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"Si latet ars, prodest" Ovid

Die Aufkläriker – Psalm I, Vers 1

Und so hingen sie denn in den Seilen und verpafften all das schöne Geld, das sie früher säckeweise in die Steueroasen nach Andorra, nach Jersey oder die Cayman Islands verbrachten. Es ward ihnen eine Nachricht geboren worden von der unheiligen Wirtschaftskrise. Man jammerte und palaverte gar vierhundert Tage schon über diese achte Plage, die über sie gekommen worden sein sollte. Aber die Steimetzen konnten kein Unheil erkennen in den vielen Heuschrecken, die seinerzeit über Land zogen. Sie fanden in allem, was stattfand einfach nur einen neuen Grund die Welt aufzuschreiben für diejenigen, die wegen ihrer Arbeit kein Auge für die Welt haben konnten.

Und so schlugen sie weiter mächtig den Fäustel, auf dass die Lettern nur so herumflogen. Und alsbald hatte sich eine Nachricht verbreitet wie eine Steinplatte: Es waren nur diejenigen schlecht gelitten, die mit ihrem eigenen Geld gespielt hatten. Diejenigen, die mit dem Geld der anderen spielten, waren in lustiger Runde beisammen und durchzechten so manche Nacht.

ruineDie Herren der Steinplatten reduzierten die Steinmetze, setzen sie auf Wasser und Brot und rationierten sogar deren Sonnenschutz, damit sie mehr und bessere Buchstaben schreiben sollten. Wagemutige Helden erfanden neue Formen der Steintafeln, die das Lesen zu einem besonders attraktiven Erlebnis machen sollten. Sie erfanden sogar viele verschiedene Ort des Lesens, in der guten Stube, bei der Arbeit sogar kleine Ausgaben der Lettern zum Mitnehmen wurden verbreitet, auf das man die wohlbestallte Kunde vernehmen sollte auf der ganzen Welt.

Als man nach Tausenden Jahren fragte, warum denn nun im zweiten Jahrtausend immer noch soviele Ideen und Meinungen zu bezahlten Buchstaben verwandelt wurden, da kamen die weisen Männer und erklärten den Ursprung der goldenen Buchstaben:

Einst hatten diese Völker unter der Knute eines mächtigen Gottes gelebt, der nicht mit den Völkern direkt sprach, sondern nur über besondere Männer. Eigentlich war es auch nicht der Gott, der die Knute schwang sondern die Herren des Gotteswortes, die zusammen mit den Herren des Schwertes den Arbeitenden auf den Äckern und in den Minen ihre Vorräte raubten, um daraus Schlösser und feinen Tand zu weben.

Die Reitervölker, die nur mit Pfeife, Schwert, Helm und Pferd zurecht kommen mussten, nahmen, was sie brauchten. So baute man große Mauern gegen die Sklaven- und Beutejäger. Innerhalb der Mauern glaubte man sich sicher. Aber dort waren auch Slaven- und Beutejäger, die sich von den Reitervölkern etwas Besonderes abgeguckt hatten. Man nannte es Privateigentum. Es wurde bei den Reitervölkern ins Grab gelegt, damit es den Weg ins jenseits fand. Die Menschen innerhalb der Mauern gaben sich aber nicht mit dem zufrieden, was man am Leibe trug; und erst recht nicht mit dem, was jetzt im Moment passierte. Sie wollten die Sklaven an sich binden. Das gelang mit verführerischen Ideen, die die Leute bezauberten. Man erfand Wege, um besonders bezaubernde Ideen über den Tod hinaus zu tragen wie die Helme und Schwerter der reitenden Horden. Die Jünger und Prediger des einen Gottes hatte lange Seite an Seite mit den Gutsbesitzern und dem gemeinen Volk gekämpft gegen die Reiter. Dann aber hatten sie eine Idee. Sie erfanden das Liespulver.

Mit diesem Liespulver konnte man Köpfe zum Explodieren bringen. Man konnte Knechte zu Herren machen und umgekehrt. Deshalb durften nur besonders ausgebildete und von den höchsten Priestern geweihte Menschen zum Aufseher über das Pulver werden. Man nannte sie Sprengmeister.

