sind die Prozessmodell für nicht-routinierte Abläufe  eher als Skizzen verstehbar und in Information übersetzbar.</p>
<p>6. Spontaneous Work<br />
Nahe an der Idee der Work Swarms impliziert dies spontane Aktion  gegenüber reaktiver Aktivität. Ob diese Form der postmodernen  Eigeninitiative auf den hehren Glaubenssätzen der obwaltenden Hierarchie  aufbauen kann, bleibt fraglich.</p>
<p>7. Simulation and Experimentation<br />
Hier bezieht man sich auf den Film Minority Report und die dort  gezeigten simulierten Arbeitsumgebungen mit n-dimensionalen  Darstellungen. Ob diese visuellen Spielereien tatsächlich die Übersicht  über multivariate Entscheidungswege erleichtern? Gartner glaubt, dass  Daten und Menschen so besser interagieren können – unter anderem über  Agenten-Technologien. (klingt immer noch wie 1994)</p>
<p>8. Pattern Sensitivity<br />
Pattern-Based Strategy ist ja ein Steckenpferd von Gartner. Warum?  Offenbar kann man den Menschen heute die jahrhundertealte Einsicht, dass  die Welt sich ständig ändert so gut als Neuigkeit verkaufen, dass  neuartige Strategiekonzepte jetzt mit diesem volatilen Faktor besser  verkauft werden können. So verwundert es nicht, dass Gartner das  evolutive Strategiemodell aus der Mottenkiste holt und das ganze als  unabhängig Arbeitsgruppen mit eigenen patterns in diversen Szenarien  rumexperimentieren sieht.</p>
<p>9. Hyperconnected<br />
Hyperconnectedness ist sozusagen das Erdöl des Webzeitalters. Netzwerke  sind dabei die Rennstrecken durch die das Blut der Information sprudelt,  bis es die Menschen und Firmen aufgesogen haben und daraus im  Handumdrehen Gewinn generieren. Und so verwundert es nicht, wenn man  diesem Wunderdingsbums auch noch einen Push in alle Richtungen  zuschreibt – seien es formelle oder informelle Tätigkeiten.</p>
<p>10. My Place<br />
Der Arbeitsplatz wird also immer mehr virtuell. Damit meint Gartner  Videokenferenzen über Zeitzonen hinweg und Menschen, die sich zwar kaum  kennen aber trotzdem zusammenarbeiten (weak links! ähm ties) , aber wenn  man im Schwarm arbeitet ist das Individuum eher Störfaktor. Und so  verwundert es nicht, wenn Gartner weissagt, dass die Grenzen zwischen  Zuhause, Familie, Firma, Arbeitsgruppe und Firmenorganisation immer mehr  mäandern und ineinanderfließen. Ich kann mir auch schon gut vorstellen,  welcher Bereich von beiden zukünftig einen Vorteil aus dieser  Überschreitung ziehen wird. Und wer mit dem permanenten  Informationsüberfluß nur ein Stören der Privatsphäre verbindet, der wird  eben einfach ein Performancedefizit erleben. Und was das für Folgen  hat, ist offensichtlich.</p>
<p>Frohlocket und rufet <em>Hosianna</em>, denn es wurde Licht in der dunklen Arbeitswelt</p>
<p>Crosspost von netzpiloten.de</p>
 
	<h4>Verwandte Artikel</h4>
	<ul class="st-related-posts">
	<li><a href="http://www.digitalpublic.de/zitat-der-woche-henry-david-thoreau" title="Zitat der Woche: Henry David Thoreau (14/04/2009)">Zitat der Woche: Henry David Thoreau</a> (0)</li>
	<li><a href="http://www.digitalpublic.de/web2expo-clay-shirky-on-collaboration" title="web2expo: Clay Shirky on Collaboration (14/04/2009)">web2expo: Clay Shirky on Collaboration</a> (0)</li>
	<li><a href="http://www.digitalpublic.de/web2expo-sf-hinchcliffe-sagt-enterprise-20-social-business" title="Web2Expo SF: Hinchcliffe sagt Enterprise 2.0 = Social Business (01/04/2009)">Web2Expo SF: Hinchcliffe sagt Enterprise 2.0 = Social Business</a> (0)</li>
	<li><a href="http://www.digitalpublic.de/was-firmen-bei-blogs-richtig-machen-konnen" title="Was Firmen bei Blogs richtig machen können (03/07/2009)">Was Firmen bei Blogs richtig machen können</a> (2)</li>
	<li><a href="http://www.digitalpublic.de/wissen20-enterprise20-kommunikation" title="Von Wissen 2.0 zu Enterprise 2.0 (25/01/2009)">Von Wissen 2.0 zu Enterprise 2.0</a> (2)</li>
</ul>

]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.digitalpublic.de/die-liga-der-fantastischen-kristallkugel/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>5</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Digitale Bohème wird Proletariat?</title>
		<link>http://www.digitalpublic.de/digitale-boheme-wird-proletariat</link>
		<comments>http://www.digitalpublic.de/digitale-boheme-wird-proletariat#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 20 Jul 2010 15:33:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jörg Wittkewitz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das Netz]]></category>
		<category><![CDATA[Die Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[angestellte]]></category>
		<category><![CDATA[arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[boheme]]></category>
		<category><![CDATA[digital]]></category>
		<category><![CDATA[frei]]></category>
		<category><![CDATA[prolet]]></category>
		<category><![CDATA[proletariat]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.digitalpublic.de/?p=2594</guid>
