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"Zur ganzen Wahrheit gehören zwei – einer, der sie sagt und einer, der sie versteht." Henry David Thoreau

BND: Journalisten bespitzeln sich untereinander

ueberwacherEnde Februar beschäftigte sich der BND-Untersuchungsausschuß mit der Bespitzelung von Journalisten durch Mitarbeiter des BND. Die Fälle Koelbl und Schmidt-Eenboom zeigten einmal mehr, wie freie und angestellte Journalisten in die Raster der Schlapphüte gelangen und nach undichten Stellen im BND abgesucht wurden. Informantenschutz gibt es ja nur für die Regierung (siehe Daten-CD der LGT im Bochumer Mammutermittlungsverfahren in Sachen Steuerhinterziehung). Aus Sicht des BND müssen einige Spacken aus der Pressewelt einfach nur bei den Hörnern der Eitelkeit gepackt werden und schon sprudeln die Quellen. Zumindest wenn man dem zuständigen Abteilungsleiter des BND, Foertsch, Glauben schenken soll, darf, muss?

Er erklärte vor dem Untersuchungsausschuß freimütig, dass nicht wenige Journalisten mit oder ohne finanzielle Zuwendungen allerlei Informationen über nette und unliebsame Kollegen los werden wollten. In einem Bericht des Zapp-Magazins im NDR wurde ein Mitglied des Ausschusses deutlicher, Michael Hartmann, SPD: „Herr Foertsch hat sich oft getroffen mit Journalisten, mit manchen nahezu 100 Mal. Er hat über einen Journalisten, alleine über einen Journalisten, ein Dossier von über 200 handschriftlichen Seiten angefertigt.[...] Es gab eine Reihe von Journalisten – die ich mit dieser Berufbezeichnung gar nicht so gerne belegen mag – die sehr leicht und leichtfertig, ja sogar prahlerisch Informationen angeboten haben. Und zwar Informationen bis hin zum Quellenverrat, beziehungsweise dem Verrat von Quellen anderer Journalisten.“

Man könnte jetzt auf den Pressekodex verweisen, der jede Zusammenarbeit mit Nachrichtendiensten grundsätzlich verbietet. Man könnte auch ganz schlicht auf kollegiales Verhalten hinweisen. Sogar das Herbeizitieren der Glaubwürdigkeit der berühmten vierten Macht im Staat wäre kein überzogener Diskussionsstrang. Denn wer sonst arbeitet so konsequent an ihrer eigenen Unglaubwürdigkeit als die Presse selbst. Leider ist das Interesse der Presse an den schwarzen Schafen extrem gering, sodass nur wenige Zeitschriften es als notwendig erachteten, die Enthüllungen von Foertsch in ihren Organen zu publizieren. So ist das eben immer mit den Elchen…

Die unbeugsamen Bewohner aus Kleinbonum hatten einen Korrespondeten vor Ort. Peter Carstens, Parlamentskorrespondent der FAZ: „Die Motive der Journalisten sind Geltungsbedürfnis, Mitteilungsbedürfnis, vereinzelt rein finanzielle Interessen. Es gibt auch noch das Motiv, das man Kollegen aktiv schaden möchte. Also es gibt einzelne Vorkommnisse oder Fälle in diesem Komplex, wo Journalisten oder sogenannte Journalisten später sogar zugegeben haben, dass sie beim „Bundesnachrichtendienst“ deswegen so ausführlich über den und den Kollegen geredet haben, weil sie ihn verachteten.“

Mir jedenfalls klingen noch die güldenen 10 Thesen des Netzwerks Recherche in den Ohren. Vielleicht wäre es gut, wenn das Netzwerk, verdi und der DJV in ihre Mitgliedersatzung reinschreiben würden, dass journalistisch tätige Mitglieder, die aktiv für den BND arbeiten, eine Vertragsstrafen von 80 Monatsgehältern eines Innenministers zu zahlen haben. Denn eine Pönalisierung solcher Untugenden könnte sogar die Arroganz des einen oder anderen Journalisten in eine soziale Kompetenz verwandeln…

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Folgende Schlagwörter: Die Gesellschaft, Kritik, medien, Politik

2 Kommentare

  1. Wenn wundert das noch. Also ob Journalisten irgendetwas verstanden hätten in bezug auf Glaubwürdigkeit. Die machen immer immer im Web rum, recherchieren nicht selten bei den “unglaubwürdigen” Bloggern und kommen nachher ganz dick mit dpa-Meldungen und Blog-Hintergründen zu den Preisverleihungen…

    Es gibt Ausnahmen. Sicher. Leider oder Gott sei Dank schreiben die nach einiger Zeit nur noch in Büchern um sich nicht den Ruf mit der hiesigen Presse zu verhunzen…

    Seltsam, dass außer FAZ und Süddeutsche keine ein Fass augemacht hat. naja, beim Focus ist das ja noch einleuchtend…

    Tchy

Trackbacks

  1. mein gott und meine welt » Blog Archive » “echte Journalisten” = Inoffizielle Mitarbeiter des BND!?

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