Als aber genug Köpfe explodiert waren, da formte sich die Idee, dass eigentlich jeder selbst ein Abbild dieses einen Gottes war und deshalb Teil der Schöpfung war und selber Buchstaben zu Ideen, Sagen, Lehren oder gar Wirklichkeiten formen könnte. Innerhalb der Mauern kam es zum Kampf und einige Priester, die sich dem gelehrten Volk nahe fühlten, riefen die Revolution gegen die alten Kirchenherren aus (eigentlich war das den Herren der Schwerter ganz recht, weil sie dann weniger Konkurrenz hatten).

Am Ende rief man nur noch aus, dass jeder ein ICH sein und von nun an selber bestimmen müsse, welchen Weges er gehe und woher er komme. Das verunsicherte die Menschen ein bißchen, hatten sie doch jahrhundertelang immer in das Buch namens Bibel geschaut, um zu sehen, wie etwas zu deuten sei.
Das machten sich die ehemaligen Sprengmeister zunutze und nannten sich fortan Lehrmeister und schrieben bis zum heutigen Tag einen Text nach dem anderen, um den Menschen da draußen den rechten Weg zu zeigen. Man wurde reich damit, weil es so wenige Leute gab, die Bücher bauen konnten.

Dann kam ein neues Buch auf den Markt, das mit einer Leuchte und einem weltweiten Kabel verbunden war. Dieses Buch war anders. Jeder konnte darin schreiben. Das war faszinierend. Aber wer selber schreibt, der liest weniger. Außerdem waren nun keine einzigartigen Menschen mehr innerhalb der Mauern, weil ja jeder so ein Buch machen konnte. Und es gab auch keine Mauern mehr, weil seit vielen Jahrhunderten die Menschen frei reisen konnten ohne Angst vor den Horden zu haben. Wo waren die Horden geblieben? Sie lagen lange vor Madagsaskar und hatten die Pest an Bord. Aber eines Tages befahl ihr Admiral, dass sie nun auch freie Händler sein konnten, was so etwas ähnliches sei wie freie Bürger. Da ritten die Horden wieder über die Welt und hieben keine Köpfe ein sondern brachten den günstigsten Tand, den Menschen bauen konnten in jeden Winkel der Erde.

Und die Buchstaben? Sie tragen noch immer die Gedanken über den Tod hinaus in alle Welt. Aber wer dachte, man könnte wie die Horden einfach seinen Stabensalat in die ganze Welt tragen, der hatte sich getäuscht. Denn die Menschen hatten eigene Denker und Schreiber gefunden und mussten nun nicht mehr seitenweise unwichtiges Zeugs einkaufen um zwei tolle Artikel zu finden. Es war wie im Paradies, denn die industrielle Revolution hatte einen würdigen Nachfolger gefunden: die individuelle Revolution.

War das Individuum ein kluger Schachzug der Herren der Schwerter gewesen, um die Kirchenfürsten ein für alle Mal loszuwerden, hatte die individuelle Revolution am Ende das Individuum als allmächtiges Abbild des einen Gottes auch noch abgeschafft. Ein Mann namens Nietzsche hatte schon vor langer Zeit eine Grante in den Garten der Geschichte geschmissen und zufällig den Gott getroffen. Der Mensch wurde also wieder zum Wesen des Hier und Jetzt. Er fand Gruppen und Gemeinschaften, die wuchsen und schrumpften und Staaten nur noch anhand von Themen und Aufgaben lenkten. Abstraktionen wurden wieder vorsichtig zurück in die Schädel der Menschen gelegt, wo sie im Frühjahr zu herrlichen Blütenstauden heranwachsen.

Den Rest, lieber Kinder und Kinderinnen, kennt ihr. Denn danach begann unsere Zeit. Die Zeite ohne das Werden. Denn ehrlich gesagt, wer soviel Zeit hat, um seinen Grillen zu folgen und sie sogar aufzuschreiben, der hat das Paradies schon längst erreicht. Bis die Menschen merkten, dass Ihr Wunsch, anders zu sein, die Ursache ihrer Leiden war, dauerte es noch bis zu unserer Zeit – also bis fast ins Jahr 2600 nach dem Erfinder des Ich.

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  1. links for 2009-11-04 « Nur mein Standpunkt

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