		<description><![CDATA[Es ist mal wieder soweit. Das Heer der mehr oder weniger freien Arbeiterbienen, die in und um das Netz ihr Geld verdienen, erfährt eine neue Attribution. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a target="_blank" href="http://www.digitalpublic.de/wp-content/uploads/2010/07/schiffbruch.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-2595" title="schiffbruch" src="http://www.digitalpublic.de/wp-content/uploads/2010/07/schiffbruch.jpg" alt="" width="352" height="336" /></a>Es ist mal wieder soweit (<a href="http://carta.info/30488/die-industrielle-revolution-teil-2-das-digitale-fliessband/">carta.info</a>).  Das Heer der mehr oder weniger freien Arbeiterbienen, die in und um das  Netz ihr Geld verdienen, erfährt eine neue Attribution. Jetzt werden  sie durch crowdsourcing-Firmen wie <a target="_blank" href="http://www.clickworker.com/">clickworker.com</a> oder <a target="_blank" href="http://www.demandmedia.com/">Demand Media</a> zu  Fließbandarbeitern gestempelt. Und weil heutzutage die Substanz aller  Analogien in wikipedia haust, nimmt man von dort auch gleich noch Fords  Fließband als Urahn des scientific management in Gewahrsam. Denn bei  beiden Anbietern erstellt das fleißige Volk der Texter und Designer  Abertausende an Gebrauchstexten, Artikeln, Übersetzungen und  Ratgeberbeiträgen.</p>
<p>Das mag aus der Sicht von jemandem, der seine Auftraggeber bei den  finanzstarken, parteiunterwanderten öffentlich-rechtlichen Zwangsmedien  weiß, ein legitimes Herabschauen auf die Niederungen mediokrer  Geschäftsmodelle sein. Zu recht wird auf diese Weise die digitale bohème  auf den rechten Platz auf der Hühnerleiter der Arbeitsbienen verwiesen.  Aber ist es inhaltlich in irgendeiner Weise eine neuartige Erkenntnis?  Der Taylorismus als Extremform der entfremdeten Arbeit ist ja nicht  dadurch besonders hervorzuheben, dass ihm Leute freiwillig anheim  fallen. Die engen Vorgaben in Zeit und Umfang sind hier weniger  charakteristisch – eigentlich sogar eher abwesend, “one best way” ist  daher eher zu negieren. Das Zerlegen eines Prozesses in extrem  fragmentierte Einzelschritte passiert gerade nicht, weil möglichst viele  Schritte direkt in die Verantwortung der freiberuflich arbeitenden  Arbeitsbiene verlegt werden. Und zuguterletzt: Die demokratiefeindliche  Art der Vereinzelung der Arbeiter haben diese sich selbst ausgesucht und  bevorzugen offenbar das anonyme Arbeitsumfeld im Web. Und die  Disponibilität der einzelnen Arbeitskräfte ist eher deren freiem Willen  als dem digitalen Fließband geschuldet…</p>
<p>Möchte man also auf solche prekären Arbeitsverhältnisse aus der  Premium-Sicht eines Auftragnehmers monopolistischer Content-Anbieter  herabsehen, dann würde sich die Perspektive eines konstruktiven Blicks  in  die Zukunft anbieten. Das Gegenteil ist der Fall: Allein die  Tatsache, dass Endert uns die Interpretation anbietet, dass eine zweite  stählerne Zeit heraufdämmert, in der nicht Stahl sondern Contentbarone  ihre Villa Hügel errichten, könnte schon sehr viel früher ihren Anfang  genommen haben. Genau genommen beschreibt Endert damit eigentlich eine  Content-Produktion, die mit dem Web im Untergehen begriffen sein könnte  und deren Blütezeit mit Namen wie Mohn, Burda und Springer beschrieben  wäre. Dass sich nun die oben benannten Anbieter anschicken, diesem alten  Content-Adel Tausende entlassener Contentbienen quasi artikelweise zu  vermieten, erinnert auch eher an die Dämmerung der Leiharbeitsfirmen und  weniger an den alten Ford, der seinen Fließbandarbeitern damals  ungeheuer hohe Löhne zahlte.</p>
<p>Es könnte einem so vorkommen, als wenn die neue Arbeiterschaft  einfach aller sozialer Errungenschaften beraubt sei und dies auch noch  als Freiheit empfände. Die demokratische Potenz des Netzes könnte sich  also gar nicht entfalten, weil allein die Abwesenheit der Stechuhr und  der Besitz an den Produktionsmaschinen die digitale bohème dazu  verleitet, einer Simulation von Selbstbestimmung zu erliegen, die durch  freie Meinungsäußerung ein derart dröhnende Kakophonie inflationiert,  dass die Nachfrager sich wieder dem überschaubaren Angebot der wenigen  Contentbarone zuwenden.<br />
Warum nun aber immer noch alle glauben, dass  das Kapital keiner normativen Setzung unterliegen soll, bleibt genauso  unklar wie eine noch immer ausbleibende Begründung des ökonomistischen  Weltbildes. Es scheint, dass die Grundlage des Gehorsams naturrechtlich  anerkannt wird, als wäre das Kapital und seine torkelnde Willkür einfach  eine Art Naturgewalt. Dieser zivilisatorische Offenbarungseid ist aber  mitnichten den Textern und freien Journalisten anzulasten. Es ist ein  Schiffbruch der gesamten Sozial- und Geisteswissenschaft des  Webzeitalters.</p>
<p>Bildnachweis: <a target="_blank" href="http://www.morguefile.com/creative/western4uk">western4uk</a></p>
<p>Crosspost von netzpiloten.de</p>
<p><a target="_blank" href="http://www.morguefile.com/creative/western4uk"><br />
</a></p>
 
	<h4>Verwandte Artikel</h4>
	<ul class="st-related-posts">
	<li>Keine verwandten Artikel</li>
	</ul>

]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.digitalpublic.de/digitale-boheme-wird-proletariat/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Was uns wirklich krank macht</title>
		<link>http://www.digitalpublic.de/was-uns-wirklich-krank-macht</link>
