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"Zur ganzen Wahrheit gehören zwei – einer, der sie sagt und einer, der sie versteht." Henry David Thoreau

Digital 2.0: Obamas Soziale Werkzeuge

13 Millionen Anhänger auf einer Mailingliste. 3 Millionen SMS-Abonnenten. Dies war der harte Kern, den Obama sowieso nicht mehr überzeugen musste. Aber wie nutzte er Web 2.0 Technologien? Es ist einfacher als es in Deutschland angenommen wird.

1. MyBarackObama:

Obama verfügte über sein eigenes “Facebook”, also ein eigenes Soziales Netzwerk mit den üblichen Widgets (kleine frei konfigurierbare Funktionen wie Eventlisten, Chats, Fotogallerien, Diskussiongruppen, Video/Audioupload und Dateiarchive). Dieser “Walled Garden” bildete einen abgeschlossenen Raum. Anders als bei Facebook oder Myspace waren die Inhalte gar nicht öffentlich sichtbar. Dadurch konnte sich ein gewisses elitäres Gefühl bilden, dazuzugehören. Es konnte sich zwar jeder anmelden, aber das tut nun mal nicht jeder. Mal eben reinschauen ging also nicht.

2. Facebook

Obamas Kampagen baute sich rund um sein Profile auf. Er hat 3 Millionen Facebook-Freunde*. Nachrichten von diesem Konto erreichten immer ihren Adressaten – kein SPAMfilter! Schon sehr früh gründeten seine Mitarbeiter Profile von lokalen Obamagruppen. Neue Inhalte, Diskussionen und Spendenaufrufe fanden hier statt. Die Kampage bekam dort ein eigenes Profil mit fast allen Eigenschaften die ein normaler Facebooknutzer auch hat. Allerdings mit dem Unterschied, dass die Pinwand – also die persönlichen Nachrichten anderer Facebooknutzer – voller Informationen war: Spendensummen, Durchhalteparolen, Sympathiebekundungen und eben auch Kritik. Und die meisten wurden vom Obamateam auch beantwortet bzw. direkt in Aktionen umgewandelt. Das heißt, sie wurden angeschrieben, ob und in welcher Weise sie Informationen wollten oder Badges (virtuelle Aufkleber für Websites und Profilseiten) auf ihren Profilen. Und natürlich wurden Sie um Spenden gebeten. Das heißt jeder einzelne Kontakt wurde mit einer Reihe von Aktionen eingebunden. Wenn ein Facebook-Mitglied sich einschrieb, wurden automatisch alle seine Kontakte über den Newsfeed darüber informiert (wir kennen das von Xing in “Neues aus meinem Netzwerk”). Das Widget “Obama Facebook App” verbreitete alle Kampagneninformationen über das gesamte Netzwerk binnen kürzester Zeit. So wurden alle Diskussionspunkte und Vorwürfe aus den gegenerischen Kampagnen binnen Minuten beantwortet und die “Freunde” Obamas hatten genug Munition für die Stammtische rund um Amerika. Wo lassen Sie denken?

3. MySpace

Wer Facebook und MySpace kennt, wird mir zustimmen, das man auf MySpace bedeutend mehr Möglichkeiten hat, seine Profilseiten den eigenen Wünschen anzupassen – hinsichtlich des Aussehens wie auch der Funktionen. Denn hier kann man ohne Probleme einfach Formulare für die Aufnahme in den Newsletter oder direkte Links zu externen Inhalten – wie den Obama Websites integrieren. Werden bei Facebook noch alle links im Hintergrund verbunden, sieht der MySapcenutzer die direkte URL der verlinkten Quellen und ist danach nicht mehr auf Plattformen angewiesen, wenn sie/er die Inhalte ansteuern will. Es herrscht also mehr Transparenz. Und hier nahm auch die Pin-Sucht inflationäre  Ausmaße an(wer mal auf einem Messestand gearbeitet hat, kennt das abendliche Klingeln in Ohren von dem stereotypen Satz vieler Messebesucher: “Haben Sie Pins?” – das sind diese kleinen Anstecklogos). Denn bei MySpace kann jeder seine Grafiken und Badges online stellen und es erfordert keine besonderen Kenntnisse, sie in das eigene Profil einzuarbeiten. Bei Obama waren die natürlich oft mit dynamischen Inhalten gespickt, die von außerhalb gesteuert werden konnten.

4. Black Planet

Es gibt ein eigenes Social Networking Tool der Afroamerikaner namens Black Planet, das sich kaum von der vorherigen unterscheidet. Abgesehen von der reduzierten Nutzerzahl. Allerdings wurde hier sofort und umfassend die gesamte Kampagne sehr breit mitgetragen und ausführlich diskutiert. Viele Nutzer des Black Planet sind auch in anderen Netzwerken engagiert und haben so die Konversion von digitaler zu realer Handlung intensiver mitgetragen als in anderen Netzwerken.

