Angststörungen um die digitale Identität?
Wenn tägliche Onliner nichts mehr in ihr Blog schreiben oder ihr Twitterfeed plötzlich stumm wird, haben manche Angst um ihren Avatar, also ihre selbst geschaffene digitale Identität. Einige statten diese mit viel Brimborium und Fassade aus, andere versuchen möglicht nahe am Original zu bleiben.
Tim Berry, Urgestein von Palo Alto Software beschreibt eben diese Schuldgefühle mit Twitter. Er erklärt in seinem Blog das Problem, wem er denn nun “folgen ” solle. Und auch er beschreibt – ja er entschuldigt sich fast – dass er nicht immer alles Wesentliche dort dokumentiert. So nimmt das life-tracking bereits hier seinen Anfang und gebärt Schuldgefühle, die bei einigen schwächeren Persönlichkeiten sicher irgendwann in Angstgefühle umschlagen können.
Dies ist eine sehr ambivalente Geschichte, denn eigentlich ist allein der Glaube, die Welt interessiere sich für all die kleinen Dinge und Meinungen, die wir am Tag von uns geben, eine eher narzistische Motivation und damit am Rande der gesellschaftlich erlaubten seelischen Landschaft angesiedelt. Aber da es eben sehr viele gibt, die das gleiche tun, erteilt man sich sich gegenseitig permissive self-marketing. Nur das man eben eine künstliche Person geschaffen hat und kein reales Selbst – ein digitales Etwas. Was bei Twitter noch ganz natürlich und real ist, da man ja zumeist direkte Bekannte verfolgt bzw. verfolgt wird, kann aber in einigen anderen Bereichen des Web ganz besondere Blüten treiben.
Ganz krass wird dies bei virtuellen Gesellschaften wie Second Life. Hier setzt schnell die Hybris ein, man könne dort mehr und anders als in der realen Welt sein. Und weil es eben offenbar nur in Pixeln statfindet, kann es für die Persönlichkeit ja nicht gefährlich sein. Das ist etwas zu kurz gesprungen.
“You are, after all, your avatar’s parents; there’s no one else to blame. So leaving the real world to participate in an online community – or a virtual world like Second Life – doesn’t relieve the anxiety of self-consciousness; it magnifies it. You become more, not less, exposed.” Erklärt intelligent Nichlas Carr in seinem Blog



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