		<comments>http://www.digitalpublic.de/was-uns-wirklich-krank-macht#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 26 Jun 2010 12:24:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jörg Wittkewitz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das Netz]]></category>
		<category><![CDATA[Die Gesellschaft]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.digitalpublic.de/?p=2588</guid>
		<description><![CDATA[Es ist mal wieder soweit. Die Mahner treten gegen die Wünscher an. Fast wäre ich vor Ermüdung eingeschlafen als ich in der FAZ  (wo sonst?) den kritischen Artikel vom eigentlich geschätzten Geert Lovink zum Thema Zeit und Informationsüberflutung via Web las...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a target="_blank" href="http://www.digitalpublic.de/wp-content/uploads/2010/06/fluss1.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-2589" title="fluss1" src="http://www.digitalpublic.de/wp-content/uploads/2010/06/fluss1.jpg" alt="" width="250" height="167" /></a>Es ist mal wieder soweit. Die Mahner treten gegen die Wünscher an.  Fast wäre ich vor Ermüdung eingeschlafen als ich in der <a href="http://www.faz.net/s/RubCEB3712D41B64C3094E31BDC1446D18E/Doc%7EEC79B7C9C1AD7422C9E37964D1F51D4BA%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.html">FAZ</a> (wo sonst?) den kritischen Artikel vom eigentlich geschätzten Geert  Lovink zum Thema Zeit und Informationsüberflutung via Web las. Da ist  die Rede von einem externen Zwang zu Echtzeitplattformen wie twitter und  facebook. Da ist auch die Rede von all den Informationen, die zwar  nicht das Hirn, aber unsere Zeit vermanschen. Auf die andere Seite der  Wünscher haben sich Leute wie Clay Shirky und Jeff Jarvis gestellt und  werfen mit ihrer Zuversicht und Hoffnung um sich, dass es nur so  Feenstaub regnet…<br />
Das Thema Informationsüberflutung ist nirgendwo besser studierbar als  bei diesen beiden Gruppen der Ewiggestrigen. Sie haben so viele Bücher  gelesen, Studien verfasst und Studentenarbeiten korrigiert, dass ihnen  vor lauter kleinsten Differenzierungen Ablagerungen im persönlichen  Wissenshorizont passiert sind. Mentale Plaque, an der die immer gleichen  Ideen hängen bleiben: Man nimmt nur das als Information, was das  eigenen Weltbild stützt.<br />
Man kann sich den persönlichen Wissenshorizont wie ein Flussbett  vorstellen. Der Strom der Informationen und Daten knabbert anfangs an  den Ufern, wenn aber erstmal große Überschwemmungen Auen geschaffen  haben, dann ist das gesamte Flußbett auf ein überschaubares Gebiet  beschränkt, weil die Geschwindigkeit herabgesetzt ist durch die Kurven  des Mäanderns. Mit Glück wächst dann das Wissen in der Breite.</p>
<p>Leider befleißigt sich bisher keiner fluidmechanischer Betrachtungen.  Denn in der tiefen Mitte fließt der Fluß am schnellsten. Das erklärt  auch, warum aus den bekannten Mündern nur noch bekannte Ansichten  wiedergekäut werden.</p>
<p>In der Folge kann man behaupten, dass Expertise darin besteht, dass  Experten nur wenig Informationen aus einem Schwall an Daten benötigen,  um ihre kristallisierten Meinungen bestätigt zu sehen. Sie sind daher  sehr schnell im Einordnen, aber sie sind auch die Sklaven ihres  impliziten Wissens. Denn der Experten-Hintergrund ist ein sehr tiefes  Flußbett, dass das Vorbeirauschen der Inhalte extrem beschleunigt.</p>
<p>Informationsverarbeitung ist im Gehirn bisher noch nicht  postmechanistisch beschrieben worden. Die Ideen Zuses werden zunehmend  von den Netz- und Intelligenzexperten auf Information und die Entstehung  von Wissen angewandt. Aber es gibt keinerlei Anlass zu glauben, dass  Wissen dadurch entsteht, dass Daten mit anderen Daten solange kalkuliert  werden, bis Wahrscheinlichkeiten als Metadaten entstehen und damit  quasi als Emergenzphänomen neue Zusatzinformation aus dem Nichts  auftaucht. Allein der Gedanke, dass das Gehirn Informationen verarbeitet  kann sich ja nur auf Sinnesdaten beziehen. Und spielt es keine Rolle,  ob die im Fernseher, an der Straße oder auf der Kirmes einströmen. Das  Problem könnte sein, dass Information nicht mehr als reines  Außenweltsignal sondern nur noch als codifizierte Sprache oder  gestaltete Filme oder Fotos auf uns einströmen. Dies sind dann  vermittelte Reize, die nicht unmittelbar der Außenwelt sondern der  Innenwelt anderer Menschen entspringen. Das in der Tat ist ein Problem,  dass wird nur noch Gedanken und ästhetische Gestaltung als Reize  aufnehmen. Da wird die Kultur zur Monokultur. Da hilft einfach ein  Spaziergang im Wald. Aber da sind wir schon wieder bei dem  grundsätzlichen Problem, das nicht erst seit dem Web entstanden ist. Die  städtische Kultur nimmt sich besonders wichtig, weil sie enorm mit  Bedeutung aufgeladen ist. Das Netz transportiert diese sensuelle  Deprivation, die mit ästhetischer Überreizung einher geht in alle Ecken  der Welt. Aber daran ist nicht das Netz schuld sondern die Gläubigen der  Religion der Information. Dass diese Religion eine Sekte ist, steht  außer Frage. Ob wir deren goldenem Kalb huldigen, bleibt jedem selbst  überlassen.</p>