Fazit: Wenn Politiker in der Lage sind, Badges und Widgets in solchen Online-Communities zu erstellen und einzusetzen, dann kann man gut erkennen, dass es so schwer nicht sein kann. Das sollte Anlaß sein, seine Strategien hinsichtlich der Sozialen Netzerke zu überdenken. Denn fast jeder Politiker und fast jedes Unternehmen hat Unterstützer und Fans irgendwo. Wenn die das Profil finden und es ihren Freunde empfehlen, entsteht ein neuer virtueller tribe. Wenn man schlau genug ist, dieses Momentum auszunutzen und sinnvoll und transparent Informationen zu verteilen und zu diskutieren, dann läßt sich auf dieser Basis ein Nukleus entwickeln, der unter Umständen zu einem Selbstläufer wird. Bedenken wir, dass Offenheit und Glaubwürdigkeit die Grundlage solcher Kampagnen bilden müssen, sonst entlädt sich Hohn und Spott über die Initiative und man hat das Gegenteil von dem erreicht, was gewünscht war. Obama in Zahlen:

  1. 13 Millionen E-Mail Accounts registriert für Mailings (ca. 7000 verschieden Mails)
  2. 3 Millionen SMS-Abonnenten
  3. 5 Millionen Freunde auf mehr als 12 Sozialen Netzwerken wie Facebook und MySpace
  4. 3 Millionen Spender
  5. 2000 offizielle (!) Youtube Video, die insgesamt 80 Millionen mal angeschaut wurden
  6. circa 400.000 selbsterstellte Nutzervideos
  7. 400.000 Blogeinträge von 2 Millionen Nutzern auf den Obama-Websites
  8. 8,5 Millionen monatliche Besucher auf den Obama Websistes

Schlußbemerkung: Obama hat unter http://www.whitehouse.gov/ weiterhin sein eigenes Blog ohne Kommentarfeld, dass er weiter befüllen (lassen) wird. Jetzt als Präsident ist es also etwas weniger sozial geworden um Obama. Der Blackberry wird wohl auch eher anderweitig gebraucht werden. Über den RSS-Feed kann dort jeder das Neueste aus dem Weißen Haus erfahren. Immerhin, das ist geblieben. Wir bleiben dran.

Im Dritten Teil geht es weiter mit abstrakten Theorien und praktischen Handlungen für eine Online Kampagne. Und er vierte und letzte Teil wird speziell auf die gesellschaftlichen und psychologischen Aspekte eingehen.

Obama I: Obamas Soziale Werkzeuge

Obama II: Obamas Konzepte für Online-PR und Online-Marketing nutzen

Obama III: Social Media als Beginn direkter Demokratie

* Jose Antonio Vargas: “Obama raised half a billion online”
Autor: Jörg Wittkewitz. Alle Rechte vorbehalten.
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Folgende Schlagwörter: Die Kommunikation, Konzepte, Obama, Online-Marketing, Online-PR, Politik, social software, Web 2.0

3 Kommentare

  1. Obama rulez. Cool. Können sich andere ne Scheibe abschneiden.

  2. Sagen wir es mal so, die Playstation 3 hat auf Facebook über 178.000 Freunde. Also ich meine das Profil der Playstation3. Es ist also eher etwas gestrig, zu glauben, wir könnten hier mal so ein bißchen über Soziale Netzwerke lächeln oder es gar als Spielzeug abtun. Es ist wichtig bei Leuten bis circa 40 Jahren, twitter wächste gerade in astronomische Höhen und auch in noch in andere Zielgruppen und wird hierzulande fast noch gar nicht als neuer Marketing/PR-Kanal erkannt. Gib einfach mal ein paar Firmennamen und Produkte bei den Social Nets ein. That is NOT future it happens now. Der einzige Weg dem zu begegnen ist: Execute it!

  3. Hallo Jörg!

    Weiter so. Sowas habe ich schon immer gesucht. Warum hat das noch keiner gemacht? Wo hast Du denn die Zahlen her, ich war ja immer skeptisch wg. Soziales Web. Man muss wohl auch zugeben, dass in USA die Uhren anders ticken, aber ist schon bedenkenswert, sowas mal auf die Beine zu stellen. Gibt es Erfahrungen,wie das etwas hier in Deutschland oder Europa gelaufen ist? Ich meine im deutsche Facebook? Nutzt das jemand als Marketing oder Kampagenentool?

    Tschö

    Babette

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