<p>Lovink jedenfalls verharrt mit dem italienischen Netzintellektuellen  Franco Berardi weiterhin bei den Grabenkämpfen. In diesem Fall gegen die  marktliberalen Kräfte, wenn er den Italiener in der FAZ folgerndermaßen  zitiert: “Im Marktwettbewerb müssen wir stets die Ersten und Besten  sein. Was wirklich krank macht, ist nicht die Informationsüberflutung,  sondern der neoliberale Druck mit seinen unmöglichen  Arbeitsbedingungen.“ Das ist nett gegenüber den Bedeutungsvermanschungen  die Schirrmacher mit seiner Hirnvermanschung in die Welt tragen will.  Aber es verstellt noch immer den Blick auf den Kern: unseren Umgang mit  den mentalen Absonderungen der Mitmenschen. Es ist nämlich keineswegs  so, dass man gezwungen ist jede Meinungsäußerung oder jedes Angebot zur  Kommunikation einzuordnen. Es sei denn, man hat Angst etwas zu  verpassen. Das allerdings ist eine längst bekannte behandelbare  pathologische Eigenschaft des modernen Menschen. Einige Intellektuelle  haben sie längst mit Lyotards Buch über das Postmoderne Wissen von 1979  behandelt: Man bewertet Wissen und seine Vorstufen einfach nicht mehr  als Ware. Das könnten endlich auch mal andere probieren. Es hilft sehr  gut gegen Zwangserkrankungen und Phobien. Und man kann getrost den  Zeitgeist seine Bahnen kreisen lassen, ab und zu kommt er wieder mal  vorbei und man kann ihm zuwinken.</p>
<p>Bildnachweis: <a target="_blank" href="http://www.morguefile.com/creative/FlyingPete">FlyingPete</a></p>
<p>Crossposting von netzpiloten.de</p>
 
	<h4>Verwandte Artikel</h4>
	<ul class="st-related-posts">
	<li>Keine verwandten Artikel</li>
	</ul>

]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.digitalpublic.de/was-uns-wirklich-krank-macht/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>4</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Hallo Leute, es ist Trendtag</title>
		<link>http://www.digitalpublic.de/hallo-leute-es-ist-trendtag</link>
		<comments>http://www.digitalpublic.de/hallo-leute-es-ist-trendtag#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 18 Jun 2010 19:59:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jörg Wittkewitz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das Netz]]></category>
		<category><![CDATA[Die Gesellschaft]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.digitalpublic.de/?p=2545</guid>
		<description><![CDATA[… alle machen blau von Flensburg bis nach Oberammergau. Was muss mein entzündetes Bedeutungszentrum da erblicken? Einen Blogbeitrag des Trendtags  mit einem Interview mit Prof. Norbert Bolz, dem Robin Hood der schnell geschossenen Sätze. Er gibt von den Bedeutungsreichen und schenkt sich dem Bedeutungsarmen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/5/5b/WyattEarp.jpg" alt="" width="188" height="265" />… alle machen blau von Flensburg bis nach Oberammergau. Was muss mein  entzündetes Bedeutungszentrum da erblicken? Einen Blogbeitrag des <a target="_blank" href="http://www.trendtag.de/blog/prof-norbert-bolz-es-geht-um-spass-an-der-komplexitat/">Trendtags</a> mit einem Interview mit Prof. Norbert Bolz, dem Robin Hood der schnell  geschossenen Sätze. Er gibt von den Bedeutungsreichen und schenkt sich  dem Bedeutungsarmen.</p>
<p>Denn der Trendtag hat auch Stowe Boyd und all die Knowledge Flow  Experten gehört und gelesen und stellt in totaler Unkenntnis des  Konzepts die beiden sich aussschließenden Begriffe “Flow” und “Control”  gemeinsam in den aktuellen Slogan. Warum? Das erklärt eben jener  Professor des <em>Wyatt Earp</em>-Denkens mit rauchenden Colts:</p>
<blockquote><p>“Das Grundproblem ist, dass in der modernen Welt  Stabilität nicht mehr durch feste Strukturen erreicht werden kann,  sondern nur in dynamischen Formen.”</p></blockquote>
<p>Ähm. Lieber junggebliebener Dozent, ein kleiner Blick in das  umstrittene Online-Lexikon Wikipedia hätte Schlimmeres verhindert: <em>Stabilität  ist die Fähigkeit eines Systems, nach einer Störung wieder in den  Ausgangszustand zurückzukehren</em>. Per definitionem ist Stabilität  also nichts Festes – und eine Form schon mal gar nicht sondern ein  Zustand. Aber der begeisterte Selbstdenker macht offenbar keine so  großen Unterschiede zwischen Form und Zustand.</p>
<blockquote><p>Der „Flow“, der Fluss, wird zum Normalzustand. Es gibt  nur noch dynamische Stabilität.</p></blockquote>
<p>Was – wir oben gesehen haben  – ein weißer Schimmel, ein junges Baby,  ein stinkender Munsterkäse ist – eine Tautologie.</p>
<blockquote><p>Wir müssen lernen, mit einem nie abreißenden Strom von  Informationen und Optionen umzugehen.</p></blockquote>
<p>Soll ich das jetzt so verstehen, dass man seit dem Internet nicht  mehr seine Ohren zuklappen kann und auch nicht mehr die Augen schließen  und den Mund halten, wie es unsere Vorfahren – die drei Affen – noch  konnten? Wenn es so ist, dann haben ja alle Kinder, die ihre Kindheit  vor der elektrischen Oma verbracht haben in der Tat einen Vorteil. Aber  dann sind schon die Baby Boomers “Informational Natives”, oder nicht?  Oder ist das wilde Herumzappen im Fernseher kein “nie abreißender Strom  an Information”? Halt. Ich meine mich zu erinnern, dass es auch dort  einen magischen Knopf gibt, auf dem außerirdische Kulturen Symbole wie  I/O oder auch ON/OFF hinterlassen haben.</p>
<blockquote><p>Das gilt bei genauerer Betrachtung genauso für Geldflüsse  wie für die Karrieren der einzelnen Menschen oder für die  Zusammensetzung unserer Lebensgeschichten. All das entfernt sich immer  weiter von selbstverständlichen, festen Strukturen.</p></blockquote>
<p>Da hat der hoch intelligente Professor aber mal messerscharf  analysiert. Früher, als die Fugger und der Papst praktisch die einzigen  waren, die Gelder austauschten, da waren die Flüsse noch sowas von fest.  Und heutzutage fliessen die Mitarbeiter hin und her wie die Wellen am  Strand. Genau das haben Hagel und Boyd mit information und knowledge  flow gemeint… Eine Karriere ist das Herumfliessen der Menschen von einem  Ort zum anderen. Aha.</p>
<p>Und dann kommt der akademische Offenbarungseid. Denn das Flowkonzept  von Mihaly Csikszentmihalyi hat er offenbar nie gelesen oder nie  verstanden. Ja, in den Achtzigern war aber auch noch kein dynamischer  Fluß, weil das Internet noch ganz weit weg war. Das entschuldigt ihn.  Also, der Ungar beschrieb auf der Basis der Arbeiten von Kurt Hahn und  Maria Montessori einen Zustand des Tätigkeitsrauschs, der bei  Risikosportarten genau im mittleren Bereich zwischen Unter- und  Überforderung auftritt. Ältere Leserinnen werden diesen Zustand von  ihren Männern kennen, die an Modelleisenbahnen oder ihren Motorrädern  herumbasteln und für Kaffee, Kuchen oder gar Gespräche in keiner Weise  zugänglich sind. Die Pseudopsychologie spricht von einem Harmoniezustand  zwischen dem limbischen System und dem kortikalen System, zwei  organischen Strukturen im Gehirn, denen seit den 80er Jahren emotionale  bzw. verstandesmäßige Informationsverarbeitung zugeschrieben werden. Da  Harmonie aber keine physische Kategorie ist – außer vielleicht in der  Akustik (Schallwellen!) – kann man solche naturwissenschaftlichen  Entitäten wie Gehirnstrukturen nur unter Zuhilfenahme des esoterischen  Glaubens mit musikalischen Kategorien verbinden. Eigentlich ist Harmonie  eher ein ästhetischer Begriff. Diese Kategorie ist aber nicht anwendbar  auf physikalisch messbare Körper. Denn sie ist die Aneignung derselben  als mentale Repräsentation. Insgesamt ist Csikszentmihalyis Konzept  nicht unumstritten und wird in der trivialen Psychologie der Ratgeber-  und Selbstmanagementbücher oft anzufinden sein ohne besondere  wissenschaftliche Analyse oder Begründung. Schlimm sind dann solche  Verharmlosungen von Zwangserkrankungen, wie Bolz das Konzept hier  exemplarisch mißversteht:</p>
<blockquote><p>Das große Verdienst dieser psychologischen Arbeit ist, zu  zeigen, dass „im Fluss zu sein“ keine Bedrohung ist, sondern der  eigentliche Glückszustand. Als Beispiel könnte man den Workaholic  heranziehen, den man sich nicht als Süchtigen, sondern als glücklichen  Menschen vorstellen kann.[...] Ziel ist, Selbstverwirklichung nicht auf  den Feierabend zu verschieben, sondern dass praktisch die ganze Existenz  in einer solchen Fließbewegung erlebt wird.</p></blockquote>
<p>Was genau all dies mit Flow Control zu tun hat, erschließt sich kaum.  Ein Glück, dass der linksradikale Manuel Castels auch auf dem Trendtag  sprechen wird. Er hatte ja bereits vor 20 Jahren eigenwillige Thesen zum  Web und der Gesellschaft aufgestellt. Ob Herr Bolz das aber inhaltlich  erfassen kann, ist bezweifelbar. Denn auf die Frage, was einem Menschen  die Fähigkeit verleiht, Glück statt Überforderung zu erleben, antwortet  er, sagen wir mal, kreativ.</p>
<blockquote><p>Im Wesentlichen geht es um das Vermögen, mit Unvorhersehbarkeit umgehen  zu können. Man kann prinzipiell nicht voraussagen, wie sich die Dinge  oder das eigene berufliche Schicksal entwickeln. Aber eines ist auf alle  Fälle klar: Egal, was kommt, man muss reaktionsfähig sein. Sicherheit  entsteht nicht mehr von außen, sie muss von innen kommen – als eigene  Reaktionsfähigkeit oder Geis­tesgegenwart. Man könnte auch sagen, es  geht darum, Spaß an der Komplexität zu haben. Es gibt Leute, die Angst  vor der Komplexität haben. Sie wollen alles vereinfachen, sie leben nach  der Devise „Simplify your Life“. Und dann gibt es Menschen, die  Komplexität als Chance sehen, neugierig werden, ein Rätsel lösen wollen.  Das ist der große Mentalitätsunterschied</p></blockquote>
<p>Die Geistesgeschichte kennt diese Unvorhersehbarkeit als Kontingenz,  die in ihrer banalen Form als Zufall in die moderne Denkwelt Einzug  hielt. Aus logischer Sicht bezeichnet es eine Existenz, die weder wahr  noch falsch ist – sogar gar nicht sein könnte. Glück nun angesichts der  menschlichen Schicksalsergebenheit gegenüber den großen Bewegern wie  Gott, Zufall, Naturgesetze oder ähnlichem als reaktionsfähig zu  bezeichnen, rückt das Glück in eine verdächtige Nähe zum Adjektiv <em>lebendig</em>,  denn nur tote (feste?) Materie reagiert nicht auf zufällige Einflüsse  wie Regen, Donner, Liebe oder Beschimpfungen.</p>
<p>Und dann kommt das Wort, ohne das man heute praktisch gar keine  Meinung mehr formulieren kann. <strong>Komplexität</strong>. Bolz  bezeichnet den Spaß an diesem Amalgam aus Elementen und Strukturen als  innere Reaktionsfähigkeit. Und dann entwertet er diejenigen die  vielfältige Gebilde vereinfachen wollen, die aus ineinanderverwobenen  Einzelteilen bestehen, die fast undurchschaubar verheddert sind. Der  Begriff Komplexität ist zum Glück nicht Teil dieser  Vereinfachungstendenz. Ein Glück. Zumindest glaubt Bolz das. Aber wenn  man Komplexität als Rätsel auffasst, mag das stimmig sein. Das ganze  Leben ist ein Quiz, und wir sind nur die Kandidaten. Und wie man das in  der Prxis umsetzen könne, will der/die Interviewer/in wissen.</p>
<blockquote><p>Natürlich eine gewisse Ausbildung und Bildung. Dann ist  ein großes Maß an Sozialität, also eine Lust an der Geselligkeit,  notwendig. Man muss auch eine Art „Gadgetlover“ sein, also Spaß an den  Kommunikationstechnologien selbst haben. „To work the network“, am  Netzwerk selbst mitarbeiten – wenn man das gern macht und auch kann, hat  man alle Chancen, zu den glücklichen Workaholics zu gehören.</p></blockquote>
<p>Nee, ist klar. Wenn man ein Gadgetlover ist und das Netzwerk melken  kann, ähm werken, nein, also wenn man es arbeiten kann, dann klappt’s  auch mit dem Nachbarn. Genau, und dann wird man ein glücklicher  Zwangskranker, der seine stofflose Sucht ausleben kann, weil die  Gesellschaft – zumindest die Arbeitgeber solcher Charaktere – ihre Spaß  daran haben, wenn einer mit seiner Krankheit für den Profit Anderer  sorgt. Aha.</p>
<blockquote><p>Letztlich heißt das, zu einer Ich-AG zu werden, um ein  früheres Trendtagsthema zu zitieren.</p></blockquote>
<p>Also besser hätte ich das jetzt nicht zusammenfassen können.  Prekariat, dass sich selbst ausbeutet. Glückliche Workalholics. Das  nenne ich mal eine präzise ethische Durchleuchtung des marktliberalen  Menschenbilds. honi soit qui mal y pense.</p>
<p>Wer jetzt nicht weiß, was ich damit meine, dem erklärt Bolz das  haarklein im nächsten Absatz:</p>
<blockquote><p>In Deutschland ist das Sicherheitsdenken historisch sehr  stark verankert. Wir haben eine ungebrochene Tradition von Bismarcks  Sozialgesetzgebung bis zu Hartz IV. Deutschland ist das Land ohne  Revolution. Das bedeutet, dass die Deutschen für ihr „politisches  Wohlverhalten“ erwarten, dass der Staat als sorgender Vater für sie da  ist – egal, was im Leben geschieht. Dieser paternalistische Geist ist  sicher der größte Feind der Zukunftsfähigkeit, den es überhaupt gibt.</p></blockquote>
<p>Richtig. Darin sind sich alle einig, das Gutenbergs bewegliche  Lettern aber auch gar keine Revolution gegenüber der Macht des Vatikans  ausgelöst hat. Ach, Revolutionen könne nicht von einer technischen  Spielerei ausgehen. Oh. Scusi. Das hatte ich vergessen, dass  Revolutionen nur mit Blut und Pulverdampf funktionieren.</p>
<p>Genau, es war nicht die Rationalisierung durch Automatisierung und  Digitalisierung sowie das Verlagern der industriellen Produktion nach  Asien, was die Leute arbeitslos gemacht hat sondern deren Wunsch nach  Vater Staat, der alles bezahlt. Genau so war das! Und die Tatsache, dass  gut ausgebildete Absolventen Jahre lang als Praktikanten und in  Kurzanstellungen ihr Leben dahinfrissten und deshalb keine Familien  gründen oder Häuser bauen, das machen sie auch nur, damit sie von Zeit  zu Zeit auch mal ein bißchen Transferleistungen zwischen zwei Praktika  einstreichen können, weil doch die Eltern nur dann die Wohnungsmiete  übernehmen, wenn die Kinder von ihrem Praktikumsentgelt von 500 EUR  wenigstens das Essen und die Monatskarte selber zahlen mit einem Diplom  und vier Zusatzzertifikaten in der Tasche. Glückliche, arme Workaholics,  die sie sind. Und dann kommt eine Glorie auf Amerika mit seiner  Zweiklassenausbildung, seiner Zweiklassenberufswelt und seinen  Zweiklassenstädten. Dort vermutet Bolz trotz starker kreationistischer  Welterklärungen die alten transatlantischen Tugenden der  ähm…Atlantikbrücke:</p>
<blockquote><p>Die Amerikaner leben eine Vorstellung von  Selbstverwirklichung, die individualistisch und mit der Eroberung des  Neuen verknüpft ist. Dazu kommt ein unzerstörbarer Optimismus in die  technische Verbesserbarkeit der Welt. Auf der anderen Seite stehen die  Fehlerfreundlichkeit der amerikanischen Kultur und der Glaube, dass  Irrtümer zur Evolution dazu gehören.</p></blockquote>
<p>Und dann kommt der Nachweis, dass das Mittelmaß zwischen Unter- und  Überforderung des ursprünglichen Flow-Konzepts völlig über Bord gegangen  ist in einem großen Fanal des glücklichen Irren, ähm…falsch, es muss ja  jetzt heißen des völlig enthemmten Workaholics:</p>
<blockquote><p>[...] Was versteht man unter Exzellenz? Ich würde dem  Begriff der Exzellenz nicht Perfektion oder Optimierung zuordnen. „Flow“  heißt, dass Geschwindigkeit oft wichtiger ist als Qualität. In einer  modernen Gesellschaft ist die Orientierung an dem, was gut genug ist,  rationaler als die Orientierung am Perfekten. Und zwar, weil nur dann  die erforderlichen Geschwindigkeiten erreicht werden können und damit  die Rechtzeitigkeit von Innovationen, Ideen und Handlungen. Insofern  bedeutet das für mich in keinster Weise einen Widerspruch, sondern ganz  im Gegenteil: Exzellenz besteht gerade darin, zu sehen, was nötig ist.</p></blockquote>
<p>Amen.</p>
<p>Crosspost von netzpiloten.de</p>
 
	<h4>Verwandte Artikel</h4>
	<ul class="st-related-posts">
	<li>Keine verwandten Artikel</li>
	</ul>

]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.digitalpublic.de/hallo-leute-es-ist-trendtag/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>5</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Clay Shirky: Does the internet make us smarter?</title>
		<link>http://www.digitalpublic.de/clay-shirky-does-the-internet-make-us-smarter</link>
		<comments>http://www.digitalpublic.de/clay-shirky-does-the-internet-make-us-smarter#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 09 Jun 2010 18:47:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jörg Wittkewitz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das Netz]]></category>
		<category><![CDATA[Die Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.digitalpublic.de/?p=2540</guid>
		<description><![CDATA[Clay Shirky, der berühmte Redner zum Thema Social Web, hat sich einen Werbeartikel zu seinem neuen Buch geschrieben – und zwar im Wall Street Journal. Offenbar spricht er jetzt nicht mehr zur Gemeinde sondern zu seinen zukünftigen Beraterkunden. Das könnte erklären, warum der Artikel so seltsam platt und unausgegoren daherkommt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a target="_blank" href="http://www.digitalpublic.de/wp-content/uploads/2009/03/clay-shirky.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-999" title="clay-shirky" src="http://www.digitalpublic.de/wp-content/uploads/2009/03/clay-shirky.jpg" alt="" width="129" height="129" /></a>Clay Shirky, der berühmte Redner zum Thema Social Web, hat sich einen  Werbeartikel zu seinem neuen Buch geschrieben – und zwar im <a href="http://online.wsj.com/article/SB10001424052748704025304575284973472694334.html">Wall  Street Journal</a>. Offenbar spricht er jetzt nicht mehr zur Gemeinde  sondern zu seinen zukünftigen Beraterkunden. Das könnte erklären, warum  der Artikel so seltsam platt und unausgegoren daherkommt.</p>
<p>Einmal mehr wird die Erfindung der beweglichen Lettern durch Gutenberg  zum Brandbeschleuniger der Emanzipation der Gesellschaft erklärt. Ohne  den  Buchdruck, so Shirky, wäre der Siegeszug der Reformation kaum so  verlaufen. Das intellektuelle Leben Europas wurde durch die Flut an  Publikationen in tausend Teile zerlegt und Chaos sei die Folge gewesen.  Aus Shirkys Sicht ist das, was folgte, nämlich unsere neue Ordnung des  Geschriebenen in fiktionale und nicht-fiktionale Druckwerke einfach eine  neue Normierung, die das intellektuelle Leben befruchtete und nicht  hemmte. In einem Analogieschluß sieht er auch das Web als so eine  technisch inspirierte Revolution, die durch Wikipedia, ushahidi und  andere Web-Projekte unser intellektuelles Leben auf eine neue Stufe  hebe.</p>
<p>Da kommen mir doch erste Zweifel. Eine derart geringe mentale  Differenzierungsleistung hatte ich Shirky gar nicht zugetraut. Ushahidi  (swahili für Zeugenaussage) ist eine Web Plattform, die 2008 in Kenya  während der Unruhen nach den Wahlen benutzt wurde, um in Echtzeit und  mittels web oder  Handy direkt auf einer Karte auf dieser Website  anzuzeigen, wo gerade Gewaltverbrechen stattfinden. Der Ursprung liegt  im Kenianischen Bürgerjournalismus. 45.000 Menschen machten damals  Gebrauch von diesem Mittel, um dem eigenen Land, Journalisten und den  Politikern den aktuellen Stand darüber zu zeigen, in welchen Regionen  was passierte – direktes, soziales Feedback der Bürger in Echtzeit!  Schutz und Kontrolle von und durch Menschen von nebenan.</p>
<p>Wikipedia ist ein sehr kleiner Zirkel von arrivierten Freiwilligen, die  in jedem Sprachgebiet hoheitlich darüber wachen, was zu einem bestimmten  Begriff im Online-Lexikon steht. Diese Texte sind sehr weit von einer  Echtzeit-Dokumentation der Diskussionen über ihren Inhalt entfernt.  Nicht selten werden die Modernisierungen und Korrekturen, die Fachleute  durchführen wollen, durch die “Alten Hasen” wieder zurückgenommen. Sie  rekrutieren sich nicht selten aus akademischem Personal. In Deutschland  funktioniert das akademische Leben aber noch immer sehr stark nach dem  Prinzip Gehorsam. Das heißt, dass in nicht wenigen Fachbereichen  diejenigen zügig einen Doktorvater bekommen, die sich seinen/Ihren  Wünschen besonders gut anpassen. Das führt nicht selten dazu, dass die  wirklich guten und klugen Köpfe ihre postgradualen Abschlüsse im Ausland  oder an fremden Unis erwerben müssen – oder es einfach aufgeben. Diese  Hierarchiestruktur aus dem 19. Jahrhundert hat sich auch zum großen Teil  bei der Wikipedia etabliert. Bürgerjournalismus, bzw. in diesem Fall  Bürgerexpertise findet also mitnichten in einer vergleichbaren Weise  statt wie bei ushahidi. Auch wenn man die amerikanische Wikipedia etwas  anders sehen muss hinsichtlich der Offenheit der Strukturen.</p>
<p>Der wesentlichw Punkt ist jedoch, dass man keine neue Art von  intellektuellem Leben durch das Web postulieren kann, ohne die  Normierungsphase (fiktionales und nicht fiktionales Schreiben)  abzuwarten, die vom Web ausgeht, wenn der Vergleich zwischen  Gutenberggalaxis und Webgalaxis überhaupt bestand haben soll.</p>
<p>Der Hinweis von Shirky, dass Peer Review (also das Begutachten von  wissenschaftlichen Arbeiten im Kreis der weltweiten wissenschaftlichen  Gemeinde) die Qualität oder Verlässlichkeit der wissenschaftlichen  Revolution via Web regelt, hinkt. Man braucht dieses Argument gar nicht  per Wikipedia zu verlängern. Denn schon im postmodernen Methodenkanon  der Wissenschaftstheorie klappt dieses Postulat als  Verbesserungsmechanismus nur allzu selten. Denn es wird enorm viel  publiziert. Und diejenigen, die wirklich Erfahrung, Expertise und  akademische Renommee (also die Mittel haben) um Zweifel zu überprüfen,  müssen ihrerseits sehr viel Zeit aufwenden, um selber viel Neues zu  publizieren. Zeitmangel und Oberflächlichkeit sind die Folge. Die Flut  der Wissensausflüsse in Wissenschaftsmagazinen hat es schon vor dem Web  gegeben. Und auch die Ohnmacht vieler Fachbereiche, all die Arbeiten  wirklich ausreichend mit Experimenten oder anderen Prüfverfahren auf  Herz und Nieren zu validieren. Da hat das Einbeziehen Freiwilliger bei  Wikipedia in keiner Weise eine neue Qualität entfacht, die auf das  intellektuelle Leben neuartig normierend zurückwirkt. Lediglich der Ton  der “internen” Diskussionen wird bei Wikipedia nicht selten unsachlich,  persönlich und prädemokratisch geführt. Es liegt also eher eine  Regression als eine Weiterentwicklung vor.</p>
<p>Auch der Hinweis auf open source, die ohne Managerkontrolle sozusagen  einfach so aus einer Gemeinschaft Freiwilliger emergiert, läßt den  Hinweis zu, dass Shirky entweder wirklich glaubt was er schreibt oder  eine Mission hat, die er nicht verrät. Gerade die bekannten Open Source  Projekte sind deshalb noch immer erfolgreich, weil sehr wenige Köpfe  entscheiden und kontrollieren, was wie realisiert und integriert wird.  Stellvertretend möge sich der geneigte Leser die Entwicklung von Linux  genauer ansehen. Die Abwesenheit von “managerial control” wie sie Shirky  beschreibt ist dort mitnichten erkennbar sondern – im Gegenteil – ist  der Fokus auf wenige Entscheider eher der Grund für den lang anhaltenden  Erfolg.</p>
<p>Das Problem der Zerstreuung des intellektuellen Fokus, dass schon  Schirrmacher wie eine Monstranz vor sich hertrug, bewertet Shirky als  eien historische Konstante, die auch schon den Buchdruck begleitet  hatte, als er schreibt, dass es bereits 100 Jahre vor den ersten  wissenschaftlichen Magazinen erotische Literatur gab. Ich würde da zwar  eher an anthropologische Konstanten denken oder an Maslows  Bedürfnispyramide, aber Schwamm drüber. Shirky meint, dass die Antwort  auf die mentale Zerstreuung durch die vielen Informationsquellen in  sozialen Strukturen läge. Schirrmachers Ängste würden unterstellen, dass  in der Vergangenheit alles perfekt gelaufen ist hinsichtlich des  Umgangs mit Wissen, dass wir aktuelle Leser nur dummen Quatsch vorfinden  und dass die aktuelle Generation keine neuen Normierungsvorgänge  realisiere.</p>
<p>Shirky erklärt, dass wir kurz vor dem Siegeszug des Web, also in den  Achtzigern des letzten Jahrhunderts deutlich weniger gelesen haben, weil  wir mehr vor der Glotze saßen, womit das erste Argument der  Webpessimisten widerlegt sei. Der gegenwärtige (verwerfliche) Fokus auf  Wegwerf-Medieninhalte hätte anders als sonst eben den Vorzug zum  Wegwerfen gemacht zu sein – man könne also sowohl in Buchläden wie auch  im Web verfolgen, dass der Mist, der überflüssig sei, sehr schnell  wieder verschwinde. Man müsse sich also nur auf das konzentrieren, was  bliebe. Der einzige Stress, dem wir ausgesetzt seien, sei der, dass wir  die Generationen seien, die erlebten, dass alte und neue Institutionen  parallel um unsere Aufmerksamkeit buhlten. Dieser Überfluß aber sei kein  Übel. Wir müssten einfach angesichts der neuen technischen  Möglichkeiten neue Institutionen und neue Fähigkeiten entwickeln wie wir  das schon einmal taten.</p>
<p>Ja, das haben wir eigentlich schon vor 10 Jahren ziemlich genauso  überall gelesen. Leider tun sich gerade diejenigen, die sehr  hoffnungsfroh und voller Zuversicht über die Chancen des Web sprechen,  sehr schwer damit, neuen Fähigkeiten und Institutionen klar zu benennen.  Shirky bleibt ein weiteres Mal im Nebel, den auch schon sein  Counterpart Nicholas Carr verbreitet. Einfach ein paar Projekte  aufzuzählen und in eine Argumentationkette einzubauen, erinnert stark an  das Schirrmachersche Indienstnehmen beliebiger Experimente, um seinen  Meinungen einen positivistischen und damit irgendwie faktischen Anstrich  zu verleihen. Aber Meinungen werden durch Fakten nicht zu begründeten  Annahmen oder gar Hypothesen. Sie müssen auch eine Fähigkeit haben,  Phänomene zu erklären. Diese Aufgabe eines Denkmodells fehlt noch immer –  sowohl bei den Adepten des Web wie bei den Bedenkenträgern. So  verbleibt der intellektuelle Diskurs zum Thema soziale Struktur Web in  einem Sammelsurium aus Kennst-Du-noch-nicht und darauf aufbauenden  Tastbewegungen der Selbstvergewisserung. Macht wenig Zuversicht.</p>
 
	<h4>Verwandte Artikel</h4>
	<ul class="st-related-posts">
	<li>Keine verwandten Artikel</li>
	</ul>

]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.digitalpublic.de/clay-shirky-does-the-internet-make-us-smarter/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
